Zur Geschichte der Geophysik in Deutschland

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Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922-1997

Michael Börngen, Joachim Homilius u. Franz Jacobs

Vorbemerkung

Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) kann im Jahr 1997 auf ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken. Die Daten und Fakten zu diesem Ereignis sollen in der nachfolgenden Arbeit wiedergegeben werden. Bei zwei vorangegangenen Anlässen - dem 30jährigen und 50jährigen Bestehen der Gesellschaft - wurde ihre Geschichte von Hiller (1953) und Koenig (1974) in einer Dokumentation zusammengetragen. Wir beziehen uns auf diese Arbeiten, geben sie in groben Zügen wieder und erweitern die Dokumentation um die letzten 25 Jahre. Eine Graphik (Abb. 4) soll das Lesen der Arbeit erleichtern.

Die Öffnung der innerdeutschen Grenze im Jahre 1989 hat ganz neue Aspekte auch für die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft gebracht. Die Zahl der Mitglieder ist sprunghaft gestiegen. Die Geophysiker der neuen Bundesländer mit den traditionsreichen Standorten Freiberg, Jena, Leipzig und Potsdam sind wieder voll in die Arbeit der Gesellschaft einbezogen. Dies schlägt sich nicht zuletzt in dem Beschluss des Vorstandes nieder, die Jahresversammlungen verstärkt dort abzuhalten (Leipzig 1992, Freiberg 1996, Potsdam 1997) und dem DGG-Archiv, das zunächst in Hannover zusammengetragen wurde, am Gründungsort der Gesellschaft in Leipzig seinen endgültigen Standort zu geben.

Leider ist die Überlieferung von Originaldokumenten aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg lückenhaft. Deshalb wird manche Frage zur Geschichte der Gesellschaft erst durch den Fund weiterer Unterlagen geklärt werden können oder für immer unbeantwortet bleiben müssen.

Allgemeine Vereinsgeschichte

Wiechert Anlässlich der Jahresversammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte im September 1922 in Leipzig wurde auf Anregung von Emil Wiechert (Abb. 1) von 24 Teilnehmern (Tab. 1) die "Deutsche Seismologische Gesellschaft" gegründet.

Dieser Zusammenschluss deutscher Geophysiker muss vor dem historischen Hintergrund der Situation Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden. Der Krieg hatte das Land sowohl in wirtschaftliche wie auch in wissenschaftliche Isolierung geführt. Um so dringender war die Initiative bedeutender und international anerkannter Wissenschaftler zur inneren Konsolidierung und zu nach aussen gerichteten Aktivitäten. Die Seismologen machten den Anfang. Bereits zwei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft wurde ihr Aufgabenbereich auf die übrigen zum Fach Geophysik zählenden Disziplinen erweitert. Während der dritten Jahrestagung der Deutschen Seismologischen Gesellschaft im September 1924 in Innsbruck, die wiederum in Verbindung mit der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte abgehalten wurde, beschlossen die Mitglieder die Umbenennung in "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft".

Den Umfang des erweiterten Arbeitsgebietes der Gesellschaft erkennt man aus der Einteilung, die dem ersten Band der Zeitschrift für Geophysik vorangestellt wurde:

L Bewegung und Konstitution der Erde.
    1. Rotation, Umlauf, Präzession, Nutation, Polschwankung.
    2. Masse, Schwere, Figur, Dichte, Elastizität der Erde.
    3. Zusammensetzung, Druck, Temperatur des Erdkörpers, des Meeres und der Atmosphäre, Aggregatzustand des Erdkörpers.
    4. Massenverteilung im Erdinnern, isostatische Lagerung.
II. Deformationen, Strömungen, Schwingungen.
    1. Geologische Hebungen und Senkungen, Faltung, Gebirgsbildung, Vereisung, Gletscherbewegung, Vulkanismus.
    2. Gezeiten der Atmosphäre, des Meeres und des festen Erdkörpers.
    3. Wellenbewegung und Strömungen in Luft und Wasser.
    4. Elastische Deformationen, Seismizität der Erde, Seismik, Schallausbreitung in Luft, Wasser und Erde.
III. Elektrisches und magnetisches Feld der Erde.
    1. Das innere, permanente Magnetfeld der Erde, seine geographische Verteilung und säkulare Variation.
    2. Das erdmagnetische Aussenfeld und seine periodischen Variationen. Erdmagnetische Störungen.
    3. Erdströme und Polarlicht.
    4. Luftelektrizitat. Radioaktivität der Erde, des Meeres und der Luft.
IV. Kosmische Physik (in ihrer Beziehung zur Erde und ihrer Atmosphäre).
    1. Geschichte der Erde, Altersbestimmung der Erde als Ganzes und ihrer Kruste.
    2. Solarkonstante, Strahlung der Erde und ihre Atmosphäre, Durchlässigkeit der Atmosphäre für alle Wellenlängen, für die durchdringende Strahlung, Licht-, Wärme-, drahtlose Wellen.
    3. Beziehung der Sonnentätigkeit zum Wärmehaushalt der Erde und zu ihrem elektrischen und magnetischen Feld.
    4. Klimaschwankung.
V. Angewandte Geophysik.
    1. Schwerkraft-...
    2. Seismische _...
    3. Magnetische _...
    4. Elektrische _...
        Methoden zur Bestimmung der Lagerung der Erdschichten zu geologischen und bergbaulichen Zwecken.
    5. Physikalische Abstands- und Höhenmessungen, Tiefenbestimmungen des Meeres.
    6. Richtungsbestimmungen mittels Magnet- und Kreiselkompasses.
VI. Als Grenzgebiete gelten:
    1. Meteorologie; 2. Hydrologie; 3. Physiogeographie; 4. Geodäsie; 5. Geologie; 6. Astronomie; 7. Astrophysik; 8. Physik; 9. Chemie; 10. Mathematik.

Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft beschloss auf der Mitgliederversammlung anlässlich der Tagung in Dresden am 3. Okt. 1929 einige Änderungen ihrer ersten Satzung. Ein Widerspruch im Modus des Austauschs der Vorstandsmitglieder und die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 machten eine neue Diskussion der Satzung notwendig. Der DGG-Vorstand hatte deshalb diesen Punkt auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung anlässlich der Tagung in Bad Pyrmont im September 1934 gesetzt und gleichzeitig - in einem Akt von vorauseilendem Gehorsam - den Mitgliedern vorgeschlagen, die gesamte Satzung von 1929 aufzuheben und durch eine neue, dem 'Führerprinzip' folgende zu ersetzen. Alternativ wurde vorgeschlagen, die alte Satzung nur durch den sogenannten 'Arier'-Paragraphen des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 für Mitglieder des Vorstandes (nicht für einfache Mitglieder!) zu ergänzen und den Widerspruch im Wahlmodus zu beseitigen.

Soweit man den heute noch vorliegenden Unterlagen entnehmen kann, ist sicher, dass die am 14. Sept. 1934 anwesenden Mitglieder nicht die alte Satzung durch die vorgeschlagene neue ersetzten, sondern lediglich den Fehler in der alten Satzung korrigierten. Ob der 'Arier'-Paragraph für Mitglieder des Vorstandes eingeführt wurde, ist im Protokoll nicht belegt, könnte aber auch aus Vorsicht beim Abdruck des Protokolls in der ja international verbreiteten Zeitschrift für Geophysik weggelassen worden sein. Ein akutes Problem scheint dieser Punkt allerdings nicht gewesen zu sein, denn in der Tischvorlage der Bad Pyrmonter Mitgliederversammlung wurde betont, dass der Vorstand ohnehin den geltenden Bestimmungen entspräche.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte eine Unterbrechung in der Geschichte der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, weil diese 1945 auf Anordnung der Alliierten aufgelöst wurde. Doch der innere Zusammenhalt der Geophysiker konnte die kurze Periode, in der die Gesellschaft formal nicht mehr bestand, überbrücken.

Bartels Bereits zu Beginn des Jahres 1946 wurde der frühere Vorsitzende, Julius Bartels (Abb. 2), von vielen ehemaligen Mitgliedern gedrängt, die Neugründung der Gesellschaft vorzubereiten. Er lehnte dieses jedoch mit dem Hinweis ab, dass es im Hinblick auf das Misstrauen der Alliierten besser sei, wenn sie von jemandem organisiert werde, der nicht der alten Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft vorgestanden habe. Im übrigen empfahl er, als Vorstufe für eine "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft" zunächst eine "Geophysikalische Gesellschaft in Hamburg" zu gründen, weil hierzu die notwendige Genehmigung der zuständigen britischen Militärregierung leichter zu erhalten sei. So kam es am 20. Nov. 1947 zur Gründung dieser nach aussen regional erscheinenden Gesellschaft. Ihr traten 52 Fachkollegen bei, die Ernst Kleinschmidt zu ihrem Vorsitzenden wählten. Am 23. Mai 1949 erfolgte mit der Verkündigung des Grundgesetzes die Gründung der Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen der drei westlichen Besatzungszonen. Im Herbst des gleichen Jahres, anlässlich der Tagung in Clausthal, konnten damit die Mitglieder die Rückbenennung in "Deutsche Geophysikalische Gesellschaft" beschliessen.

Die Aktivitäten der Gesellschaft richteten sich in jener Zeit des Wiederaufbaus nicht allein auf das Abhalten von Tagungen und das Wiederaufleben der Zeitschrift; es galt, die Wissenschaft selbst nach innen und aussen neu zu organisieren. In ihrer Tätigkeit wurde die Gesellschaft jedoch bis 1989 immer stärker auf das Gebiet der Bundesrepublik beschränkt. Ungeachtet vielerlei Behinderungen seitens ostdeutscher Behörden war es immerhin bis Mitte der 60er Jahre noch möglich, in der DDR mit Zustimmung der vorgesetzten Dienststelle Mitglied der Gesellschaft zu werden. Die weitere Entwicklung aber wurde stark vom allergischen Reagieren der Machthaber in der DDR auf alles, was nach 'Alleinvertretungsanspruch der BRD' und nach 'gesamtdeutschen Aktivitäten' aussah, bestimmt (vgl. Abschnitte "Vorstand", "Tagungen").

In den Jahren nach 1955 wurden neue geowissenschaftliche Institute gegründet, andere ausgebaut und personell verstärkt. So entstanden aus dem Geophysikalischen Institut der Universität Hamburg, dem langjährigen Stützpunkt der Gesellschaft nach dem Kriege, das Institut für Meereskunde, das Meteorologische Institut und das Institut für die Physik des Erdkörpers. Bis zu dieser Zeit spiegelt die DGG-Mitgliederstruktur etwa den fachlichen Umfang wieder, wie er für die Zeitschrift für Geophysik im Jahre 1924 konzipiert worden war. Unter den Vorsitzenden und Stellvertretenden Vorsitzenden waren Fachvertreter der Meteorologie und der physikalischen Ozeanographie. Der letzte Vorsitzende, dessen Arbeitsgebiet nicht die Feste Erde oder die Aeronomie umfasste, war von 1966 bis 1968 Karl Brocks. Danach gab es in diesen Funktionen nur noch Vertreter der Geophysik im engeren Sinne.

Diese Konzentration auf das Kerngebiet 'Geophysik' war wegen der Verästelung und der Expansion der ursprünglichen Teilgebiete notwendig geworden. Beispielhaft ist hier der Ausbau der Angewandten und Explorationsgeophysik in Institutionen und Firmen im Raum Hannover. Auf der anderen Seite sahen die jungen Ozeanographen in der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft nicht mehr ihre wissenschaftliche Heimstatt, weil auch die Meereskunde zunehmend mit den aufstrebenden Fächern Meereschemie, -biologie und -geologie zusammenarbeitete. Folgerichtig gründeten sie 1980 die neue "Deutsche Gesellschaft für Meereskunde" (DGM). Von da an bildete sich die DGG-Mitgliederstruktur heraus, wie wir sie heute vorfinden.

Zweimal gab sich die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Satzung; das erste Mal bei der Wiedergründung 1947 und ein zweites Mal 1972. Die neuere Satzung wurde nach längeren grundsätzlichen Diskussionen abgefasst und von der Mitgliederversammlung am 23. Feb. 1972 in Frankfurt a. M. verabschiedet. Die neue Satzung löste die ältere aus dem Jahr 1947 formal ab, aber inhaltlich legte sie nur das fest, was sich bis dahin als 'Spielregel' bewährt hatte. Die zum damaligen Zeitpunkt auf rund 540 Mitglieder angewachsene Gesellschaft liess es im Hinblick auf finanzielle Überlegungen zweckmässig erscheinen, dieser die äussere Form einer juristischen Person zu geben. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 17. Nov. 1972 in Hamburg.

Mitglied Wichtige Ereignisse in der Geschichte der Gesellschaft spiegeln sich in den Mitgliederzahlen (Abb. 3) wider. Dies gilt in erster Linie für die durch den Zweiten Weltkrieg gesetzte Zäsur. Nach dem Neubeginn 1947 war ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, das erst 1980 unterbrochen und von einem leichten Rückgang abgelöst wurde. Der Austritt korporativer Mitglieder, eine vorübergehende Verminderung des Studentenanteils sowie der Wechsel einiger Fachkollegen zur DGM zählen zu den Ursachen. Die verstärkte Mitgliedschaft von Studenten ab Ende der 80er Jahre und natürlich der Beitritt der Geophysiker Ostdeutschlands ab 1990 führten wieder zu einem steilen Aufwärtstrend in der Mitgliederentwicklung.

Vorstand (Zurück zur Verweisung)

Mit Ausnahme der Zeitspanne von 1930 bis 1945 fand in der Regel alle zwei Jahre gelegentlich einer Tagung ein Wechsel im Vorsitz der Gesellschaft statt .

Der gewählte Vorsitzende wurde in seiner Arbeit durch einen, zeitweise (1924 bis 1967) durch zwei Stellvertreter unterstützt . Seit 1947 hat es sich eingebürgert, dass der Vorsitzende nach Ablauf seiner Amtsperiode zum Stellvertreter wird. 1953 wurde der Vorschlag gemacht, dass im dreiköpfigen Vorstand immer ein Vertreter der Angewandten Geophysik sein müsse. Ausserdem gab es ab 1955 einen Repräsentanten Ostdeutschlands. Obwohl die Mitarbeit der DDR-Wissenschaftler ab 1967 unmöglich geworden war, wurde dieser Platz in den folgenden Jahren freigehalten.

Zur Verbesserung der Kontinuität in der Vorstandsarbeit wurde 1967 das Amt des designierten Vorsitzenden geschaffen. Die automatische Ämterfolge "Designierter Vorsitzender - Vorsitzender - Stellvertretender Vorsitzender" ist seitdem nicht unterbrochen worden.

Wesentlich länger als die Amtsperiode der Vorsitzenden war die des Schatzmeisters bzw. Kassenwarts (Tab. 4) sowie des Schriftführers (Tab. 5). Das letztgenannte Amt wurde 1947 eingerichtet. Bis zum Kriege gehörte der Schriftleiter der Gesellschaftszeitschrift zum Vorstand. Seitdem ist er automatisch Mitglied des Beirats. Dieser ist Teil des erweiterten Vorstands und besteht heute aus bis zu zehn Fachkolleginnen oder Fachkollegen, die für vier Jahre gewählt werden.

Ehrungen

Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ehrt in besonderer Weise Mitglieder, die sich um die Geophysik und um die Gesellschaft verdient gemacht haben. Sie ernannte 1925 Emil Wiechert zum Ehrenvorsitzenden und später weitere Persönlichkeiten aus ihren Reihen zu Ehrenmitgliedern. (Tab. 6)

Auf Anregung von Ludger Mintrop stiftete die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft am 28. April 1955 anlässlich der Tagung in München die "Emil-Wiechert-Medaille", um besondere Verdienste auf dem Gebiet der Geophysik zu würdigen. Die bisherigen Träger dieser Medaille sind in Tab. 7 aufgeführt.

Tagungen (Zurück zur Verweisung)

Von Anfang an hat die Gesellschaft als wichtigstes Hilfsmittel zur Lösung ihrer selbstgestellten Aufgabe, der "Mehrung und Verbreitung des geophysikalischen Wissens in Forschung, Lehre und Anwendung", die Veranstaltung von Tagungen (Tab. 8) angesehen. Bis 1930 fanden die Tagungen jedes Jahr statt. Danach sollten sie mit denen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft wechseln. Die 13. und letzte Tagung vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde 1938 in Jena veranstaltet. Bemerkenswert sind die zwei Themen, die dort besonders herausgestellt wurden: die "Angewandte Geophysik im Dienste der Bodenforschung" vor dem Hintergrund der Geophysikalischen Reichsaufnahme und die "Schwankungen des erdmagnetischen Feldes" mit besonderer Würdigung der Arbeiten Filchners in Innerasien.

Erst 10 Jahre später - knapp drei Monate nach der Währungsreform am 21. Juni 1948 - fanden sich die Mitglieder der Geophysikalischen Gesellschaft in Hamburg und der beiden Meteorologischen Gesellschaften (Bad Kissingen, Hamburg) sowie Gäste und Studenten in der durch Kriegseinwirkung schwer beschädigten Hansestadt zur ersten Nachkriegstagung ein.

Links Rechts Neben der Beteiligung an dem Hamburger Geophysikalischen Kolloquium, das in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Bedeutung gewonnen hatte, konnten wieder regelmässig - ab 1971 erneut im Jahresrhythmus - Tagungen veranstaltet werden. (Abb 5). Oftmals wurden diese mit der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik, der Geologischen Vereinigung und anderen Gesellschaften (vgl. Tab. 8) gemeinsam ausgerichtet (vgl. Abschnitt "Nachbargesellschaften")

Betrüblich waren die Behinderungen der Tagungen, die sich aus der Teilung Deutschlands in die Besatzungszonen ergaben. Während bis Anfang der 60er Jahre auch Geophysikern und Geophysik-Studenten Ostdeutschlands die Teilnahme an DGG-Tagungen möglich war, ja sogar die Jahrestagung 1958 in Leipzig veranstaltet werden konnte, wurde in den nachfolgenden Jahren die Verhärtung der Folgen der Teilung Deutschlands besonders schmerzlich empfunden. Ab Mitte der 60er Jahre verstärkten sich die staatlichen Restriktionen in der DDR hinsichtlich einer Tagungsteilnahme, Kommunikation und Mitgliedschaft von Geophysikern Ostdeutschlands in der Gesellschaft.

Die Geophysiker im Osten Deutschlands versuchten dennoch ihren inneren Zusammenhalt im Sinne der o.g. "Mehrung und Verbreitung des geophysikalischen Wissens" zu wahren und führten Tagungen und Zusammenkünfte im Rahmen des von der Akademie der Wissenschaften berufenen "Nationalkomitees für Geodäsie und Geophysik der DDR (NKGG)" und innerhalb des "Fachverbandes Geophysik" der "Gesellschaft für Geologische Wissenschaften der DDR" durch. Dabei wurden anfangs der Verein Ungarischer Geophysiker und später auch entsprechende geophysikalische Vereinigungen anderer osteuropäischer Staaten mit einbezogen.

Zum Glück gehört die weitgehende Abschottung seit 1989 der Vergangenheit an, und die Geophysiker im Westen und Osten Deutschlands vereinte schnell wieder eine aktive DGG-Mitgliedschaft, -Tagungsteilnahme, ungehinderte Kommunikation und Durchführung gemeinsamer Projekte.

Erstmals bei der 48. Jahrestagung in Köln 1988 wurde dem Vortragszyklus ein praxisorientiertes Kolloquium vorangestellt. Der Erfolg dieser Veranstaltung ermutigte die Gesellschaft, diese Einrichtung beizubehalten. Seit Gründung des Arbeitskreises "Angewandte Geophysik" im Jahre 1992 wird die Organisation der Kolloquia von diesem übernommen.

Zeitschrift, Mitteilungen

Die von der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft herausgegebenen Zeitschriften (Tab. 9) dienen als weiteres wichtiges Mittel zur Verbreitung geophysikalischen Wissens. Die "Zeitschrift für Geophysik" erschien seit 1924 beim Verlag Friedrich Vieweg u. Sohn AG in Braunschweig. Schriftleiter war Gustav Angenheister sen. Neben Originalarbeiten und Mitteilungen der Gesellschaft enthielt die Zeitschrift von Anfang an ein Verzeichnis der laufend erschienenen geophysikalischen Literatur. Ab drittem Band wurde das Literaturverzeichnis durch den Abdruck der Referate geophysikalischer Arbeiten aus den "Physikalischen Berichten" ergänzt. Wegen der Kriegsereignisse konnten vom 18. Jahrgang (1943) nur noch vier Hefte erscheinen. Heft 5/6 lag im August 1944 druckfertig vor, wurde aber im Satz durch Kriegseinwirkung vernichtet.

Es vergingen zehn Jahre, bis ein Wiedererscheinen möglich wurde. Zunächst (1953) kam ein Sonderband aus Anlass des dreissigjährigen Bestehens der Gesellschaft heraus, der durch Spenden finanziert wurde und nachträglich die Bandnummer 19 erhielt. Ab 1955 erschien die Zeitschrift dann wieder regelmässig, nun beim Physica-Verlag, Würzburg. Schriftleiter war Bernhard Brockamp. Dieses Amt übergab er 1961 Walter Dieminger, dem seit 1968 Jürgen Untiedt in dieser Tätigkeit zur Seite stand.

Die Aufnahme eines Literaturverzeichnisses und der geophysikalischen Referate wurde nach dem Krieg nicht fortgesetzt. Während bis Ende der 60er Jahre in der Zeitschrift nur vereinzelt Artikel in englischer Sprache erschienen waren, nahm in den folgenden Jahren der Anteil englischsprachiger Artikel wie auch ausländischer Autoren stark zu. Gleichzeitig wurde das Gutachtersystem den bei international anerkannten Zeitschriften üblichen Gepflogenheiten immer mehr angeglichen. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte zudem der Umfang der Zeitschrift vergrössert und die Druckqualität im Laufe der Jahre verbessert werden.

Die Gesellschaft war jedoch bestrebt, die DFG-Unterstützung auslaufen zu lassen und die Voraussetzungen für eine grössere internationale Verbreitung zu schaffen. So erfolgte mit dem Jahrgang 40 (1974) ein Verlagswechsel zum Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York. Mit dem Verlagswechsel verbunden war die Erweiterung des Titels auf "Journal of Geophysics - Zeitschrift für Geophysik", worin der in Zukunft überwiegende englischsprachige Anteil der Artikel zum Ausdruck kommen sollte. An die Stelle der Schriftleiter trat ein international zusammengesetztes 'Editorial Board', dessen zunächst sieben, dann acht Mitglieder zur Entgegennahme und Bearbeitung von Manuskripten berechtigt waren. Anfangs zwei, später drei von ihnen entschieden als 'Managing Editors' (Hauptherausgeber) über die endgültige Annahme oder Ablehnung der Artikel und besorgten die Endredaktion. Es waren dieses neben- bzw. nacheinander (vgl. Tab. 9) Walter Dieminger, Gerhard Müller, Jürgen Untiedt und Peter Weidelt. Einer der Managing Editors nahm jeweils de facto die Funktion eines Sprechers des Herausgeberkollegiums insbesondere gegenüber Verlag und Gesellschaft wahr. In dieser Weise wirkten Jürgen Untiedt von 1974 bis 1986 und Gerhard Müller von 1987 bis 1988.

Mitglied Entsprechend der wechselnden Mitgliederzahl (vgl. Abb. 3) war die Auflagenhöhe der Zeitschrift unterschiedlich. Im Jahre 1973 betrug sie 1000 Exemplare. Die Anzahl der von den Mitgliedern bezogenen Zeitschriftenhefte und der über den Buchhandel vertriebenen Bände war sowohl vor 1945 als auch später stets etwa gleich gross. 1983 erschien im Band 53 (S. 83-125) ein nach Autoren geordnetes Register für die Bände 1 bis 50.

Anfang der 80er Jahre nahm das Interesse der Mitglieder an Veröffentlichungen in der Zeitschrift wegen ihrer trotz aller Anstrengungen begrenzten internationalen Verbreitung deutlich ab. Versuche mit französischen und italienischen Zeitschriften zusammenzugehen, schlugen fehl. 1988 verbanden sich das 1958 gegründete englische Geophysical Journal of the Royal Astronomical Society (RAS), das Journal of Geophysics - Zeitschrift für Geophysik und die 1983 gegründete französische Annales Geophysicae, Serie B zum Geophysical Journal (International). Die Bandzählung schloss sich an die der erstgenannten Zeitschrift an. Herausgeber der von Blackwell Scientific Publications verlegten Zeitschrift sind die RAS, die EGS (European Geophysical Society) und die DGG. Von seiten der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft ist Gerhard Müller als einer der Main Editors mit den fachlichen Betreuung beauftragt.

Abb.4 Die in der Zeitschrift veröffentlichten "Mitteilungen" wurden - vor allem im Interesse ihrer internationalen Verbreitung - nach dem Krieg stark beschnitten. Dafür fand die Reihe der schon vor dem Wiederaufleben der Zeitschrift in zwangloser Folge vom Vorstand herausgegebenen "Mitteilungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft" Fortsetzung (vgl. Abb. 4). Hierin wurde über die Tagungen, insbesondere die Geschäftsversammlungen und sonstige für Geophysiker wichtige Ereignisse berichtet. Die Redaktion der Mitteilungen lag in den Händen des jeweiligen Schriftführers.

Seit 1968 werden den Mitteilungen Verzeichnisse der geophysikalischen Vorlesungen an den deutschsprachigen Universitäten und Technischen Hochschulen beigelegt, und seit 1981 sind auch die Mitteilungen der Alfred-Wegener-Stiftung in die der Gesellschaft einbezogen.

Mit der Einstellung der Zeitschrift für Geophysik (1988) wurde eine neue Form der Mitteilungen gewählt. Ab 1988 erscheinen sie im vergrösserten Format, im verstärkten Umfang und im ansprechenden Layout. Durch Aufnahme zahlreicher Fachartikel und Erhalt einer ISSN wurden die Mitteilungen inzwischen zu einer vollwertigen und zitierfähigen Zeitschrift ausgebaut. Diese Entwicklung ist massgeblich den verantwortlichen Redakteuren Siegfried Greinwald und Hartmut Jödicke zu verdanken und wird von Andreas Junge fortgeführt.

Arbeitskreise der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft

Als erster Arbeitskreis der Gesellschaft darf vielleicht die schon 1922 gegründete "Makroseismische Kommission" (Mitglieder: Karl Andrée, Königsberg, Franz Kossmat, Leipzig, Carl Wolfgang Lutz, München, Ernst Tams, Hamburg und als Obmann August Sieberg, Jena) angesehen werden.

Derzeit bestehen an der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft acht auf unbestimmte Zeit beauftragte Arbeitskreise und zwei Ad-hoc-Arbeitskreise (Tab. 10).

Nachbargesellschaften (Zurück zur Verweisung)

Zu anderen wissenschaftlichen Gesellschaften mit verwandten Arbeitsgebieten unterhielt die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft stets gutnachbarliche Beziehungen. Das gilt natürlich ganz besonders für die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, aus deren Schoss sie seinerzeit hervorging. Vier Tagungen (1922, 1924, 1926, 1928) fanden im Zusammenhang mit Versammlungen dieser Gesellschaft statt.

Als nächstes sind die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und ihre Vorläufer- bzw. Nachfolgerorganisationen zu nennen. Erinnert sei an den turnusmässigen Wechsel der Tagungen in den 30er Jahren, an die ersten vier Hamburger Tagungen nach dem Krieg (1948, 1950, 1952, 1956), die gemeinsam mit den Meteorologischen Gesellschaften in Bad Kissingen und in Hamburg veranstaltet wurden.

Schliesslich sei die mit dem Verband Deutscher Meteorologischer Gesellschaften ebenfalls in Hamburg gemeinsam durchgeführte Tagung im Jahr 1968 erwähnt. Ein Vertreter der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft ist eingeladen, als 'ständiger' Gast an den Sitzungen des Vorstandes teilzunehmen.

Im Oktober 1959 beschloss die Mitgliederversammlung den Beitritt der Gesellschaft zum Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften, der späteren Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Dieser Beitritt wurde allerdings erst im Dezember 1960 vollzogen. Seitdem ist die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft assoziiert. Zu Vorstandssitzungen beider Verbände entsendet die jeweils andere einen Vertreter. Der enge Kontakt der beiden Gesellschaften kam unter anderem in der 1969 in Salzburg in Verbindung mit der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft abgehaltenen gemeinsamen Tagung zum Ausdruck.

Seit 1967 besteht eine von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft gemeinsam getragene "Arbeitsgemeinschaft Extraterrestrische Physik (AEP)". Später haben sich auch die Astronomische Gesellschaft und der Verband Deutscher Meteorologischer Gesellschaften der Trägerschaft angeschlossen. Diese Arbeitsgemeinschaft ist für die Mitglieder aller beteiligten Gesellschaften offen. Die Göttinger Tagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft 1973 fand erstmals in Verbindung mit einer Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft statt.

Das Deutsche Komitee für Meeresforschung und Meerestechnik (DKMM) wurde 1973 auf Initiative des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und der Schiffbautechnischen Gesellschaft zusammen mit elf weiteren Institutionen gegründet, um Informationen aus Meeresforschung und Meerestechnik zusammenzutragen und zu koordinieren. Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft gehört zu den Gründungsmitgliedern des Komitees.

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden vier Tagungen (1972, 1978, 1984, 1990) gemeinsam mit Fachkollegen der Geologie und Mineralogie veranstaltet. Es sei daran erinnert, dass bereits 1938 diejenigen wissenschaftlichen Gesellschaften, zu deren Aufgaben die Erforschung der Erdrinde gehört, die Deutsche Geologische Gesellschaft, die Deutsche Paläontologische Gesellschaft, die Deutsche Mineralogische Gesellschaft und die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, eine Arbeitsgemeinschaft (u.a. mit dem Ziel gemeinsamer Tagungen) vereinbart hatten.

Themen wie Berufsaussichten und moderne Ausbildung sind in der zurückliegenden Zeit die Berührungspunkte zwischen dem Bundesverband Deutscher Geologen, Geophysiker und Mineralogen (BDG) als berufsständischer Vertretung und der DGG als wissenschaftlicher Gesellschaft.

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Ein Jahr nach Gründung des Deutschen Forschungsrates, der sich später mit der "Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaft" zur "Deutschen Forschungsgemeinschaft" (DFG) zusammenschloss, wurde die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft im März 1950 in den Beirat dieser Organisation aufgenommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat in der Folgezeit die Geophysik sehr tatkräftig unterstützt. Hervorzuheben sind die Leistungen der ersten Leiter des Referats Geowissenschaften Waldemar Heitz und Franz Goerlich. Sie schufen in der DFG die Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung, die sich 1969 konstituierte.

Ohne stetige Förderung durch die DFG wäre eine Beteiligung an den grossen internationalen Unternehmungen nicht möglich gewesen. Auch die Zeitschrift für Geophysik erhielt - wie erwähnt - jahrelang einen nicht unbeträchtlichen Druckkostenzuschuss von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ist vorschlagsberechtigt bei den Wahlen der Fachgutachter.

Forschungskollegium Physik des Erdkörpers

Besondere Beziehungen werden zum "Forschungskollegium Physik des Erdkörpers e.V." (FKPE) unterhalten. Die Gründung des Kollegiums wurde am 9. März 1964 in Bad Kreuznach von 13 Instituts- bzw. Abteilungsleitern beschlossen, die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Bonn erfolgte am 3. Juni 1965. Erster Vorsitzender war Heinz Menzel. Die Mitglieder werden kooptiert, wobei das Kollegium darauf achtet, dass möglichst alle Institutionen vertreten sind und trotzdem die Arbeitsfähigkeit des Kreises gewährleistet ist. Die Sitzungen des FKPE finden meist zweimal im Jahr statt.

Die Zielstellung des Kollegiums geht aus den ersten Worten der Satzung hervor: "Aus der Erkenntnis, dass zur Weiterentwicklung der Physik des Erdkörpers Gemeinschaftsaufgaben notwendig sind, die die Übernahme von Verpflichtungen in einem Ausmass notwendig machen, wie sie von einem einzelnen Institutsleiter nicht mehr getragen werden können, haben sich die Leiter von geophysikalischen Forschungsinstitutionen in der Bundesrepublik Deutschland zu einem Verein zusammengeschlossen."

Aufgabengebiete des FKPE sind:

- Stimulierung, Durchführung und Kontrolle von nationalen und internationalen Forschungsprojekten in Zusammenarbeit von Instituten bzw. Institutionen (z.B. das Deutsche Kontinentale Reflexionsseismische Programm [DEKORP]),

- Betreuung von Forschungseinrichtungen (z.B. das Seismologische Zentral-Observatorium Gräfenberg),

- Unterstützung der DFG, insbesondere der Senatskommission für geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (z.B. Beantwortung von Anfragen).

Während diese Aufgaben allein dem FKPE zuzuordnen sind, gibt es mannigfaltige Bereiche, in denen eine Kooperation zwischen FKPE und DGG unerlässlich ist.

So gehören Arbeitsgruppen, die nicht im Dienste von Forschungsprojekten stehen, vorrangig in den Zuständigkeitsbereich der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Als diese auf der Stuttgarter Tagung 1989 die Einrichtung von Seminaren mit Sommerschul- und Weiterbildungscharakter beschloss, einigte sie sich mit dem Forschungskollegium, die FKPE-Fortbildungsseminare in Neustadt/Weinstrasse zu übernehmen und als DGG-Seminare fortzuführen. Seit damals wurden mehrere dieser Veranstaltungen mit 30 bis 70 Teilnehmern durchgeführt.

Weitere Felder der Zusammenarbeit sind:

- Mitwirkung von FKPE-Arbeitsgruppen bei der Vorbereitung der DGG-Jahrestagungen,

- Gemeinsame Anstrengungen zur Förderung der Zusammenarbeit von Hochschulen, Behörden und Firmen auf dem Gebiet der Geophysik im Falle konkreter Projekte,

- Information über Tätigkeit des Forschungskollegiums durch Veröffentlichung der Berichte des FKPE-Vorsitzenden in den DGG-Mitteilungen.

Die Förderung der Zusammmenarbeit zwischen dem Kollegium und der Gesellschaft ist vordringliche Aufgabe der Vorsitzenden beider Gremien. Deshalb wird der Vorsitzende des Forschungskollegiums regelmässig zu den Sitzungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft eingeladen. Umgekehrt ist deren Vorsitzender ex officio Mitglied des Forschungskollegiums.

Alfred-Wegener-Stiftung

Im Hinblick auf die wachsende Gefährdung des Gesamtsystems Erde wurde Ende der 70er Jahre die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns der einzelnen geowissenschaftlichen Disziplinen erkannt. So beschlossen am 25. Feb. 1980, im 100. Geburts- und 50. Todesjahr von Alfred Wegener, 12 geowissenschaftliche Gesellschaften - unter ihnen die DGG und das FKPE - eine Stiftung zur Förderung der geowissenschaftlichen Forschung ins Leben zu rufen. Der Name Alfred Wegener, des auf zahlreichen geowissenschaftlichen Gebieten ideenreich tätigen Forschers, sollte Ansporn sein und die Bedeutung der für Fortschritte in den Geowissenschaften unverzichtbaren Interdisziplinarität zum Ausdruck bringen.

Heute wird die Alfred-Wegener-Stiftung (AWS) von 20 deutschen geo- und ingenieurwissenschaftlichen Gesellschaften und Verbänden getragen. Sie veranstaltet jährlich eine Alfred-Wegener-Konferenz und zusätzlich einen Workshop, auf dem aktuelle fachübergreifende Themen behandelt werden. Alle zwei Jahre, beginnend 1991, wird eine "Geotechnica" - Kongress und Messe - veranstaltet, die bisher gemeinsam mit der KölnMesse durchgeführt wurde und im Mai 1997 zum vierten Mal in Köln stattfinden wird. Hier werden geowissenschaftliche Themen durch Aussteller aus aller Welt und einschlägige Vorträge von Fachleuten einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Motto "Bewahrung der Erde - Herausforderung an Wissenschaft und Technik" sollen Themen wie "Von der Exploration zur sinnvollen und umweltverträglichen Nutzung unserer Lagerstätten" oder wie "Entsorgungsprobleme" das ganze Spektrum der Geowissenschaften abdecken. Die Stiftung hat wesentlich zum Erfolg der Anlaufphase der Grossforschungsvorhaben Kontinentales Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB) und Deutsches Kontinentales Reflexionsseismisches Programm (DEKORP) beigetragen.

Seit 1981 berichten die halbjährlichen Mitteilungen der Alfred-Wegener-Stiftung über deren Aktivitäten. Organ der Stiftung ist seit 1983 die Zeitschrift "Die Geowissenschaften" (bis 1987 "Geowissenschaften in unserer Zeit"), die monatlich im Verlag Ernst u. Sohn, Berlin (bis Mitte 1993 bei der VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim) erscheint und seit einiger Zeit durch spezielle Themenhefte ein besonderes fachübergreifendes Interesse weckt. Ausserdem erscheint einige Male im Jahr 'Terra Nostra': ein Büchlein mit 'extented abstracts' von Alfred-Wegener-Konferenzen, -workshops und Spezialtagungen.

Um den wachsenden Aufgaben der Alfred-Wegener-Stiftung gerecht werden zu können, wurden flankierend zwei weitere Strukturen ins Leben gerufen: Die Alfred-Wegener-GmbH, die die Beratung und Organisation vieler Aufgaben übernimmt und die Alfred-Wegner-Fördergesellschaft, die auch persönliche Mitglieder in ihre Reihen aufnimmt.

Die aus verschiedenen Fachgebieten stammenden Präsidenten der Alfred-Wegener-Stiftung spiegeln die Interdisziplinarität der Geowissenschaften wieder (Tab. 11). Langjähriger Geschäftsführer der Stiftung (bis 1987) war Franz Goerlich.

Internationale Beziehungen

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die offiziellen Beziehungen zwischen deutschen und ausländischen Geophysikern gründlich gestört. Davon zeugen die Berichte über die Geschäftssitzungen der ersten Tagungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Gegen Ende der 20er Jahre standen aber wieder mehr die gemeinsamen Interessen an der internationalen Forschung im Vordergrund, und durch persönliche Kontakte war manches Missverständnis beigelegt worden. So konnten viele deutsche Wissenschaftler bereits 1930 auf Einladung der internationalen Organisationen als Gäste an den Sitzungen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik (IUGG) in Stockholm teilnehmen.

Leider waren in den folgenden Jahren den Bemühungen von Ernst Kohlschütter, einen Beitritt des Deutschen Reiches zur IUGG herbeizuführen, vor allem wohl aus Devisenknappheit des Reiches, kein Erfolg vergönnt. Noch an der lUGG-Tagung 1936 in Edinburgh konnten die Deutschen nur als Gäste teilnehmen, obwohl allgemein der Beitritt Deutschlands von den Delegierten der anderen Staaten erwartet worden war. Erst im Februar 1937 konnte Kohlschütter als Vorsitzender der bereits 1932 auch auf Betreiben der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft gegründeten Deutschen Vereinigung für Geophysik und Geodäsie (DVGG) offiziell den Beitritt des Deutschen Reiches zur IUGG erklären, nachdem endlich das Reichsfinanzministerium eine dauerhafte Finanzierung der Beitragskosten abgesichert hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bundesrepublik Deutschland bereits 1951 auf der Tagung der IUGG in Brüssel als volles Mitglied in die Union aufgenommen. Als entsprechende (west)deutsche Organisation wurde das Deutsche Nationale Komitee für Geodäsie und Geophysik (NKGG) gegründet, dem der Vorsitzende der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft angehört. Das NKGG benennt jeweils Leiter und Stellvertreter der Sektionen für Geodäsie, Seismologie und Physik des Erdinnern, Geomagnetismus und Aeronomie, Physikalische Wissenschaft vom Ozean, Wissenschaftliche Hydrologie, Vulkanologie und Geochemie sowie Meteorologie.

Die deutschen Geophysiker nutzten die Möglichkeiten zur Teilnahme an den grossen internationalen Unternehmungen: z.B. das Internationale Geophysikalische Jahr (IGJ), die Internationalen Jahre der ruhigen Sonne, das Internationale Projekt Oberer Erdmantel, das Geodynamikprojekt, das Internationale Geosphären-Biosphären-Programm (IGBP) oder die International Decade of Natural Disaster Research (IDNDR).

In der DDR wurde 1957 ein "Nationales Komitee der DDR für das IGJ", 1960 ein "Landesausschuss der DDR für die IUGG" und 1963 ein "Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR" gebildet. Der Council der XIV. Generalversammlung der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik (IUGG) bestätigte 1967 in der Schweiz die eigene Mitgliedschaft der DDR als gleichberechtigtes Mitglied der IUGG.

Grosse Beachtung schenkte die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft naturgemäss der 1951 gegründeten European Association of Exploration Geophysicists (EAEG). Glücklicherweise gelang es, einen zeitweise drohenden Weggang der auf dem Gebiet der angewandten Geophysik tätigen DGG-Mitglieder zu verhindern; die enge Verbindung zwischen reiner und angewandter Geophysik hatte sich schliesslich doch für beide Teile als äusserst fruchtbar erwiesen.

Für die kritische Durchsicht des Manuskripts, für wertvolle ergänzende Hinweise und zusätzliche Recherchen sind die Autoren vielen Kollegen zu Dank verpflichtet. Zu nennen sind besonders die Herren Berckhemer, Dürbaum, Dürschner, Edelmann, Hahn, Kertz, Koenig, Meissner, Porstendorfer, Schmucker, Schweitzer, Soffel, Strobach, Voppel und Wilhelm. Die Graphik über die Daten der Gesellschaft verdanken wir Frau Grimmer.

Literatur
Hiller, W. (1953): 30 Jahre Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922-1952. - Zeitschr. f. Geophysik 19: 5-8.
Koenig, M. (1974): Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, 1922-1974. - in: Birett, H., Helbig, K., Kertz, W. u. Schmucker, U. (Hrsg.): Zur Geschichte der Geophysik. - Festschrift zur 50jährigen Wiederkehr der Gründung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft; Berlin Heidelberg New York (Springer-Verlag).