M. Koenig: Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922-1974
1. Vorbemerkung
Der Name "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft" besteht fünfzig Jahre. Das ist Grund genug zu einem Ruckblick auf die Leistungen der Geophysik und die Entwicklung dieser Gesellschaft. Ein ähnlicher Rückblick erschien aus Anlass des dreissigjährigen Bestehens der Gesellschaft in der Zeitschrift für Geophysik im ersten nach dem Zweiten Weltkrieg gedruckten Heft. Aus dem Inhalt dieses Heftes sei vor allem ein von Hiller (1953) verfasster Beitrag erwähnt, der den Titel "30 Jahre Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922 - 1952" trägt. Die in diesem Artikel enthaltenen Daten und Fakten seien nachfolgend in groben Zügen wiedergegeben, weil jenes Heft manchem interessierten Leser nur schwer zugänglich sein wird.
2. Allgemeine Vereinsgeschichte, Vorstand, Ehrungen
Anlässlich der Jahresversammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte im September 1922 in Leipzig wurde auf Anregung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Emil Wiechert die "Deutsche Seismologische Gesellschaft" gegründet. Dieser Zusammenschluss deutscher Geophysiker muss vor dem historischen Hintergrund der Situation Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden, der das Land in eine sowohl wirtschaftliche wie auch wissenschaftliche Isolierung geführt hatte. Doch eine Konzentration nur der seismologischen Kräfte war auf die Dauer nicht befriedigend. So kam es, dass bereits zwei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft ihr Aufgabenbereich auf die übrigen zum Fach Geophysik zahlenden Disziplinen erweitert wurde. Wahrend der dritten Jahrestagung der Deutschen Seismologischen Gesellschaft im September 1924 in Innsbruck, die wiederum in Verbindung mit der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte abgehalten wurde, beschlossen die Mitglieder die Umbenennung des Namens in "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft".
Den Umfang des erweiterten Arbeitsgebietes der Gesellschaft erkennt man aus der Einteilung, die dem ersten Band der Zeitschrift für Geophysik vorangestellt wurde:
I. Bewegung und Konstitution der Erde.
1. Rotation, Umlauf, Präzession, Nutation, Polschwankung.
2. Masse, Schwere, Figur, Dichte, Elastizität der Erde.
3. Zusammensetzung, Druck, Temperatur des Erdkörpers, des Meeres
und der Atmosphäre, Aggregatzustand des Erdkörpers.
4. Massenverteilung im Erdinnern, isostatische Lagerung.
II. Deformationen, Strömungen, Schwingungen.
1. Geologische Hebungen und Senkungen, Faltung, Gebirgsbildung,
Vereisung, Gletscherbewegung, Vulkanismus.
2. Gezeiten der Atmosphäre, des Meeres und des festen
Erdkörpers.
3. Wellenbewegung und Strömungen in Luft und Wasser.
4. Elastische Deformationen, Seismizität der Erde, Seismik,
Schallausbreitung in Luft, Wasser und Erde.
III. Elektrisches und magnetisches Feld der Erde.
1. Das innere, permanente Magnetfeld der Erde, seine geographische
Verteilung und säkulare Variation.
2. Das erdmagnetische Aussenfeld und seine periodischen Variationen.
Erdmagnetische Störungen.
3. Erdströme und Polarlicht.
4. Luftelektrizität. Radioaktivität der Erde, des Meeres
und der Luft.
IV. Kosmische Physik (in ihrer Beziehung zur Erde und ihrer
Atmosphäre).
1. Geschichte der Erde, Altersbestimmung der Erde als ganzes und
ihrer Kruste.
2. Solarkonstante, Strahlung der Erde und ihrer Atmosphäre,
Durchlässigkeit der Atmosphäre für alle
Wellenlängen, für die durchdringende Strahlung,
Licht-, Wärme-, drahtlose Wellen.
3. Beziehung der Sonnentätigkeit zum Wärmehaushalt der
Erde und zu ihrem elektrischen und magnetischen Feld.
4. Klimaschwankung.
V. Angewandte Geophysik.
1. Schwerkraft _... / 2. Seismische _... / 3.Magnetische _... /
4. Elektrische _... Methoden
zur Bestimmung der Lagerung der Erdschichten zu geologischen und
bergbaulichen Zwecken.
5. Physikalische Abstands- und Höhenmessungen,
Tiefenbestimmungen des Meeres.
6. Richtungsbestimmungen mittels Magnet- und Kreiselkompasses.
VI. Als Grenzgebiete gelten:
1. Meteorologie; 2. Hydrologie; 3. Physiogeographie; 4,
Geodäsie; 5. Geologie; 6. Astronomie; 7. Astrophysik; 8.
Physik; 9. Chemie; 10. Mathematik.
Die jeweilige Mitgliederzahl und die Namen der Vorsitzenden sind in der Zeittafel (Tabelle 1) angegeben. Mit Ausnahme der Zeitspanne von 1930 bis 1945 fand in der Regel etwa alle zwei Jahre gelegentlich einer Tagung ein Wechsel im Vorsitz der Gesellschaft statt. Wesentlich länger war die jeweilige Amtsperiode des Kassenwartes. Diese Geschäfte führten: Prof. R. Schutt (1922 - 1937), Prof. G. Fanselau (1938 - 1945), Prof. H. Menzel (1947 - 1962), Dr. F. Model (1963 - 1968) und Dipl.- Geophys. H.B. Hirschleber (1968 - 1974).
Das Amt des Schriftführers wurde erst 1947 neu eingerichtet. Die bisherigen Schriftführer waren: Prof. P. Raethjen (1947 - 1948), Prof. H. Menzel (1948 - 1951), Prof. H. Berckhemer (1951 - 1953), Prof. K. Brocks (1953 - 1962), Prof. K. Strobach (1963 - 1964), Prof. R. Gutdeutsch (1964 - 1971) und Dr. M. Koenig (1971 - 1974> .
Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte eine Unterbrechung in der Geschichte der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, weil diese 1945 auf Anordnung der Alliierten aufgelöst wurde. Doch der innere Zusammenhalt der Geophysiker konnte die kurze Periode, in der die Gesellschaft formal nicht mehr bestand, überbrücken.
Bereits zu Beginn des Jahres 1946 wurde der frühere Vorsitzende, Prof. J. Bartels, von vielen ehemaligen Mitgliedern gedrängt, die Neugründung der Gesellschaft vorzubereiten. Er lehnte dieses jedoch mit dem Hinweis ab, dass es im Hinblick auf das Misstrauen der Alliierten besser sei, wenn die neue Gesellschaft von jemandem organisiert werde, der nicht der alten Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft vorgestanden habe. Im übrigen empfahl er, als Vorstufe für eine "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft" zunächst eine "Geophysikalische Gesellschaft in Hamburg" zu gründen, weil hierzu die notwendige Genehmigung der zuständigen Militärregierung leichter zu erhalten sei. So kam es am 20. November 1947 zur Gründung dieser nach aussen regional erscheinenden Gesellschaft. Ihr traten 52 Mitglieder bei, die Prof. L. Kleinschmidt zu ihrem Vorsitzenden wählten. Zwei Jahre später, anlässlich der Tagung in Clausthal, konnten die Mitglieder die Umbenennung in "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft" beschliessen.
Die Aktivität der Gesellschaft richtete sich in den ersten Nachkriegsjahren nicht allein auf das Abhalten von Tagungen (s. Abschn. 3) und ein Wiederaufleben ihrer Zeitschrift (s. Abschn. 4), sondern es galt in jener Zeit des Aufbaus die Wissenschaft selbst nach innen und aussen zu organisieren. In ihrer Tätigkeit wurde die Gesellschaft jedoch immer stärker auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland beschränkt.
Zweimal im Verlauf ihrer Geschichte gab sich die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft eine neue Satzung. Einmal bei der Wiedergründung 1947 und ein zweites Mal 1972. Die neuere Satzung wurde nach längeren grundsätzlichen Diskussionen abgefasst und von der Mitgliederversammlung am 23. Februar 1972 in Frankfurt a.M. verabschiedet. Die neue Satzung löste die ältere aus dem Jahr 1947 stammende formal ab, aber inhaltlich legte sie nur das fest, was sich bis dahin als "Spielregel" bewährt hatte. Die inzwischen auf 544 Mitglieder angewachsene Grösse der Gesellschaft liess es im Hinblick auf finanzielle Überlegungen zweckmässig erscheinen, ihr die äussere Form einer juristischen Person zu verschaffen. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 17. November 1972 in Hamburg.
Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ehrte Mitglieder, die sich um die Geophysik und die Gesellschaft verdient gemacht haben, in besonderer Weise. Sie ernannte Geh. Reg.-Rat Prof. E. Wiechert zum Ehrenvorsitzenden und Nachstehende zu Ehrenmitgliedern: Geheimrat Prof. H. Hergesell, Geheimrat Prof. Ad. Schmidt, Geheimrat Prof. O. Hecker, Prof. L. Mintrop, Prof. E. Tams, Prof. E. Kleinschmidt, Prof. B. Brockamp, Dr. W. Zettel, Prof. K. Jung, Prof. H, Reich und Prof. A. Schleusener.
Auf Anregung von Prof. L. Mintrop stiftete die Gesellschaft am 28. April 1955, anlässlich der Tagung in München, die "Emil-Wiechert-Medaille", um die besonderen Verdienste auf dem Gebiet der Geophysik zu würdigen. Die bisherigen Träger dieser Medaille sind: Prof. J. Bartels (1955), Prof. A. Defant (1956), Prof. B. Gutenberg (1957), Prof. I. Lehmann (1964), Prof. S. Chapman (1969) und Prof. L. Biermann (1973).
3. Tagungen
Von Anfang an hat die Gesellschaft als wichtigstes Hilfsmittel zur Lösung ihrer selbstgestellten Aufgabe, der "Mehrung und Verbreitung des geophysikalischen Wissens in Forschung, Lehre und Anwendung", die Veranstaltung von Tagungen angesehen. Bis 1930 fanden die Tagungen jedes Jahr statt (s. Tabelle 1). Nach 1930 sollten die Tagungen im Wechsel mit denen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft alle zwei Jahre abgehalten werden. Die letzte Tagung vor dem Krieg fand 1938 in Jena statt. Die erste Tagung nach dem Krieg konnte dann erst wieder 1948 in Hamburg abgehalten werden.
Seit 1948 war es der Gesellschaft möglich, neben der Beteiligung an dem Hamburger Geophysikalischen Kolloquium, das in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Bedeutung gewonnen hatte, wieder regelmässig Tagungen zu veranstalten. Als besonders schmerzlich wurden allerdings die Behinderungen der Tagungen empfunden, die sich aus der Teilung Deutschlands in die Besatzungszonen ergaben.
Die Folge der Tagungen war in der ersten Nachkriegszeit nicht mehr so regelmässig, es wurden jedoch häufiger Tagungen mit Nachbargesellschaften (Meteorologische Gesellschaften, Physikalische Gesellschaften und Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik - s. Abschn. 5) gemeinsam veranstaltet.
4. Zeitschrift
Als weiteres wichtiges Hilfsmittel bei der Verbreitung geophysikalischen Wissens dient die von der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft herausgegebene "Zeitschrift für Geophysik". Sie erschien seit 1924 beim Verlag Friedrich Vieweg u. Sohn AG in Braunschweig. Schriftleiter war Prof. G.H. Angenheister. Neben Originalarbeiten und Mitteilungen der Gesellschaft enthielt die Zeitschrift von Anfang an ein Verzeichnis der laufend erschienenen geophysikalischen Literatur. Vom dritten Band ab wurde das Literaturverzeichnis durch den Abdruck der Referate geophysikalischer Arbeiten aus den "Physikalischen Berichten" ergänzt. Wegen der Kriegsereignisse konnten vom 18. Jahrgang (1943) nur noch vier Hefte erscheinen. Es vergingen zehn Jahre, bis ein Wiedererscheinen möglich wurde, zunächst mit dem Sonderband aus Anlass des dreissigjährigen Bestehens der Gesellschaft (1953), der nachträglich die Bandnummer 19 bekam. Ab 1955 erschien die Zeitschrift dann wieder regelmässig, jedoch beim Physica-Verlag, Würzburg. Schriftleiter war Prof. B. Brockamp. Dieses Amt übergab er 1961 Prof. W. Dieminger, dem seit 1968 Prof. J. Untiedt in dieser Tätigkeit zur Seite steht.
Dank der finanziellen Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft konnte der Umfang der Zeitschrift vergrössert und die Druckqualität im Laufe der Jahre verbessert werden.
Die Gesellschaft sah jedoch die Notwendigkeit, ihre Zeitschrift auf lange Sicht auf eine wirtschaftlich gesunde Basis zu stellen und die Voraussetzungen für eine grössere internationale Verbreitung zu schaffen. So erfolgte mit dem Jahrgang 40 (1974) ein erneuter Verlagswechsel. Die Zeitschrift wurde vom Springer-Verlag, Berlin - Heidelberg - New York, übernommen. Mit dem Verlagswechsel verbunden war die Erweiterung des Titels auf "Journal of Geophysics / Zeitschrift für Geophysik", worin der in Zukunft grössere englischsprachige Anteil der Artikel zum Ausdruck kommen sollte. An die Stelle der Schriftleiter trat ein international zusammengesetztes Herausgeber- und Beratergremium mit Prof. W. Dieminger als Hauptherausgeber.
Entsprechend der wechselnden Mitgliederzahl (s. Tabelle 1) war die Auflagenhöhe der Zeitschrift unterschiedlich. Im Jahre 1973 betrug sie 1000 Exemplare. Die Anzahl der von den Mitgliedern der Gesellschaft bezogenen Zeitschriftenhefte und der über den Buchhandel vertriebenen Bände war sowohl vor 1945 als auch später stets etwa gleich gross.
Die Aufnahme eines Literaturverzeichnisses und der geophysikalischen Referate wurde nach dem Krieg nicht fortgesetzt. Auch wurden die in der Zeitschrift veröffentlichten "Mitteilungen" stark beschnitten. Dafür wurde die Reihe der schon vor dem Wiederaufleben der Zeitschrift in zwangloser Folge vom Vorstand herausgegebenen "Mitteilungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft" weitergeführt. Hierin wurde über die Tagungen, insbesondere die Geschäftsversammlungen und sonstige für Geophysiker wichtige Ereignisse berichtet. Seit 1968 enthalten diese Mitteilungen auch Verzeichnisse der geophysikalischen Vorlesungen an den deutschsprachigen Universitäten und Technischen Hochschulen.
5. Nachbargesellschaften
Zu anderen wissenschaftlichen Gesellschaften mit verwandten Arbeitsgebieten unterhielt die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft stets gutnachbarliche Beziehungen. Das gilt natürlich ganz besonders für die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, aus deren Schoss sie ja seinerzeit hervorging. Vier Tagungen fanden im Zusammenhang mit Versammlungen dieser Gesellschaft statt.
Als nächstes sind die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und ihre Nachfolgeorganisationen zu nennen. Erinnert sei an den turnusmässigen Wechsel der Tagungen in den dreissiger Jahren, an die ersten vier Hamburger Tagungen nach dem Krieg, die gemeinsam mit den Meteorologischen Gesellschaften in Hamburg und Bad Kissingen veranstaltet worden waren und schliesslich an die mit dem Verband Deutscher Meteorologischer Gesellschaften ebenfalls in Hamburg gemeinsam durchgeführte Tagung im Jahr 1968. Ein Vertreter dieses Verbandes nimmt auch heute als "ständiger Gast" an den Sitzungen des Vorstands teil.
Im Oktober 1959 beschloss die Mitgliederversammlung den Beitritt der Gesellschaft zum Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften, der späteren Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Dieser wurde allerdings erst im Dezember 1960 realisiert. Seitdem ist die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft assoziiert. Zu Vorstandsitzungen beider Verbände entsendet die jeweils andere einen Vertreter. Der enge Kontakt der beiden Gesellschaften kam unter anderem in der 1969 in Salzburg in Verbindung mit der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft abgehaltenen gemeinsamen Tagung zum Ausdruck. Seit 1967 besteht eine von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft gemeinsam getragene "Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik". Später haben sich auch die Astronomische Gesellschaft und der Verband Deutscher Meteorologischer Gesellschaften der Trägerschaft angeschlossen. Diese Arbeitsgemeinschaft ist für Mitglieder aller beteiligten Gesellschaften offen. Die Göttinger Tagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft im Jahr 1973 fand in Verbindung mit einer Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft statt.
Gute Beziehungen werden auch zu dem 1964 gegründeten "Forschungskollegium Physik des Erdkörpers" unterhalten. Der Vorsitzende des Forschungskollegiums wird regelmässig zu den Sitzungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft eingeladen. Umgekehrt ist der Vorsitzende der Gesellschaft ex officio Mitglied des Forschungskollegiums.
6. Internationale Beziehungen
Nach dem Ersten Weltkrieg waren die offiziellen Beziehungen zwischen deutschen und ausländischen Geophysikern gründlich gestört. Davon zeugen die Berichte über die Geschäftssitzungen der ersten Tagungen. Es dauerte bis zum Jahr 1939 (!), bis Deutschland der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik, anlässlich der Tagung in Washington, beitrat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bundesrepublik Deutschland bereits 1951 bei der Tagung der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik in Brüssel als volles Mitglied in die Union aufgenommen. Als parallele deutsche Organisation wurde die Deutsche Union für Geodäsie und Geophysik gegründet. Ihr gehören der Vorsitzende der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft und sein Stellvertreter ex officio an. Die Gesellschaft benennt jeweils Sektionsleiter und Stellvertreter der Sektionen Erdmagnetismus, Seismologie und Physik des Erdinneren, Ozeanographie, Hydrographie und Vulkanologie.
So bestand die Möglichkeit, in vollem Umfang an den grossen internationalen Unternehmungen der nächsten Jahre, teilzunehmen, die für die Geophysik von ausschlaggebender Bedeutung waren, nämlich das Internationale Geophysikalische Jahr, die Internationale Geophysikalische Kooperation, die Internationalen Jahre der ruhigen Sonne, das Internationale Projekt oberer Erdmantel sowie das Geodynamikprojekt.
Grosse Beachtung schenkte die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft naturgemäss der 1951 gegründeten European Association of Exploration Geophysicists. Die Gesellschaft wandte sich energisch gegen eine Abspaltung der "Angewandten Geophysik", da die enge Verbindung zwischen reiner und angewandter Geophysik sich als für beide Teile äusserst fruchtbar erwiesen hatte. 1953 wurde der Vorschlag gemacht, in Zukunft zwei stellvertretende Vorsitzende zu haben, damit unter den Vorsitzenden immer ein Vertreter der Angewandten Geophysik sein könne.
7. Deutsche Forschungsgemeinschaft
Ein Jahr nach Gründung des Deutschen Forschungsrates, der sich später mit der "Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaft" zur "Deutschen Forschungsgemeinschaft" zusammenschloss, wurde die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft im März 1950 in den Beirat dieser Organisation aufgenommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat in der Folgezeit die Geophysik sehr tatkräftig unterstützt. Ohne ihre stetige Förderung wäre eine Beteiligung an den grossen internationalen Unternehmungen (s. Abschn. 6) nicht möglich gewesen. Auch die Zeitschrift für Geophysik (s. Abschn. 4) erhielt jahrelang einen nicht unbeträchtlichen Druckkostenzuschuss von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ist vorschlagsberechtigt bei den Wahlen der Fachgutachter.
Für die sorgfältige Durchsicht des Manuskripts und für wertvolle ergänzende Hinweise ist der Verfasser den Herren Professoren W. Hiller, W. Hertz, H. Menzel und V. Schmucker sehr zu Dank verpflichtet.
Literatur
Zum Lit-Verzeichnis Killer, W.: 30 Jahre Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922 - 1952. Z. Geophys. 19, 5 - 8 (1953).
Tabelle 1: Zeittafel
| Jahr | Mitglieder | Vorsitzende | Tagungen | - | Anmerkungen |
| 1922 | - | Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. E. Wiechert | 1. Leipzig | 17. -24.09. | Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte (VDNÄ) Gründung der Deutschen Seismologischen Gesellschaft (DSG) |
| 1923 | 63 | " | 2. Jena | 04.-05.10. | - |
| 1924 | - | " | 3. Innsbruck | 21.-27.09. | VDNÄ ª Umbenennung der DSG in Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) Herausgabe der Ztschr. für Geophysik bei Friedr. Vieweg u. Sohn |
| 1925 | 140 | Prof. O. Hecker | 4. Göttingen | 07.-09.12. | - |
| 1926 | - | Prof. Ad. Schmidt | 5. Düsseldorf | 22.-24.09. | VDNÄ ª |
| 1927 | 160 | Prof. E. Kohlschütter | 6. Frankfurt a. M. | 26.-28.09. | - |
| 1928 | - | " | 7. Hamburg | 18.-22.09. | VDNÄ ª |
| 1929 | 187 | Prof. F. Linke | 8. Dresden | 03.-05.10. | - |
| 1930 | 216 | Prof. E. Kohlschütter | 9. Potsdam | 11.-14.09. | - |
| 1931 | - | " | - | - | - |
| 1932 | 197 | " | 10. Leipzig | 04.-06.10. | - |
| 1933 | - | " | - | - | - |
| 1934 | 186 | " | 11. Bad Pyrmont | 13.-15.09. | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) ª |
| 1935 | - | " | - | - | - |
| 1936 | 190 | Prof. J. Bartels | 12. Berlin | 08.-10.10. | - |
| 1937 | - | " | - | - | - |
| 1938 | - | Prof. J. Bartels | 13. Jena | 20.-22.10. | - |
| 1939 | 217 | " | - | - | - |
| 1940 | - | " | - | - | - |
| 1941 | - | " | - | - | - |
| 1942 | - | " | - | - | - |
| 1943 | - | " | - | - | - |
| 1944 | - | " | - | - | Ztschr. f. Geophysik erscheint vorübergehend nicht mehr |
| 1945 | - | " | - | - | DGG wird aufgelöst |
| 1946 | - | - | - | - | - |
| 1947 | 52 | Prof. E. Kleinschmidt | - | - | formale Gründung der Geophys. Ges. in Hamburg |
| 1948 | - | " | 14. Hamburg | 04.-06.09. | Meteorol. Ges. Bad Kissingen ª und Hamburg ª |
| 1949 | 141 | Dr. G. Böhnecke | 15. Clausthal | 01.-03.09. | Umbenennung der Geophys. Ges. in Hamburg in DGG |
| 1950 | 155 | " | 16. Hamburg | 23.-25.10. | Meteorol. Ges. in Bad Kissingen ª und Hamburg ª DGG wird Beiratsmitglied im Dtsch. Forschungsrat |
| 1951 | 185 | Prof. W. Hiller | 17. Stuttgart | 07.-11.10. | Bildung der Deutschen Union für Geodäsie und Geophysik und Aufnahme in die Internationale Union für Geodäsie und Geophysik |
| 1952 | 217 | " | 18. Hamburg | 27.-30.08. | Meteorol. Ges. in Bad Kissingen ª und Hamburg ª |
| 1953 | 225 | Prof. F. Errulat | 19. Hannover | 06.-10.10. | Ztschr. f. Geophysik Sonderband |
| 1954 | 253 | " | - | - | - |
| 1955 | 265 | Prof. K. Jung | 20. München | 26.-30.04. | Ztschr. f. Geophysik erscheint regelmässig im Physica-Verlag Stiftung der Emil-Wiechert-Medaille |
| 1956 | 280 | " | 21. Hamburg | 25.-29.09. | Meteorol. Ges. in Bad Kissingen ª u. Hamburg ª |
| 1957 | 317 | " | - | - | - |
| 1958 | 326 | Prof. W. Dieminger | 22. Leipzig | 02.-05.05. | - |
| 1959 | 365 | " | 23. Bad Soden | 14.-16.10. | - |
| 1960 | - | " | - | - | DGG tritt dem Verband Deutscher Physik. Ges. bei |
| 1961 | 382 | Prof. H. Closs | 24. Hannover | 12.-15.04. | - |
| 1962 | - | " | - | - | - |
| 1963 | 428 | Prof. W. Kertz | 25. Bochum | 03.-06.04. | - |
| 1964 | 469 | Prof. A. Schleusener | 26. Freiburg | 29.09.-01.10. | Gründung des Forschungskollegiums Physik des Erdkörpers |
| 1965 | - | " | - | - | - |
| 1966 | 487 | Prof. K. Brocks | 27. Kiel | 04.-07.04. | - |
| 1967 | 517 | " | 28. Clausthal | 17.-20.05. | DGG gemeinsam mit DPG Träger der "Arbeitsgem. Extraterr. Physik" Neueinrichtung des Amts eines "designierten Vorsitzenden" |
| 1968 | 525 | Prof. G. Angenheister | 29. Hamburg | 01.-06.04. | Verband Deutscher Meterol. Ges. ª (100 Jahre Norddeutsche Seewarte) |
| 1969 | 527 | " | 30. Salzburg | 29.09.-04.10. | DPG ª u. Österr. Physik. Ges. ª |
| 1970 | 521 | " | - | - | - |
| 1971 | 536 | Prof. H. Menzel | 31. Karlsruhe | 22.-27.03. | - |
| 1972 | 544 | " | 32. Frankfurt a.M. | 21.-24.02. | DGG wird in das Vereinsregister Hamburg eingetragen |
| 1973 | 587 | Prof. A. Hahn | 33. Göttingen | 05.-10.03. | Arbeitsgemeinschaft Extraterr. Physik ª |
| 1974 | 603 | " | 34. Berlin | 25.-30.03. | Ztschr. f. Geophysik erscheint im Springer-Verlag |