Abgrenzung, Zweck und Plan dieses Buches versteht man am besten, wenn man weiss, wie es entstanden ist. Bei der 32. Tagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft 1972 in Frankfurt wurde der Beschluss des Vorstandes verkündigt, keine Feier zur 50jährigen Wiederkehr des Gründungstages zu veranstalten. Da tauchte der Gedanke auf, stattdessen ein Sonderheft der Zeitschrift für Geophysik zum Thema "Geschichte der Geophysik" herauszugeben. Eine schriftliche Umfrage bei Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft erbrachte allgemeine Zustimmung und, was noch wichtiger war, Angebote, bestimmte Artikel für dieses Sonderheft zu schreiben. Der Vorstand akzeptierte den Vorschlag und bestellte das Herausgebergremium. Inzwischen ging die Zeitschrift auf einen neuen Verlag über. Der bot an, statt des Sonderheftes ein eigenes Buch herauszugeben. Das wurde gern akzeptiert.
Aus dieser Entstehungsgeschichte erklärt sich der Charakter des Buches: eine lose Sammlung verschiedenartiger Beiträge zur Geschichte der Geophysik. Jeder einzelne Artikel genügt wissenschaftlichen Ansprüchen, doch kann ihre Gesamtheit nicht den Anspruch erheben, die Geschichte der Geophysik darzustellen. Dazu ist ihre Auswahl zu unsystematisch. Ohne besondere Absicht wurde das deutsche geophysikalische Schrifttum bevorzugt, einfach weil alle Autoren Deutsche sind. Auch beschäftigen sich mehrere Artikel mit Details, die zwar für die Geschichte der Geophysik relevant sind, aber erst in einer viel umfangreicheren Darstellung dieser Geschichte Platz gefunden hätten.
Auch eine Zusammenstellung, bei der von vornherein auf Systematik und Vollständigkeit verzichtet wurde, kann bleibenden Wert für die Geschichte der Geophysik haben. Geschichtliche Tatsachen wurden hervorgeholt und damit vor dem Vergessen bewahrt. Auch wurden Zusammenhänge aufgedeckt, die bei der üblichen Darstellung der Geophysik, bei der die geschichtliche Entwicklung eliminiert wird, verborgen bleiben.
Leider haftet der Beschäftigung mit der Geschichte der Geophysik etwas Esoterisches an. Forschende oder praktisch tätige Geophysiker glauben, keine Zeit dafür zu haben. Historikern erscheint die Materie zu fremd. Die wenigen, die sich über solche Vorurteile hinwegsetzen, finden in der Geschichte der Geophysik - genauso wie in der anderer Naturwissenschaften - eitel Freude, ist doch im Gegensatz zur politischen Geschichte nur von "Fortschritten" zu berichten.
Wenn es diesem Band gelingt, einige Leser, denen die Geschichte unserer Disziplin auch bisher schon eine Bereicherung ihrer Arbeit und ihres Lebens war, zu erfreuen und darüberhinaus andere neu als Freunde der Geschichte der Geophysik zu gewinnen, so sehen sich die Herausgeber für ihre Mühe belohnt. Allen, die weiter eindringen wollen in das bisher nur wenig erforschte Gebiet, soll der letzte Artikel "Quellen zur Geschichte der Geophysik" Wegweiserdienste leisten.