Historischer Überblick
Von den staatlichen geologischen Diensten wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts geopbysikalische Messungen für geologische Erkundungen eingesetzt; insbesondere sei an die "Geophysikalische Reichsaufnahme" erinnert, die 1934 ihren Anfang nahm und grosse Erfolge aufweisen konnte (Closs 1974). Als beim Wiederaufbau nach Kriegsende brauchbares Gerät und Mittel für Neubeschaffungen äusserst knapp waren, verständigten sich die Leiter der neuen geologischen Landesämter, eine Reihe von Teilaufgaben zentral durchzuführen (Höchster Vereinbarungen zur Lösung verschiedener Gemeinschaftsaufgaben auf dem Gebiet der Geologie zwischen den Ländern und der Verwaltung für Wirtschaft vom 1. Juni 1948).
Zu den wichtigsten Teilaufgaben gehörte die Geophysik. Angesiedelt wurde die betreffende Arbeitsgruppe beim Amt für Bodenforschung in Hannover und in Krefeld. Nach einer Umorganisation, die 1957/59 zur Errichtung der selbständigen Landesämter in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen führte, wurde die Geophysik Teil der "Gemeinschaftsaufgabe Bodenforschung" beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung (NLfB) in Hannover.
1958 wurde in Hannover die Bundesanstalt für Bodenforschung - BfB -, ab 1975 Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe - BGR -, errichtet, deren Amtsleitung bis heute in Personalunion auch das NLfB führt; der Präsident ist Bundesbeamter, der Vizepräsident ist Landesbeamter, die Verwaltung erfolgt gemeinsam. Die Geophysik bei der BfB war in der Gründungsphase in zwei Referaten der Abteilung "Laboratorien" konzentriert, die bis 1962 in Personalunion mit der Geophysik beim NLfB von Hans Closs geleitet wurde. Über die Entwicklung der 'Geophysik' bei der BfB/BGR, die zunächst auch mit Personal des Amtes für Bodenforschung ausgestattet worden war, wurde und wird an anderer Stelle berichtet (Dürbaum et al. 1984, Dürbaum u. Hinz 1997).
Die Beiträge zur Finanzierung von sog. Gemeinschaftsaufgaben der Länder errechneten sich nach dem Schlüssel des Königsteiner Staatsabkommens, das im Frühjahr 1949 kurz vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zustande gekommen war. Später stellte es sich allerdings heraus, dass dieses Abkommen mit dem Grundgesetz (GG) nicht zu vereinbaren war, und so liess man es mit dem Ende des Jahres 1969 auslaufen. Grundlage der Finanzierung der Gemeinschaftsaufgaben des Bundes und der Länder wurde ab 1977 der Artikel 91 b GG.
Die Gemeinschaftsaufgabe Bodenforschung, ab 1977 Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA) genannt, wurde damit eine Forschungseinrichtung der Blauen Liste (Hänel 1992), blieb aber organisatorisch als Abteilung beim NLfB angesiedelt.
Die Entwicklung der Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben in den ersten 40 Jahren seit Unterzeichnung der Höchster Vereinbarungen ist dargestellt bei Hahn u. Homilius (1988). Die dort dargelegten Ausführungen sind auf Grund der mittlerweile eingetretenen forschungspolitischen Veränderungen zu ergänzen. Die wichtigsten Vorgänge sind die Bildung eines Wissenschaftlichen Beirats (1990) und die Einbeziehung der neuen Bundesländer in die Leistungen der GGA.
Die Abteilung GGA ist in die zwei Unterabteilungen, "Geophysik" und "Geologie der Kohlenwasserstoffe, Geochemie", untergliedert, wobei die Geophysik ca. 75% der Mitarbeiter umfasst. Insgesamt gehörten am 1. Aug. 1995 zur Geophysik 34 wissenschaftliche und 41 technische Mitarbeiter.
Die intensive Zusammenarbeit mit den geowissenschaftlichen Instituten der Universitäten drückt sich z.B. darin aus, dass zur Zeit sechs Wissenschaftler der GGA im Lehrbetrieb involviert und zwei Doktoranden und ein Postdoktorand gemäss Hochschulsonderprogramm U eingebunden sind.
Der Organisationsplan der Geophysik bei den GGA ist den Aufgabenspektren
jeweils angepasst worden. Die Änderungen in der Zeit von 1948 bis
1995 lassen sich der Graphik in Abb. 1 entnehmen. Als Daueraufgaben sind
die klassischen Arbeitsgebiete Gravimetrie, Magnetik, Seismik,
Geoelektrik und Geothermik zu erkennen. Zum Aufholen im technischen
Bereich in den 50er und 60er Jahren wurde ein eigenes technisches Labor
eingerichtet. Der Umgang mit künstlichen Radioisotopen nahm in den
60er Jahren ab und statt dessen gewannen die Methoden der
Altersbestimmung mit natürlichen Radioisotopen an Bedeutung; dieses
Arbeitsgebiet wurde im "14C-Labor" zusammengefasst. Ende der 60er Jahre
erwies es sich als notwendig, ein eigenes Referat "Bohrlochgeophysik"
aufzubauen, um den Anforderungen zur Untersuchung engkalibriger
Bohrlöcher in der Hydrogeologie, der Baugrunderkundung und in
anderen Arbeitsgebieten zu genügen. Die 'Gesteinsphysik'
konzentrierte sich zunächst auf die Gesteinsparameter
Porosität und Durchlässigkeit, und dies im wesentlichen im
Zusammenhang mit Problemen der Grundwasserströmung und der
Wasserströmung im ungesättigten Bodenbereich, was den Aufgaben
des Referates "Hydraulik des Grundwassers" entspricht.
Die Leiter der Geophysik bei den GGA waren:
Hans Closs 1948 - 1962, ab 1959 als Bundesbeamter Franz Hallenbach 1962 - 1963 Albrecht Hahn 1963 - 1971 Joachim Homilius 1971 - 1989 Ralph Hänel 1989 - 1992 Rüdiger Schulz 1992 -
Hans Closs und seine Nachfolger bei der Bundesanstalt und bei den Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben förderten die Zusammenarbeit mit der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, sorgten für ein gutes Gelingen der Jahrestagungen in Hannover (1953, 1961, 1982) und stellten sich für die Arbeit des Vorsitzenden zur Verfügung (Hans Closs 1961-1963, Albrecht Hahn 1973-1975, Hans-Jürgen Dürbaum 1981-1983 und Ralph Hänel 1993-1995). Geschäftsstelle und Schriftführerposten waren bzw. sind von 1987 bis 1991 (Siegfried Greinwald) und ab 1994 (Helga Wiederhold) an die Dienststelle von BGR/NLfBGGA gebunden, sowie von 1990 bis 1995 der Posten des Kassenwarts (Bernhard Fluche). Als es darum ging, das über viele Institute verstreute DGG-Archiv zusammenzuführen, zu sichten und zu ordnen, geschah dies ab 1993 durch Joachim Homilius in Hannover, bis die Übernahme des Archivs durch das Institut für Geophysik und Geologie in Leipzig 1995 und 1996 erfolgen konnte. Hans Closs und Hans-Jürgen Dürbaum wurden 1981 bzw. 1993 für ihre Leistungen zu Ehrenmitgliedern der DGG ernannt.
Aufgaben
Die Aufgaben der GGA-Geophysik erstrecken sich auf
Regionalforschung, Objektforschung einschliesslich Forschungsbohrungen sowie methodische und technische Entwicklungen.
Regionalforschung
Die Regionalforschung zeichnet sich durch Vorhaben aus, die sich über das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und - soweit erforderlich - auf angrenzende Länder erstrecken. In der Regel ist eine mehrjährige Bearbeitungszeit erforderlich.
Die Fragestellungen zur Regionalforschung werden in Abstimmung mit den geologischen Diensten und Hochschulinstituten definiert. Hier stehen grossräumige geophysikalische Untersuchungen sowie Kartierungen im Vordergrund, wie z.B. die Erstellung regionaler Basiskarten von Grossstrukturen sowie von beckenweiten stratigraphischen Bearbeitungen.
Eine permanente Aufgabe der GGA (da länderübergreifend) sind die Erfassung und kartenmässige Darstellung von Anomalien der Schwere (Abb. 2) und der magnetischen Totalintensität (Abb. 3), der Temperatur bis in Tiefen von ca. 10 km (Abb. 4), der Dichte des terrestrischen Wärmestromes sowie des spezifischen elektrischen Widerstandes (Hänel 1980, Hänel et al. 1988, Schulz et al. 1992, Plaumann 1983, 1991, 1995, Wonik u. Hahn 1989). Auf diesen Gebieten verfügen die GGA über eine umfangreiche Datensammlung. Die Interpretation der Karten ermöglicht grossräumige geologische Aussagen, z.B. im Vorfeld der Suche nach Kohlenwasserstofflagerstätten und von regionalen und überregionalen Forschungsvorhaben (DEKORP, KTB etc.). Lokale Anomalien der geophysikalischen Felder werden im Rahmen der Objektforschung weiter untersucht.
Objektforschung
Die Objektforschung zeichnet sich durch Untersuchungen in 'enger' begrenzten Räumen aus. Der Forschungscharakter liegt im allgemeinen in den komplizierten geologischen Gegebenheiten begründet. Zum Teil sind die Ergebnisse der Objektforschung der Anstoss für die Regionalforschung sowie von methodischen und technischen Entwicklungen. Zu nennen sind:
Beiträge zur Hydrogeologie:
Geophysikalische Grundwassererkundung im Vorfeld der
Grundwassergewinnung, Erkundung von Salzwasser-Süsswasser-Grenzen,
Grundwassermodelle, geophysikalische Bohrlochmessungen,
isotopenhydrogeologische Untersuchungen (Geyh 1988, Giesel 1988,
Hildebrand et al. 1988, Homilius u. Flathe 1988, Repsold 1989).
Beiträge zum Umweltschutz:
Vorarbeiten zur Lokalisierung von Oberflächendeponien, Ortung von
Altlasten, Erkundung von Hohlräumen, Untersuchungen von
oberflächennahen Strukturen, Untersuchungen zur
Schadstoffausbreitung im Boden und im Grundwasser,
Paläoklimaforschung, geophysikalische Bohrlochmessungen (Geyh et
al. 1987, Giesel 1988, Vogelsang 1993, 1994).
Beiträge zur Ingenieurgeophysik:
Flachgründige Untersuchungen zur Beurteilung der Eignung als
Baugrund, Bestimmung rheologischer Parameter,
Erschütterungsuntersuchungen, seismologische Begutachtungen (Behnke
1988, Stein u. Behnke 1988, Steinwachs 1988).
Beiträge im Vorfeld zur Prospektion von Lagerstätten:
Vorerkundungen von mineralischen Rohstoffen, Vorarbeiten zur Nutzung
geothermischer Energie (Hänel 1982, Hahn u. Bosum 1986, Homilius u.
Vogelsang 1988, Kappelmeyer u. Hänel 1974, Schulz et al. 1992a,
Thierbach 1994).
Forschungsbohrungen werden seit 1970 mit fest eingeplanten Mitteln der GGA in allen Bundesländern abgeteuft. Ziele und wissenschaftliche Ergebnisse sind von allgemeinem geowissenschaftlichen Interesse. Es versteht sich von selbst, dass zur Entscheidung über eine Bohrlokation und für Untersuchungen im Bohrloch die Geophysik der GGA ebenfalls eingesetzt wird. Auch Vertiefungen von Bohrungen mit besonderen wissenschaftlichen Fragestellungen wurden durch diese Mittel ermöglicht, wie z.B. die Forschungsbohrung Nördlinger Ries 1973.
Methodische und technische Entwicklungen
Darunter sind die Weiterentwicklung, die Erprobung und die Bereitstellung neuer geowissenschaftlicher Verfahren im Vorfeld praxisbezogener Fragestellungen zu verstehen, wie z.B. Messmethoden, Messgeräte und Auswertemethoden für die Gebiete Seismik, Magnetik, Geoelektrik, Radar für Salzgebirge, Geothermik, Wasserbewegung im ungesättigten Bodenbereich oder C14 für hohe Alter. Dies geschieht im engen Kontakt mit der Industrie und einschlägigen Geoforschungsinstituten.
Einige Arbeitsergebnisse
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien einige wichtige Arbeitsergebnisse sowie methodische und technische Entwicklungen aus dem Zeitraum 1948 bis 1996 dargestellt.
Gravimetrie
- Aufbau von Schwerebasisnetzen in der Bundesrepublik Deutschland mit
Verbindung zum benachbarten Ausland (1952 bis heute). Beteiligung am
Aufbau von Schweregrundnetzen.
- Regionalgravimetrische Vermessung der Bundesrepublik; Erstellung der
Schwerekarte 1:500 000 und 1:1 500 000 (50er Jahre bis heute).
- Schweremessungen und ihre Interpretation im Rahmen von KTB und DEKORP
(1982 - 1990).
- Gravimetrische Untersuchungen an Subrosionssenken und zur
Salzstocktektonik (ab 1960) (Plaumann 1983, 1988, 1991, 1995).
Magnetik
- Bodenmagnetische Untersuchungen im "Hessenprogramm" (1953 - 1962).
- Beiträge zur Entwicklung der Flugmagnetometrie in der
Bundesrepublik (1957 - 1962).
- Erarbeitung neuer Methoden zur Interpretation von magnetischen
Anomalien (1962 -1976).
- Ergänzungen der flugmagnetischen Vermessung der Bundesrepublik
(1965 - 1971 und weiterer Flugvermessungen) durch Bodenmessungen.
- Interpretation magnetischer Anomalien in der Bundesrepublik (seit
1970).
- Aufbau des Labors für Gesteinsmagnetik in Grubenhagen bei Einbeck
(ab 1968) zur Messung von Gesteinsparametern für die Interpretation
von Magnetfeldanomalien und zur Losung von Aufgaben aus der Gesteins-
und Paläomagnetik, insbesondere für die
Quartärstratigraphie. (Fromm 1985, Fromm et al. 1988, Hahn u. Bosum
1986, Pucher u. Hahn 1980, Wonik u. Hahn 1989, Wonik et al. 1992).
Seismik
- Mitarbeit an refraktionsseismischen Tiefenuntersuchungen in der
Bundesrepublik und in angrenzenden Ländern zur Ermittlung der
Geschwindigkeitsstruktur der Erdkruste (1948 - 1976).
- Beteiligung an der tiefenseismischen Untersuchung der Alpen und ihrer
Interpretation (1955 - 1967).
- Verbesserung bekannter und Erarbeitung neuer Methoden zur
Interpretation seismischer Daten (ab 1965).
- Entwicklung von refraktionsseismischen Apparaturen zur Untersuchung
flachgründiger Objekte (ab 1962). Erweiterung der
Einsatzmöglichkeiten zur Durchführung von Reflexionsseismik
mit Fallgewichtsanregung und Impulsgeräten bei flachgründigen
Objekten (ab 1984).
- Untersuchungen mit Refraktions- und Reflexionsseismik als Beitrag zur
geologischen Kartierung (Abb. 5), zur Lösung hydrogeologischer
Probleme und von Baugrundfragen.
- Aufbau von Apparaturen zur Beurteilung der Wirkung von kurzzeitigen
Erschütterungen (ab 1948). Messung und Bewertung von
Erschütterungen bei Sprengungen, bei Bautätigkeiten, im
Schienen- und Strassenverkehr.
- Entwicklung und Einsatz mobiler seismologischer Stationen zur Ortung
mikroseismischer Bodenunruhe (1966 - 1984).
- Aufbau eines untertägigen Stationsnetzes in Salzbergwerken zur
Registrierung von Erdbeben und Gebirgsschlägen in Norddeutschland
(ab 1980) (Behnke 1988, Closs u. Behnke 1963, Closs u. Labrouste 1963,
Fuchs et al. 1963, Giese et al. 1976, Reichert 1993, Stein u. Behnke
1988, Steinwachs 1974,1988, Wiederhold 1992).
Geoelektrik
- Entwicklung der geoelektrischen Widerstandsmethode zum modernen
Aufschlussverfahren bis in Tiefen von mehr als 1 km (ab 1953).
- Verbesserung bekannter und Erarbeitung neuer Methoden zur
Interpretation der geoelektrischen Messergebnisse (ab 1952).
- Untersuchungen mit der geoelektrischen Widerstandsmethode zur
Ermittlung der Salzwasser-Süsswasser-Grenze im Küstenbereich
und auf Inseln, von verdeckten glazialen Rinnen im Alpenvorland und von
Grundwasserleitern bei der wasserwirtschaftlichen Rahmenplanung
(Münsterland, Niederrheinische Bucht, Oberrheintal, Täler von
Rhein und Donau) (1953 -1974).
- Einführung und Erprobung elektromagnetischer Verfahren und
Verfahren der induzierten Polarisation zur Erkundung von
Lagerstätten und bei Kartierungsaufgaben (1973 - 1982).
- Entwicklung und Anwendung eines elektromagnetischen
Reflexionsverfahrens zur Erforschung von Salzlagerstätten (1967 bis
heute) und zum Einsatz im Permafrost (1979 - 1985).
- Entwicklung einer hochauflösenden Messtechnik für
flachgründige Objekte (Altlastenerkundung, Schadstofftransport,
Archäologie) (ab 1990). (Homilius u. Flathe 1988, Homilius u.
Vogelsang 1988, Mundry u. Dennert 1980, Mundry u. Homilius 1979, Spitzer
1995, Thierbach 1994).
Geothermik
- Gewinnung und Kompilation von geothermischen Basisdaten durch
Bohrlochmessungen und Ermittlung der Wärmestromdichte (ab 1969).
- Abschätzungen der geothermischen Ressourcen und Reserven an
ausgewählten Aquifern der Bundesrepublik (1981 - 1984).
- Erarbeitung von Kartenwerken über Tiefentemperaturen und
geothermischen Ressourcen in Mitteleuropa (ab 1988).
- Forschungsarbeiten zur Erschliessung geothermischer Energie, speziell
mit der Hot-Dry-Rock-Technik (Urach, Falkenberg/Oberpfalz, Soultz/Elsass)
(ab 1975).
- Simulation von Strömung und Transport im porösen und
geklüfteten Untergrund (ab 1980).
- Gebirgs- und Wettertemperaturen im Salzbergbau (1960 - 1963).
- Analyse des Wärmetransports in der Kruste und Beiträge zur
Paläoklimaforschung an der Lokation KTB und auf der Kola-Halbinsel
(ab 1990). (Cermak u. Hänel 1982, Cermak et al. 1992, Clauser u.
Huenges 1993, Clauser u. Mareschall 1995, Hänel 1982, 1988,
Hänel u. Staroste 1988, Jobmann u. Clauser 1994, Kappelmeyer u.
Hänel 1974, Kappelmeyer et al. 1963, Schellschmidt u. Schulz 1991,
Schulz et al. 1992, 1992a).
Bohrlochgeophysik
- Entwicklung von geophysikalischen Verfahren und Instrumenten zur
Untersuchung in engkalibrigen Bohrlöchern bis in Tiefen von ca.
1300 m (ab 1975).
- Entwicklung und Anwendung mathematisch-statistischer Methoden zur
Interpretation von bohrlochgeophysikalischen Messungen (ab 1990).
- Vergleich zwischen geoelektrischen Messungen an der Erdoberfläche
und im Bohrloch (ab 1972). (Lorch 1988, Repsold 1989, Repsold u. Mundry
1990, Repsold u. Schneider 1988, Wonik 1991).
Hydraulik des Grundwassers
- Forschungsarbeiten zur quantitativen Erfassung von
Wasserhaushaltskomponenten in der ungesättigten Bodenzone (ab
1970).
- Numerische Modelle für die Grundwassererkundung (ab 1973).
- Numerische Modelle zur Prognose der Ausbreitung von Schadstoffen im
Deponieuntergrund (ab 1981). (Giesel 1988, Lorch 1988,1988a).
C14-Labor
- Altersbestimmungen an datierbaren Substanzen mit
quartärgeologischen Fragestellungen durch das C14-Labor Hannover
(ab 1956).
- Entwicklungsarbeiten im C14-Labor (ab 1962) in den Stufen
(1) Verbesserungen der Zählrohre und Elektronik für die
C14-Methode zur Ausweitung des Datierungsbereiches auf 65000 Jahre und
zur Datierung von Proben mit 25 mg Kohlenwasserstoff,
(2) Erweiterung durch Tritium-Bestimmungen ohne Anreicherung,
(3) Erweiterung durch Massenspektrometer-Messungen des Sauerstoffs,
Kohlenstoffs und Wasserstoffs (ab 1972),
(4) Erweiterung durch Messungen nach der Uran/Thorium-Methode (ab 1980).
(Geyh 1980, 1983, 1988, 1988a, Geyh u. Schleicher 1990).
Haushalt und Forschungsvorhaben aus Drittmitteln
Der Haushalt der Gemeinschaftsaufgaben wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr eingebracht. Er wird zu je 50% vom Bund und vom Sitzland Niedersachsen getragen. Ein Drittel der Aufwendungen des Sitzlandes wird durch alle Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel refinanziert. Die aufgezeigten Leistungen wären jedoch in diesem Umfang ohne Drittmittel nicht möglich gewesen. Über alle Jahre hinweg konnten Sach- und Personalmittel für Forschungsprojekte (z.B. von DFG, BMBF, EG, Industrie) angeworben werden.
Eine besondere Stellung nehmen 'grössere Gemeinschaftsforschungsvorhaben' ein. An diesen beteiligte sich die GGA mit eigenen wissenschaftlichen Beiträgen und koordinierte gleichzeitig die Zusammenarbeit mit anderen geologischen Diensten oder Forschungseinrichtungen. Zu nennen sind:
- Erkundung neuer Energiequellen in Niedersachsen (ENEN); Laufzeit von 1973 bis 1980; Beteiligung der Erdölindustrie und der Hochschulen in Niedersachsen; Koordinierung durch die GGA-Leitung (Förderer: Land Niedersachsen).
- Deutsches Kontinentales Reflexionsseismisches Programm (DEKORP); Laufzeit von 1983 bis 1993; die Projektleitung lag bei den GGA und ist am 1. Jan. 1994 zum GeoForschungsZentrum Potsdam übergegangen; Gesamthaushalt 59 Mill. DM; Beteiligung der geologischen Dienste Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Tschechiens, der Hochschulen und der Industrie (Förderer: BMFT).
- Grundwassergüteentwicklung in den Braunkohlegebieten der neuen Länder (GBL); Laufzeit von 1994 bis 1997; Gesamthaushalt 11,3 Mill. DM; Beteiligung von acht geologischen Diensten; Koordination durch die GGA-Leitung (Förderung durch Aufbau-Ost).
- Europa-Atlas der Geothermischen Ressourcen; Laufzeit von 1994 bis 1996; Gesamthaushalt 2,2 Mill. DM; Beteiligung von 36 europäischen Ländern; Koordination durch die GGA-Leitung (Förderer: EG).
In der Aufbauphase des Kontinentalen Tiefbohrprogramms der Bundesrepublik Deutschland (KTB) lag die Koordination bei den GGA, bis 1985 die Projektgruppe KTB aufgebaut war.
Über die Grossprojekte KTB und DEKORP wird in diesem Heft besonders berichtet (Behr 1997, Dürbaum et al. 1997).
Publikationen und Berichtswesen
Für die Dokumentation der erarbeiteten Ergebnisse aus den genannten Aufgabenbereichen sowie den Arbeiten aus anderen geologischen Diensten aber auch von Hochschul- und anderen Geoinstituten stehen das Geologische Jahrbuch und die Zeitschrift für Angewandte Geologie zur Verfügung. An der Herausgabe sind die GGA beteiligt.
Das Geologische Jahrbuch ist seit 1973 in sechs fachliche Reihen gegliedert, innerhalb derer einzelne Hefte in zwangloser Folge erscheinen. In der Reihe E werden Ergebnisse aus der Geophysik einschliesslich der Altersbestimmung - auch in englischer Sprache - veröffentlicht. Bisher sind 55 Hefte der Reihe E erschienen. Die Leistungen der GGA sind zusammenfassend niedergelegt in Tätigkeitsberichten, die aufgrund einer Auflage des Bund-Länder-Ausschusses Bodenforschung ab 1966 verfasst werden und ab 1969 in regelmässigen Abständen von 2 Jahren erscheinen. Diese enthalten zahlreiche Erstveröffentlichungen über Forschungsergebnisse und bringen weitergehende Literatur; auch sind Schriften genannt, die aus Mitteln der GGA gedruckt worden sind.
Die Literaturliste gibt eine Auswahl insbesondere jüngerer Schriften wieder. Auf das umfangreiche Literaturverzeichnis in den Beiträgen zur 40-Jahr-Festschrift der GGA (Hahn u. Homiljus 1988) sei verwiesen, ebenso auf die Beiträge von Wissenschaftlern der GGA zu einigen Lehrbüchern (Bentz 1961, Bender 1985, Closs 1961, Schneider 1973,1988).
Literatur
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