Vorbemerkung
Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) kann im Jahr 1997 auf
ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken. Die Daten und Fakten
zu diesem Ereignis sollen in der nachfolgenden Arbeit wiedergegeben
werden. Bei zwei vorangegangenen Anlässen - dem 30jährigen
und 50jährigen Bestehen der Gesellschaft - wurde ihre Geschichte
von Hiller (1953) und Koenig (1974) in einer Dokumentation
zusammengetragen. Wir beziehen uns auf diese Arbeiten, geben sie in
groben Zügen wieder und erweitern die Dokumentation um die
letzten 25 Jahre. Eine Graphik (Abb. 4) soll das
Lesen der Arbeit erleichtern.
Die Öffnung der innerdeutschen Grenze im Jahre 1989 hat ganz neue
Aspekte auch für die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft
gebracht. Die Zahl der Mitglieder ist sprunghaft gestiegen. Die
Geophysiker der neuen Bundesländer mit den traditionsreichen
Standorten Freiberg, Jena, Leipzig und Potsdam sind wieder voll in die
Arbeit der Gesellschaft einbezogen. Dies schlägt sich nicht
zuletzt in dem Beschluss des Vorstandes nieder, die Jahresversammlungen
verstärkt dort abzuhalten (Leipzig 1992, Freiberg 1996, Potsdam
1997) und dem DGG-Archiv, das zunächst in Hannover
zusammengetragen wurde, am Gründungsort der Gesellschaft in
Leipzig seinen endgültigen Standort zu geben.
Leider ist die Überlieferung von Originaldokumenten aus den
Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg lückenhaft. Deshalb wird manche
Frage zur Geschichte der Gesellschaft erst durch den Fund weiterer
Unterlagen geklärt werden können oder für immer
unbeantwortet bleiben müssen.
Allgemeine Vereinsgeschichte
Dieser Zusammenschluss deutscher Geophysiker muss vor dem historischen
Hintergrund der Situation Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg
gesehen werden. Der Krieg hatte das Land sowohl in wirtschaftliche wie
auch in wissenschaftliche Isolierung geführt. Um so dringender
war die Initiative bedeutender und international anerkannter
Wissenschaftler zur inneren Konsolidierung und zu nach aussen
gerichteten Aktivitäten. Die Seismologen machten den Anfang.
Bereits zwei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft wurde ihr
Aufgabenbereich auf die übrigen zum Fach Geophysik zählenden
Disziplinen erweitert. Während der dritten Jahrestagung der
Deutschen Seismologischen Gesellschaft im September 1924 in Innsbruck,
die wiederum in Verbindung mit der Versammlung Deutscher Naturforscher
und Ärzte abgehalten wurde, beschlossen die Mitglieder die
Umbenennung in "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft".
Den Umfang des erweiterten Arbeitsgebietes der Gesellschaft erkennt
man aus der Einteilung, die dem ersten Band der Zeitschrift für
Geophysik vorangestellt wurde:
L Bewegung und Konstitution der Erde.
Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft beschloss auf der
Mitgliederversammlung anlässlich der Tagung in Dresden am 3. Okt.
1929 einige Änderungen ihrer ersten Satzung. Ein Widerspruch im
Modus des Austauschs der Vorstandsmitglieder und die Machtergreifung
der Nationalsozialisten 1933 machten eine neue Diskussion der Satzung
notwendig. Der DGG-Vorstand hatte deshalb diesen Punkt auf die
Tagesordnung der Mitgliederversammlung anlässlich der Tagung in
Bad Pyrmont im September 1934 gesetzt und gleichzeitig - in einem Akt
von vorauseilendem Gehorsam - den Mitgliedern vorgeschlagen, die
gesamte Satzung von 1929 aufzuheben und durch eine neue, dem
'Führerprinzip' folgende zu ersetzen. Alternativ wurde
vorgeschlagen, die alte Satzung nur durch den sogenannten
'Arier'-Paragraphen des "Gesetzes zur Wiederherstellung des
Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 für Mitglieder des
Vorstandes (nicht für einfache Mitglieder!) zu ergänzen und
den Widerspruch im Wahlmodus zu beseitigen.
Soweit man den heute noch vorliegenden Unterlagen entnehmen kann, ist
sicher, dass die am 14. Sept. 1934 anwesenden Mitglieder nicht die alte
Satzung durch die vorgeschlagene neue ersetzten, sondern lediglich den
Fehler in der alten Satzung korrigierten. Ob der 'Arier'-Paragraph
für Mitglieder des Vorstandes eingeführt wurde, ist im
Protokoll nicht belegt, könnte aber auch aus Vorsicht beim
Abdruck des Protokolls in der ja international verbreiteten
Zeitschrift für Geophysik weggelassen worden sein. Ein akutes
Problem scheint dieser Punkt allerdings nicht gewesen zu sein, denn in
der Tischvorlage der Bad Pyrmonter Mitgliederversammlung wurde betont,
dass der Vorstand ohnehin den geltenden Bestimmungen entspräche.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte eine Unterbrechung in der
Geschichte der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, weil diese
1945 auf Anordnung der Alliierten aufgelöst wurde. Doch der
innere Zusammenhalt der Geophysiker konnte die kurze Periode, in der
die Gesellschaft formal nicht mehr bestand, überbrücken.
Die Aktivitäten der Gesellschaft richteten sich in jener Zeit des
Wiederaufbaus nicht allein auf das Abhalten von Tagungen und das
Wiederaufleben der Zeitschrift; es galt, die Wissenschaft selbst nach
innen und aussen neu zu organisieren. In ihrer Tätigkeit wurde die
Gesellschaft jedoch bis 1989 immer stärker auf das Gebiet der
Bundesrepublik beschränkt. Ungeachtet vielerlei Behinderungen
seitens ostdeutscher Behörden war es immerhin bis Mitte der 60er
Jahre noch möglich, in der DDR mit Zustimmung der vorgesetzten
Dienststelle Mitglied der Gesellschaft zu werden. Die weitere
Entwicklung aber wurde stark vom allergischen Reagieren der Machthaber
in der DDR auf alles, was nach 'Alleinvertretungsanspruch der BRD' und
nach 'gesamtdeutschen Aktivitäten' aussah, bestimmt (vgl.
Abschnitte "Vorstand", "Tagungen").
In den Jahren nach 1955 wurden neue geowissenschaftliche Institute
gegründet, andere ausgebaut und personell verstärkt. So
entstanden aus dem Geophysikalischen Institut der Universität
Hamburg, dem langjährigen Stützpunkt der Gesellschaft nach
dem Kriege, das Institut für Meereskunde, das Meteorologische
Institut und das Institut für die Physik des Erdkörpers. Bis
zu dieser Zeit spiegelt die DGG-Mitgliederstruktur etwa den fachlichen
Umfang wieder, wie er für die Zeitschrift für Geophysik im
Jahre 1924 konzipiert worden war. Unter den Vorsitzenden und
Stellvertretenden Vorsitzenden waren Fachvertreter der Meteorologie
und der physikalischen Ozeanographie. Der letzte Vorsitzende, dessen
Arbeitsgebiet nicht die Feste Erde oder die Aeronomie umfasste, war von
1966 bis 1968 Karl Brocks. Danach gab es in diesen Funktionen nur noch
Vertreter der Geophysik im engeren Sinne.
Diese Konzentration auf das Kerngebiet 'Geophysik' war wegen der
Verästelung und der Expansion der ursprünglichen Teilgebiete
notwendig geworden. Beispielhaft ist hier der Ausbau der Angewandten
und Explorationsgeophysik in Institutionen und Firmen im Raum
Hannover. Auf der anderen Seite sahen die jungen Ozeanographen in der
Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft nicht mehr ihre
wissenschaftliche Heimstatt, weil auch die Meereskunde zunehmend mit
den aufstrebenden Fächern Meereschemie, -biologie und -geologie
zusammenarbeitete. Folgerichtig gründeten sie 1980 die neue
"Deutsche Gesellschaft für Meereskunde" (DGM). Von da an bildete
sich die DGG-Mitgliederstruktur heraus, wie wir sie heute vorfinden.
Zweimal gab sich die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft nach dem
Zweiten Weltkrieg eine neue Satzung; das erste Mal bei der
Wiedergründung 1947 und ein zweites Mal 1972. Die neuere Satzung
wurde nach längeren grundsätzlichen Diskussionen abgefasst
und von der Mitgliederversammlung am 23. Feb. 1972 in Frankfurt a. M.
verabschiedet. Die neue Satzung löste die ältere aus dem
Jahr 1947 formal ab, aber inhaltlich legte sie nur das fest, was sich
bis dahin als 'Spielregel' bewährt hatte. Die zum damaligen
Zeitpunkt auf rund 540 Mitglieder angewachsene Gesellschaft liess es im
Hinblick auf finanzielle Überlegungen zweckmässig erscheinen,
dieser die äussere Form einer juristischen Person zu geben. Die
Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 17. Nov. 1972 in
Hamburg.
Vorstand (Zurück zur Verweisung)
Mit Ausnahme der Zeitspanne von 1930 bis 1945 fand in der Regel alle
zwei Jahre gelegentlich einer Tagung ein Wechsel im Vorsitz der
Gesellschaft statt .
Der gewählte Vorsitzende wurde in seiner
Arbeit durch einen, zeitweise (1924 bis 1967) durch zwei
Stellvertreter unterstützt .
Seit 1947 hat es sich eingebürgert, dass der Vorsitzende nach
Ablauf seiner Amtsperiode zum Stellvertreter wird. 1953 wurde der
Vorschlag gemacht, dass im dreiköpfigen Vorstand immer ein
Vertreter der Angewandten Geophysik sein müsse. Ausserdem gab es
ab 1955 einen Repräsentanten Ostdeutschlands. Obwohl die
Mitarbeit der DDR-Wissenschaftler ab 1967 unmöglich geworden war,
wurde dieser Platz in den folgenden Jahren freigehalten.
Zur Verbesserung der Kontinuität in der Vorstandsarbeit wurde
1967 das Amt des designierten Vorsitzenden geschaffen. Die
automatische Ämterfolge "Designierter Vorsitzender - Vorsitzender
- Stellvertretender Vorsitzender" ist seitdem nicht unterbrochen
worden.
Wesentlich länger als die Amtsperiode der Vorsitzenden war die
des Schatzmeisters bzw. Kassenwarts (Tab. 4) sowie
des Schriftführers (Tab. 5). Das letztgenannte Amt
wurde 1947 eingerichtet. Bis zum Kriege gehörte
der Schriftleiter der Gesellschaftszeitschrift zum Vorstand. Seitdem
ist er automatisch Mitglied des Beirats. Dieser ist Teil des
erweiterten Vorstands und besteht heute aus bis zu zehn
Fachkolleginnen oder Fachkollegen, die für vier Jahre
gewählt werden.
Ehrungen
Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ehrt in besonderer Weise
Mitglieder, die sich um die Geophysik und um die Gesellschaft verdient
gemacht haben. Sie ernannte 1925 Emil Wiechert zum Ehrenvorsitzenden
und später weitere Persönlichkeiten aus ihren Reihen zu
Ehrenmitgliedern. (Tab. 6)
Auf Anregung von Ludger Mintrop stiftete die Deutsche Geophysikalische
Gesellschaft am 28. April 1955 anlässlich der Tagung in
München die "Emil-Wiechert-Medaille", um besondere Verdienste auf
dem Gebiet der Geophysik zu würdigen. Die bisherigen Träger
dieser Medaille sind in Tab. 7
aufgeführt.
Tagungen (Zurück zur Verweisung)
Von Anfang an hat die Gesellschaft als wichtigstes Hilfsmittel zur
Lösung ihrer selbstgestellten Aufgabe, der "Mehrung und
Verbreitung des geophysikalischen Wissens in Forschung, Lehre und
Anwendung", die Veranstaltung von Tagungen (Tab. 8)
angesehen. Bis 1930 fanden die Tagungen jedes Jahr statt. Danach
sollten sie mit denen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft
wechseln. Die 13. und letzte Tagung vor Ausbruch des Zweiten
Weltkriegs wurde 1938 in Jena veranstaltet. Bemerkenswert sind die
zwei Themen, die dort besonders herausgestellt wurden: die "Angewandte
Geophysik im Dienste der Bodenforschung" vor dem Hintergrund der
Geophysikalischen Reichsaufnahme und die "Schwankungen des
erdmagnetischen Feldes" mit besonderer Würdigung der Arbeiten
Filchners in Innerasien.
Erst 10 Jahre später - knapp drei Monate nach der
Währungsreform am 21. Juni 1948 - fanden sich die Mitglieder der
Geophysikalischen Gesellschaft in Hamburg und der beiden
Meteorologischen Gesellschaften (Bad Kissingen, Hamburg) sowie
Gäste und Studenten in der durch Kriegseinwirkung schwer
beschädigten Hansestadt zur ersten Nachkriegstagung ein.
Betrüblich waren die Behinderungen der Tagungen, die sich aus der
Teilung Deutschlands in die Besatzungszonen ergaben. Während bis
Anfang der 60er Jahre auch Geophysikern und Geophysik-Studenten
Ostdeutschlands die Teilnahme an DGG-Tagungen möglich war, ja
sogar die Jahrestagung 1958 in Leipzig veranstaltet werden konnte,
wurde in den nachfolgenden Jahren die Verhärtung der Folgen der
Teilung Deutschlands besonders schmerzlich empfunden. Ab Mitte der
60er Jahre verstärkten sich die staatlichen Restriktionen in der
DDR hinsichtlich einer Tagungsteilnahme, Kommunikation und
Mitgliedschaft von Geophysikern Ostdeutschlands in der Gesellschaft.
Die Geophysiker im Osten Deutschlands versuchten dennoch ihren inneren
Zusammenhalt im Sinne der o.g. "Mehrung und Verbreitung des
geophysikalischen Wissens" zu wahren und führten Tagungen und
Zusammenkünfte im Rahmen des von der Akademie der Wissenschaften
berufenen "Nationalkomitees für Geodäsie und Geophysik der
DDR (NKGG)" und innerhalb des "Fachverbandes Geophysik" der
"Gesellschaft für Geologische Wissenschaften der DDR" durch.
Dabei wurden anfangs der Verein Ungarischer Geophysiker und
später auch entsprechende geophysikalische Vereinigungen anderer
osteuropäischer Staaten mit einbezogen.
Zum Glück gehört die weitgehende Abschottung seit 1989 der
Vergangenheit an, und die Geophysiker im Westen und Osten Deutschlands
vereinte schnell wieder eine aktive DGG-Mitgliedschaft,
-Tagungsteilnahme, ungehinderte Kommunikation und Durchführung
gemeinsamer Projekte.
Erstmals bei der 48. Jahrestagung in Köln 1988 wurde dem
Vortragszyklus ein praxisorientiertes Kolloquium vorangestellt. Der
Erfolg dieser Veranstaltung ermutigte die Gesellschaft, diese
Einrichtung beizubehalten. Seit Gründung des Arbeitskreises
"Angewandte Geophysik" im Jahre 1992 wird die Organisation der
Kolloquia von diesem übernommen.
Zeitschrift, Mitteilungen
Die von der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft herausgegebenen
Zeitschriften (Tab. 9) dienen als weiteres
wichtiges Mittel zur Verbreitung geophysikalischen Wissens. Die
"Zeitschrift für Geophysik" erschien seit 1924 beim Verlag
Friedrich Vieweg u. Sohn AG in Braunschweig. Schriftleiter war Gustav
Angenheister sen. Neben Originalarbeiten und Mitteilungen der
Gesellschaft enthielt die Zeitschrift von Anfang an ein Verzeichnis
der laufend erschienenen geophysikalischen Literatur. Ab drittem Band
wurde das Literaturverzeichnis durch den Abdruck der Referate
geophysikalischer Arbeiten aus den "Physikalischen Berichten"
ergänzt. Wegen der Kriegsereignisse konnten vom 18. Jahrgang
(1943) nur noch vier Hefte erscheinen. Heft 5/6 lag im August 1944
druckfertig vor, wurde aber im Satz durch Kriegseinwirkung vernichtet.
Es vergingen zehn Jahre, bis ein Wiedererscheinen möglich wurde.
Zunächst (1953) kam ein Sonderband aus Anlass des
dreissigjährigen Bestehens der Gesellschaft heraus, der durch
Spenden finanziert wurde und nachträglich die Bandnummer 19
erhielt. Ab 1955 erschien die Zeitschrift dann wieder regelmässig,
nun beim Physica-Verlag, Würzburg. Schriftleiter war Bernhard
Brockamp. Dieses Amt übergab er 1961 Walter Dieminger, dem seit
1968 Jürgen Untiedt in dieser Tätigkeit zur Seite stand.
Die Aufnahme eines Literaturverzeichnisses und der geophysikalischen
Referate wurde nach dem Krieg nicht fortgesetzt. Während bis Ende
der 60er Jahre in der Zeitschrift nur vereinzelt Artikel in englischer
Sprache erschienen waren, nahm in den folgenden Jahren der Anteil
englischsprachiger Artikel wie auch ausländischer Autoren stark
zu. Gleichzeitig wurde das Gutachtersystem den bei international
anerkannten Zeitschriften üblichen Gepflogenheiten immer mehr
angeglichen. Dank der finanziellen Unterstützung durch die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte zudem der Umfang der
Zeitschrift vergrössert und die Druckqualität im Laufe der
Jahre verbessert werden.
Die Gesellschaft war jedoch bestrebt, die DFG-Unterstützung
auslaufen zu lassen und die Voraussetzungen für eine grössere
internationale Verbreitung zu schaffen. So erfolgte mit dem Jahrgang
40 (1974) ein Verlagswechsel zum Springer-Verlag, Berlin Heidelberg
New York. Mit dem Verlagswechsel verbunden war die Erweiterung des
Titels auf "Journal of Geophysics - Zeitschrift für Geophysik",
worin der in Zukunft überwiegende englischsprachige Anteil der
Artikel zum Ausdruck kommen sollte. An die Stelle der Schriftleiter
trat ein international zusammengesetztes 'Editorial Board', dessen
zunächst sieben, dann acht Mitglieder zur Entgegennahme und
Bearbeitung von Manuskripten berechtigt waren.
Anfangs zwei, später drei von ihnen entschieden als 'Managing
Editors' (Hauptherausgeber) über die endgültige Annahme oder
Ablehnung der Artikel und besorgten die Endredaktion. Es waren dieses
neben- bzw. nacheinander (vgl. Tab. 9) Walter
Dieminger, Gerhard Müller, Jürgen Untiedt und Peter Weidelt.
Einer der Managing Editors nahm jeweils de facto die Funktion eines
Sprechers des Herausgeberkollegiums insbesondere gegenüber Verlag
und Gesellschaft wahr. In dieser Weise wirkten Jürgen Untiedt von
1974 bis 1986 und Gerhard Müller von 1987 bis 1988.
Anfang der 80er Jahre nahm das Interesse der Mitglieder an
Veröffentlichungen in der Zeitschrift wegen ihrer trotz aller
Anstrengungen begrenzten internationalen Verbreitung deutlich ab.
Versuche mit französischen und italienischen Zeitschriften
zusammenzugehen, schlugen fehl. 1988 verbanden sich das 1958
gegründete englische Geophysical Journal of the Royal
Astronomical Society (RAS), das Journal of Geophysics - Zeitschrift
für Geophysik und die 1983 gegründete französische
Annales Geophysicae, Serie B zum Geophysical Journal (International).
Die Bandzählung schloss sich an die der erstgenannten Zeitschrift
an. Herausgeber der von Blackwell Scientific Publications verlegten
Zeitschrift sind die RAS, die EGS (European Geophysical Society) und
die DGG. Von seiten der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft ist
Gerhard Müller als einer der Main Editors mit den fachlichen
Betreuung beauftragt.
Abb.4
Die in der Zeitschrift veröffentlichten "Mitteilungen" wurden
- vor allem im Interesse ihrer internationalen Verbreitung - nach dem
Krieg stark beschnitten. Dafür fand die Reihe der schon vor dem
Wiederaufleben der Zeitschrift in zwangloser Folge vom Vorstand
herausgegebenen "Mitteilungen der Deutschen Geophysikalischen
Gesellschaft" Fortsetzung (vgl. Abb. 4). Hierin wurde über die
Tagungen, insbesondere die
Geschäftsversammlungen und sonstige für Geophysiker wichtige
Ereignisse berichtet. Die Redaktion der Mitteilungen lag in den
Händen des jeweiligen Schriftführers.
Seit 1968 werden den Mitteilungen Verzeichnisse der geophysikalischen
Vorlesungen an den deutschsprachigen Universitäten und
Technischen Hochschulen beigelegt, und seit 1981 sind auch die
Mitteilungen der Alfred-Wegener-Stiftung in die der Gesellschaft
einbezogen.
Mit der Einstellung der Zeitschrift für Geophysik (1988) wurde
eine neue Form der Mitteilungen gewählt. Ab 1988 erscheinen sie
im vergrösserten Format, im verstärkten Umfang und im
ansprechenden Layout. Durch Aufnahme zahlreicher Fachartikel und
Erhalt einer ISSN wurden die Mitteilungen inzwischen zu einer
vollwertigen und zitierfähigen Zeitschrift ausgebaut. Diese
Entwicklung ist massgeblich den verantwortlichen Redakteuren Siegfried
Greinwald und Hartmut Jödicke zu verdanken und wird von Andreas
Junge fortgeführt.
Arbeitskreise der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft
Als erster Arbeitskreis der Gesellschaft darf vielleicht die schon
1922 gegründete "Makroseismische Kommission" (Mitglieder: Karl
Andrée, Königsberg, Franz Kossmat, Leipzig, Carl Wolfgang
Lutz, München, Ernst Tams, Hamburg und als Obmann August Sieberg,
Jena) angesehen werden.
Derzeit bestehen an der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft acht
auf unbestimmte Zeit beauftragte Arbeitskreise und zwei
Ad-hoc-Arbeitskreise (Tab. 10).
Nachbargesellschaften
(Zurück zur Verweisung)
Zu anderen wissenschaftlichen Gesellschaften mit verwandten
Arbeitsgebieten unterhielt die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft
stets gutnachbarliche Beziehungen. Das gilt natürlich ganz
besonders für die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und
Ärzte, aus deren Schoss sie seinerzeit hervorging. Vier Tagungen
(1922, 1924, 1926, 1928) fanden im Zusammenhang mit Versammlungen
dieser Gesellschaft statt.
Als nächstes sind die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und
ihre Vorläufer- bzw. Nachfolgerorganisationen zu nennen. Erinnert
sei an den turnusmässigen Wechsel der Tagungen in den 30er Jahren,
an die ersten vier Hamburger Tagungen nach dem Krieg (1948, 1950,
1952, 1956), die gemeinsam mit den Meteorologischen Gesellschaften in
Bad Kissingen und in Hamburg veranstaltet wurden.
Schliesslich sei die mit dem Verband Deutscher Meteorologischer
Gesellschaften ebenfalls in Hamburg gemeinsam durchgeführte
Tagung im Jahr 1968 erwähnt. Ein Vertreter der Deutschen
Meteorologischen Gesellschaft ist eingeladen, als 'ständiger'
Gast an den Sitzungen des Vorstandes teilzunehmen.
Im Oktober 1959 beschloss die Mitgliederversammlung den Beitritt der
Gesellschaft zum Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften, der
späteren Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Dieser Beitritt
wurde allerdings erst im Dezember 1960 vollzogen. Seitdem ist die
Deutsche Geophysikalische Gesellschaft mit der Deutschen
Physikalischen Gesellschaft assoziiert. Zu Vorstandssitzungen beider
Verbände entsendet die jeweils andere einen Vertreter. Der enge
Kontakt der beiden Gesellschaften kam unter anderem in der 1969 in
Salzburg in Verbindung mit der Österreichischen Physikalischen
Gesellschaft abgehaltenen gemeinsamen Tagung zum Ausdruck.
Seit 1967 besteht eine von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
und der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft gemeinsam getragene
"Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik (AEP)". Später
haben sich auch die Astronomische Gesellschaft und der Verband
Deutscher Meteorologischer Gesellschaften der Trägerschaft
angeschlossen. Diese Arbeitsgemeinschaft ist für die Mitglieder
aller beteiligten Gesellschaften offen. Die Göttinger Tagung der
Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft 1973 fand erstmals in
Verbindung mit einer Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft statt.
Das Deutsche Komitee für Meeresforschung und Meerestechnik (DKMM)
wurde 1973 auf Initiative des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und
der Schiffbautechnischen Gesellschaft zusammen mit elf weiteren
Institutionen gegründet, um Informationen aus Meeresforschung und
Meerestechnik zusammenzutragen und zu koordinieren. Die Deutsche
Geophysikalische Gesellschaft gehört zu den
Gründungsmitgliedern des Komitees.
In den letzten zwei Jahrzehnten wurden vier Tagungen (1972, 1978,
1984, 1990) gemeinsam mit Fachkollegen der Geologie und Mineralogie
veranstaltet. Es sei daran erinnert, dass bereits 1938 diejenigen
wissenschaftlichen Gesellschaften, zu deren Aufgaben die Erforschung
der Erdrinde gehört, die Deutsche Geologische Gesellschaft, die
Deutsche Paläontologische Gesellschaft, die Deutsche
Mineralogische Gesellschaft und die Deutsche Geophysikalische
Gesellschaft, eine Arbeitsgemeinschaft (u.a. mit dem Ziel gemeinsamer
Tagungen) vereinbart hatten.
Themen wie Berufsaussichten und moderne Ausbildung sind in der
zurückliegenden Zeit die Berührungspunkte zwischen dem
Bundesverband Deutscher Geologen, Geophysiker und Mineralogen (BDG)
als berufsständischer Vertretung und der DGG als
wissenschaftlicher Gesellschaft.
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Ein Jahr nach Gründung des Deutschen Forschungsrates, der sich
später mit der "Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaft" zur
"Deutschen Forschungsgemeinschaft" (DFG) zusammenschloss, wurde die
Deutsche Geophysikalische Gesellschaft im März 1950 in den Beirat
dieser Organisation aufgenommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
hat in der Folgezeit die Geophysik sehr tatkräftig
unterstützt. Hervorzuheben sind die Leistungen der ersten Leiter
des Referats Geowissenschaften Waldemar Heitz und Franz Goerlich. Sie
schufen in der DFG die Senatskommission für Geowissenschaftliche
Gemeinschaftsforschung, die sich 1969 konstituierte.
Ohne stetige Förderung durch die DFG wäre eine Beteiligung
an den grossen internationalen Unternehmungen nicht möglich
gewesen. Auch die Zeitschrift für Geophysik erhielt - wie
erwähnt - jahrelang einen nicht unbeträchtlichen
Druckkostenzuschuss von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die
Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ist vorschlagsberechtigt bei
den Wahlen der Fachgutachter.
Forschungskollegium Physik des Erdkörpers
Besondere Beziehungen werden zum "Forschungskollegium Physik des
Erdkörpers e.V." (FKPE) unterhalten. Die Gründung des
Kollegiums wurde am 9. März 1964 in Bad Kreuznach von 13
Instituts- bzw. Abteilungsleitern beschlossen, die Eintragung in das
Vereinsregister des Amtsgerichtes Bonn erfolgte am 3. Juni 1965.
Erster Vorsitzender war Heinz Menzel. Die Mitglieder werden kooptiert,
wobei das Kollegium darauf achtet, dass möglichst alle
Institutionen vertreten sind und trotzdem die Arbeitsfähigkeit
des Kreises gewährleistet ist. Die Sitzungen des FKPE finden
meist zweimal im Jahr statt.
Die Zielstellung des Kollegiums geht aus den ersten Worten der Satzung
hervor: "Aus der Erkenntnis, dass zur Weiterentwicklung der Physik
des Erdkörpers Gemeinschaftsaufgaben notwendig sind, die die
Übernahme von Verpflichtungen in einem Ausmass notwendig machen,
wie sie von einem einzelnen Institutsleiter nicht mehr getragen werden
können, haben sich die Leiter von geophysikalischen
Forschungsinstitutionen in der Bundesrepublik Deutschland zu einem
Verein zusammengeschlossen."
Aufgabengebiete des FKPE sind:
- Stimulierung, Durchführung und Kontrolle von nationalen und
internationalen Forschungsprojekten in Zusammenarbeit von Instituten
bzw. Institutionen (z.B. das Deutsche Kontinentale
Reflexionsseismische Programm [DEKORP]),
- Betreuung von Forschungseinrichtungen (z.B. das Seismologische
Zentral-Observatorium Gräfenberg),
- Unterstützung der DFG, insbesondere der Senatskommission
für geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (z.B. Beantwortung
von Anfragen).
Während diese Aufgaben allein dem FKPE zuzuordnen sind, gibt es
mannigfaltige Bereiche, in denen eine Kooperation zwischen FKPE und
DGG unerlässlich ist.
So gehören Arbeitsgruppen, die nicht im Dienste von
Forschungsprojekten stehen, vorrangig in den
Zuständigkeitsbereich der Deutschen Geophysikalischen
Gesellschaft. Als diese auf der Stuttgarter Tagung 1989 die
Einrichtung von Seminaren mit Sommerschul- und Weiterbildungscharakter
beschloss, einigte sie sich mit dem Forschungskollegium, die
FKPE-Fortbildungsseminare in Neustadt/Weinstrasse zu übernehmen
und als DGG-Seminare fortzuführen. Seit damals wurden mehrere
dieser Veranstaltungen mit 30 bis 70 Teilnehmern durchgeführt.
Weitere Felder der Zusammenarbeit sind:
- Mitwirkung von FKPE-Arbeitsgruppen bei der Vorbereitung der
DGG-Jahrestagungen,
- Gemeinsame Anstrengungen zur Förderung der Zusammenarbeit von
Hochschulen, Behörden und Firmen auf dem Gebiet der Geophysik im
Falle konkreter Projekte,
- Information über Tätigkeit des Forschungskollegiums durch
Veröffentlichung der Berichte des FKPE-Vorsitzenden in den
DGG-Mitteilungen.
Die Förderung der Zusammmenarbeit zwischen dem Kollegium und der
Gesellschaft ist vordringliche Aufgabe der Vorsitzenden beider
Gremien. Deshalb wird der Vorsitzende des Forschungskollegiums
regelmässig zu den Sitzungen der Deutschen Geophysikalischen
Gesellschaft eingeladen. Umgekehrt ist deren Vorsitzender ex officio
Mitglied des Forschungskollegiums.
Alfred-Wegener-Stiftung
Im Hinblick auf die wachsende Gefährdung des Gesamtsystems Erde
wurde Ende der 70er Jahre die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns
der einzelnen geowissenschaftlichen Disziplinen erkannt. So
beschlossen am 25. Feb. 1980, im 100. Geburts- und 50. Todesjahr von
Alfred Wegener, 12 geowissenschaftliche Gesellschaften - unter ihnen
die DGG und das FKPE - eine Stiftung zur Förderung der
geowissenschaftlichen Forschung ins Leben zu rufen. Der Name Alfred
Wegener, des auf zahlreichen geowissenschaftlichen Gebieten ideenreich
tätigen Forschers, sollte Ansporn sein und die Bedeutung der
für Fortschritte in den Geowissenschaften unverzichtbaren
Interdisziplinarität zum Ausdruck bringen.
Heute wird die Alfred-Wegener-Stiftung (AWS) von 20 deutschen geo- und
ingenieurwissenschaftlichen Gesellschaften und Verbänden
getragen. Sie veranstaltet jährlich eine Alfred-Wegener-Konferenz
und zusätzlich einen Workshop, auf dem aktuelle
fachübergreifende Themen behandelt werden. Alle zwei Jahre,
beginnend 1991, wird eine "Geotechnica" - Kongress und Messe -
veranstaltet, die bisher gemeinsam mit der KölnMesse
durchgeführt wurde und im Mai 1997 zum vierten Mal in Köln
stattfinden wird. Hier werden geowissenschaftliche Themen durch
Aussteller aus aller Welt und einschlägige Vorträge von
Fachleuten einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem
Motto "Bewahrung der Erde - Herausforderung an Wissenschaft und
Technik" sollen Themen wie "Von der Exploration zur sinnvollen und
umweltverträglichen Nutzung unserer Lagerstätten" oder wie
"Entsorgungsprobleme" das ganze Spektrum der Geowissenschaften
abdecken. Die Stiftung hat wesentlich zum Erfolg der Anlaufphase der
Grossforschungsvorhaben Kontinentales Tiefbohrprogramm der
Bundesrepublik Deutschland (KTB) und Deutsches Kontinentales
Reflexionsseismisches Programm (DEKORP) beigetragen.
Seit 1981 berichten die halbjährlichen Mitteilungen der
Alfred-Wegener-Stiftung über deren Aktivitäten. Organ der
Stiftung ist seit 1983 die Zeitschrift "Die Geowissenschaften" (bis
1987 "Geowissenschaften in unserer Zeit"), die monatlich im Verlag
Ernst u. Sohn, Berlin (bis Mitte 1993 bei der VCH Verlagsgesellschaft,
Weinheim) erscheint und seit einiger Zeit durch spezielle Themenhefte
ein besonderes fachübergreifendes Interesse weckt. Ausserdem
erscheint einige Male im Jahr 'Terra Nostra': ein Büchlein mit
'extented abstracts' von Alfred-Wegener-Konferenzen, -workshops und
Spezialtagungen.
Um den wachsenden Aufgaben der Alfred-Wegener-Stiftung gerecht werden
zu können, wurden flankierend zwei weitere Strukturen ins Leben
gerufen: Die Alfred-Wegener-GmbH, die die Beratung und Organisation
vieler Aufgaben übernimmt und die
Alfred-Wegner-Fördergesellschaft, die auch persönliche
Mitglieder in ihre Reihen aufnimmt.
Anlässlich
der Jahresversammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte im
September 1922 in Leipzig wurde auf Anregung von Emil Wiechert (Abb.
1) von 24 Teilnehmern (Tab. 1) die "Deutsche
Seismologische Gesellschaft" gegründet.
1. Rotation, Umlauf, Präzession, Nutation,
Polschwankung.
2. Masse, Schwere, Figur, Dichte, Elastizität
der Erde.
3. Zusammensetzung, Druck, Temperatur des
Erdkörpers, des
Meeres und der Atmosphäre, Aggregatzustand des
Erdkörpers.
4. Massenverteilung im Erdinnern, isostatische
Lagerung.
II. Deformationen, Strömungen, Schwingungen.
1. Geologische Hebungen und Senkungen, Faltung,
Gebirgsbildung,
Vereisung, Gletscherbewegung, Vulkanismus.
2. Gezeiten der Atmosphäre, des Meeres und des
festen
Erdkörpers.
3. Wellenbewegung und Strömungen in Luft und
Wasser.
4. Elastische Deformationen, Seismizität der
Erde, Seismik,
Schallausbreitung in Luft, Wasser und Erde.
III. Elektrisches und magnetisches Feld der Erde.
1. Das innere, permanente Magnetfeld der Erde, seine
geographische
Verteilung und säkulare Variation.
2. Das erdmagnetische Aussenfeld und seine
periodischen Variationen.
Erdmagnetische Störungen.
3. Erdströme und Polarlicht.
4. Luftelektrizitat. Radioaktivität der Erde,
des Meeres und
der Luft.
IV. Kosmische Physik (in ihrer Beziehung zur Erde und ihrer
Atmosphäre).
1. Geschichte der Erde, Altersbestimmung der Erde als
Ganzes und
ihrer Kruste.
2. Solarkonstante, Strahlung der Erde und ihre
Atmosphäre,
Durchlässigkeit der Atmosphäre für alle
Wellenlängen, für die durchdringende Strahlung,
Licht-, Wärme-, drahtlose Wellen.
3. Beziehung der Sonnentätigkeit zum
Wärmehaushalt der
Erde und zu ihrem elektrischen und magnetischen Feld.
4. Klimaschwankung.
V. Angewandte Geophysik.
1. Schwerkraft-...
2. Seismische _...
3. Magnetische _...
4. Elektrische _...
Methoden zur Bestimmung der Lagerung
der Erdschichten zu geologischen und bergbaulichen Zwecken.
5. Physikalische Abstands- und Höhenmessungen,
Tiefenbestimmungen des Meeres.
6. Richtungsbestimmungen mittels Magnet- und
Kreiselkompasses.
VI. Als Grenzgebiete gelten:
1. Meteorologie; 2. Hydrologie; 3. Physiogeographie;
4.
Geodäsie; 5. Geologie; 6. Astronomie; 7. Astrophysik; 8.
Physik; 9. Chemie; 10. Mathematik.
Bereits zu Beginn
des Jahres 1946 wurde der frühere Vorsitzende, Julius Bartels
(Abb. 2), von vielen ehemaligen Mitgliedern gedrängt, die
Neugründung der Gesellschaft vorzubereiten. Er lehnte dieses
jedoch mit dem Hinweis ab, dass es im Hinblick auf das Misstrauen der
Alliierten besser sei, wenn sie von jemandem organisiert werde, der
nicht der alten Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft vorgestanden
habe. Im übrigen empfahl er, als Vorstufe für eine "Deutsche
Geophysikalische Gesellschaft" zunächst eine "Geophysikalische
Gesellschaft in Hamburg" zu gründen, weil hierzu die notwendige
Genehmigung der zuständigen britischen Militärregierung
leichter zu erhalten sei. So kam es am 20. Nov. 1947 zur Gründung
dieser nach aussen regional erscheinenden Gesellschaft. Ihr traten 52
Fachkollegen bei, die Ernst Kleinschmidt zu ihrem Vorsitzenden
wählten. Am 23. Mai 1949 erfolgte mit der Verkündigung des
Grundgesetzes die Gründung der Bundesrepublik Deutschland in den
Grenzen der drei westlichen Besatzungszonen. Im Herbst des gleichen
Jahres, anlässlich der Tagung in Clausthal, konnten damit die
Mitglieder die Rückbenennung in "Deutsche Geophysikalische
Gesellschaft" beschliessen.
Wichtige
Ereignisse in der Geschichte der Gesellschaft spiegeln sich in den
Mitgliederzahlen (Abb. 3) wider. Dies gilt in erster Linie für
die durch den Zweiten Weltkrieg gesetzte Zäsur. Nach dem
Neubeginn 1947 war ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, das erst 1980
unterbrochen und von einem leichten Rückgang abgelöst wurde.
Der Austritt korporativer Mitglieder, eine vorübergehende
Verminderung des Studentenanteils sowie der Wechsel einiger
Fachkollegen zur DGM zählen zu den Ursachen. Die verstärkte
Mitgliedschaft von Studenten ab Ende der 80er Jahre und natürlich
der Beitritt der Geophysiker Ostdeutschlands ab 1990 führten
wieder zu einem steilen Aufwärtstrend in der
Mitgliederentwicklung.
Neben der Beteiligung an dem Hamburger Geophysikalischen Kolloquium,
das in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Bedeutung gewonnen
hatte, konnten wieder regelmässig - ab 1971 erneut im
Jahresrhythmus - Tagungen veranstaltet werden.
(Abb 5). Oftmals wurden diese mit der Deutschen Meteorologischen
Gesellschaft, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der
Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik, der Geologischen
Vereinigung und anderen Gesellschaften (vgl. Tab.
8) gemeinsam ausgerichtet (vgl. Abschnitt "Nachbargesellschaften")
Entsprechend der wechselnden Mitgliederzahl (vgl. Abb. 3)
war die Auflagenhöhe der Zeitschrift
unterschiedlich. Im Jahre 1973 betrug sie 1000 Exemplare. Die Anzahl
der von den Mitgliedern bezogenen Zeitschriftenhefte und der über
den Buchhandel vertriebenen Bände war sowohl vor 1945 als auch
später stets etwa gleich gross. 1983 erschien im Band 53 (S.
83-125) ein nach Autoren geordnetes Register für die Bände 1
bis 50.