Zur Geschichte der Geophysik in Deutschland

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Hans Dostmann u. Karl Hinz: Das alte SEISMOS- und PRAKLA-Berichtsarchiv (1922 bis 1945)
Was ist damit geschehen?

Nach der Übernahme der PRAKLA-SEISMOS AG durch den SCHLUMBERGER-Konzern im Jahre 1992 ist nicht nur das Personal drastisch reduziert worden, sondern es sind auch die Bibliothek und das sehr umfangreiche Berichtsarchiv aufgelöst worden.

Die Nachkriegsberichte sind weitgehend von den ehemaligen Auftraggebern übernommen worden. Doch was ist mit den mehr als 600 Sachberichten der ehemaligen SEISMOS aus den Jahren 1922 bis 1945 und den etwa 150 Sachberichten der ehemaligen PRAKLA aus den Jahren 1937 bis 1945 geschehen? Um diese wertvollen und einmaligen Dokumentationen für die Geschichte der deutschen Explorationsgeophysik vor der drohenden Entsorgung zu bewahren, ergriffen ein paar ältere Geophysiker die Initiative. Mit fachlicher und finanzieller Unterstützung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 03GR), Hannover, gelang es schliesslich, die in 32 Umzugskartons ausgelagerten Vorkriegsberichte der SEISMOS und der PRAKLA zu sichten, entsprechend der Archivordnung der BGR zu erfassen und dem Archiv der BGR einzugliedern.

Anzahl und fachliche Thematik der alten Berichte

SEISMOS-Berichte: insgesamt 604, davon #141 Berichte - Reflexionsseismik #163 Berichte - Refraktionsseismik #242 Berichte - Gravimetrie #58 Berichte - Magnetik, Geoelektrik usw.

70,3 % der Berichte behandeln Inlandsprojekte, 29,7 % Auslandsprojekte.

PRAKLA-Berichte: insgesamt 148, davon #38 Berichte - Reflexionsseismik #31 Berichte - Refraktionsseismik #26 Berichte - Gravimetrie #53 Berichte - Magnetik, Geoelektrik usw.

42,6 % der Berichte behandeln Inlandsprojekte, 57,4 % Auslandsprojekte.

Zur frühen Geschichte der Firmen SEISMOS und PRAKLA

Im Dezember 1919 meldete Dr. Ludger Mintrop (1880-1956) sein "Verfahren zur Ermittlung des Aufbaus von Gebirgsschichten" zum deutschen Reichspatent an und gründete danach gemeinsam mit einigen deutschen Bergbaufirmen am 4. April 1921 die SEISMOS, Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Erforschung von Gebirgsschichten und nutzbaren Lagerstätten, mit Sitz in Hannover.

Nach verschiedenen Versuchsmessungen in Norddeutschland ergriff die junge Firma im Jahre 1923 die Chance, ihre revolutionäre seismische Methode in Amerika für die Exploration einzusetzen. Die sensationellen Erfolge in Oklahoma, Texas, Lousiana und Mexiko fanden weltweit Anerkennung, zum Beispiel in dem Zitat aus Barton (1927): "the initial Impetus to the present (1927) extensive use of the seismic (or sonic) method is due very largely to L. Mintrop and his SEISMOS-Company of Hannover, Germany".

Die erfolgreiche Auslandstätigkeit der SEISMOS wurde durch den Bankenzusammenbruch an der New Yorker Börse im Jahre 1929 jäh beendet. Die Weltwirtschaftkrise zwang die Firma zur Entlassung von vielen Mitarbeitern. Trotzdem trieb die SEISMOS in den Folgejahren die technischen und methodischen Entwicklungen auf dem Gebiet der Angewandten Geophysik intensiv voran, um gegen die wachsende amerikanische Konkurrenz erfolgreich bestehen zu können. So brachte z.B. die SEISMOS im Jahre 1934 den ersten feldtüchtigen statischen Schweremesser auf den Markt, das Thyssen-Gravimeter, welches auf der Pariser Weltausstellung 1937 eine Goldmedaille erhielt (Baron Dr. Stephan von Thyssen-Bornemisza und Dr. Alfred Schleusener).

Die Entwicklung von reflexionsseismischen Messapparaturen für die exploratorische Praxis wurde besonders von Dr. Friedrich Trappe (gestorben 1945) mit Unterstützung von Dr. Hubert Lückerath vorangetrieben. Diese Apparaturen kamen erstmals 1933 in der Exploration zum Einsatz und überzeugten sehr bald die deutsche Erdölindustrie, den Bergbau und die staatlichen geowissenschaftlichen Institutionen.

Im Zuge der Autarkiebestrebungen der damaligen Reichsregierung wurde 1937 unter Aufsicht der Preussischen Geologischen Landesanstalt mit der Geophysikalischen Reichsaufnahme begonnen. Bei dieser geophysikalischen Erkundung des gesamten Reichsgebietes sind die damals verfügbaren seismischen, gravimetrischen und magnetischen Explorationsmethoden mit grossem Erfolg eingesetzt worden. Für diese sehr umfangreiche Aufgabe reichte die Kapazität der SEISMOS nicht aus. Deshalb ist am 23. März 1937 aus Mitteln des deutschen Reiches die Gesellschaft für praktische Lagerstättenforschung GmbH, Berlin, gegründet worden, die 1951 in PRAKLA, Gesellschaft für praktische Lagerstättenforschung, umbenannt worden ist.

Dr. Fr. Trappe, ehemals bei der SEISMOS, entwickelte zusammen mit Dr. Waldemar Zettel die reflexionsseismische Messapparaturen weiter, die in den folgenden Jahren verstärkt für die Erdölprospektion eingesetzt worden sind (s. u.a. Jakosky 1940, Mintrop 1941, Birett et al. 1974).

Nach dem Kriege nahmen beide Firmen von Hannover aus die Prospektionstätigkeit wieder auf. Bereits im April 1946 konnte die SEISMOS einen Feldtrupp für die Deutsche Erdöl AG einsetzen, und im Frühjahr 1947 gelang es der PRAKLA mit den aus Berlin geretteten Instrumenten, reflexionsseismische Untersuchungen für die Gewerkschaft Elwerath durchzuführen. Mitte 1948, also kurz nach der Währungsreform, hatten beide Firmen bereits wieder 13 Messtrupps (Reflexionsseismik 9, Refraktionsseismik l, Gravimetrie 3) im Einsatz. In den 50er Jahren erfolgte ein starker Ausbau beider Firmen. 1957/58 waren insgesamt 46 Messtrupps beider Finnen tätig. 1963 erwarb die PRAKLA GmbH unter der Leitung von Dr. Waldemar Zettel die Anteile der SEISMOS GmbH. Die jüngere Geschichte der Firma PRAKLA bis zum Verkauf ist allgemein bekannt.

Zu den alten Berichten

    Abb. 1 Deckblatt     Abb. 2 Profil                     Abb. 3 Eisen                 Abb. 4 Gravimetrie                 Abb. 5 Bouguer
Es ist schon sehr beeindruckend, die alten Sachberichte mit zeichnerisch hervorragend und akkurat (alles handgeschrieben) gestalteten Abbildungen einzusehen. Nachfolgend werden in den Abb. 1 bis 5 einige, recht willkürlich ausgewählte Abbildungen der alten Berichte vorgestellt.

Archivierung und Zugänglichkeit der historischen SEISMOS- und PRAKLA-Berichte (1922-1945)

Die unveröffentlichten Projektberichte (1922-1945) der SEISMOS und PRAKLA sind ins BGR-Berichtsarchiv aufgenommen worden, erfasst mit einem EDV-gestützten Katalogsystem und erschlossen nach folgenden Kriterien:

- Regional (Nr. der TK 25, Verwaltungseinheit bzw. Ländername) mit Schlagworten,

- Autoren,

- Fachbereiche (Ausgewählte Schlagworte bzw. Unterlagen ohne regionalen Bezug und gegliedert nach Schlagworten),

- Tagebuch-Nr., Forschungsprogramme, Firmenberichtsnummer,

- Archiv-Nr.

Die Berichte können im Hause der BGR eingesehen werden. Ansprechpersonen in der BGR sind Frau K. Müller und Herr E.-W. Mennig (BZ 2.2), die gerne über die Nutzungsmöglichkeiten der BGR-Archivbestände Auskunft erteilen.

Die Autoren danken der Amtsleitung der BGR, den Mitarbeitern des BGR-Archives (BZ 2.2), und Herrn P. Dismer (Schlumberger/Geco-Prakla) für die vielfältige Unterstützung. Herr E. Rode führte die Fotoarbeiten aus und erstellte die Abbildungen.

Literatur
Barton, D.C. (1927): Applied Geophysical Method in America. - Economy Geology, Nov. 1927.
Birett, H., Helbig, K., Kertz, W., Schmucker, U. (1974): Zur Geschichte der Geophysik. - Festschrift zur 50jährigen Wiederkehr der Gründung der DGG; Springer Verlag (Berlin Heidelberg New York).
Jakosky, J.J. (1940): Exploration Geophysics. - Los Angeles, USA (Trija Publishing Company).
Mintrop, L. (1941): Geophysikalische Verfahren zur Erforschung von Gebirgsschichten und Lagerstätten. - Bd. 1, Teil 1; Essen (Verlag Glückauf GmbH).