Kreide quietscht über die Tafel, Staub setzt sich ab und der Kopf raucht. Indizes und abstrakte Darstellung: So muß Wissenschaft sein. Nein, muß sie nicht! Overheadfolien, Filme und Animationen lockern die Lehre auf und motivieren die Studierenden enorm. Menschen sind visuell veranlagt und wir brauchen deshalb (mehr) Multimedia (MM)-Materialien in der Geophysik!
Multimedia-Materialien können die Lehre einprägsamer machen und vielfältig unterstützen: So bekommen dynamische Prozesse Leben eingehaucht; Wellenvorgänge, Diffusions- und Strömungsprozesse werden anschaulich fassbar; Prozesse können in Echtzeit, Zeitlupe oder Zeitraffer dargestellt werden. In interaktiver Arbeit kann Prozessing- oder Modellierungs-Software vorgeführt werden. Es ist nützlich, Web-Inhalte in die Lehre zu integrieren, z.B. durch Links, auf denen regelmäßige Updates stattfinden. Wissenschaftliche Recherche findet heute über das WWW statt: Zum Repertoire wissenschaftlichen Arbeitens gehören deshalb auch die entsprechenden Techniken (Fachdatenbanken). Für unsere Studierenden ist es weiterhin wichtig, daß sie professionelle Präsentationstechniken erlernen, z.B. die Eigenarten einer Beamer-Präsentation.
In der Geophysik gibt es weitgefächerte Einsatzmöglichkeiten für MM. Leider werden durch das bmb+f Programm "neue Medien in der Bildung" aber vor allem große Fächer wie Physik gefördert. Angesichts dessen, dass die Geophysik in Deutschland in viele kleine Institutionen verteilt ist, schlage ich deshalb einen anderen Weg vor: Eine deutschlandweite Sammlung der Multimedia-Angebote der Geophysik. So können wir unsere Kapazitäten effizient nutzen und das Rad muß nicht an jedem Standort neu erfunden werden.
Ein erster Schritt wurde bereits gemacht: auf der DGG Homepage finden Sie eine Sammlung von Links zu Geophysik-Angeboten im Web (www.dgg-online.de/lehrelinks) In einem zweiten Schritt rufen wir nun alle Geophysik-Lehrenden auf, ihre existierenden MM-Lehrmaterialien zur Verfügung zu stellen, um das Spektrum der bereits existierenden Lehreinheiten öffentlich zu machen. Das Material wird dann gesichtet und thematisch sortiert, um Lücken bzw. den Bedarf festzustellen. In einem weiteren Schritt wollen wir anschließend die Produktion von Materialien zu bestimmten Themenkomplexen anregen.
Es geht bei diesem Projekt nicht darum, einem Trend hinterherzulaufen, sondern in Zeiten knapper Kassen und schrumpfender Studierendenzahlen die Qualität und Attraktivität der Geophysiklehre zu erhöhen. So lassen sich MM-Materialien leicht verändern, um aktuelle Forschungsergebnisse zu integrieren oder sie auf den eigenen spezifischen Bedarf anzupassen. Durch die Nutzung der Expertise von Kollegen auf deren Spezialgebieten gewinnt man zudem Zeit für die Erstellung der Lehrmaterialien auf den eigenen Spezialgebieten.
Mittelfristiges Ziel dieses Projektes ist die Migration des Materials hin zu interaktiven Lehrangeboten, z.B. für einen Aufbaustudiengang Geophysik für Geologen, Hydrologen oder Bauingenieure im Rahmen eines Fern- oder Abendstudiums. Solche zusätzlichen Angebote dienen der Verbreitung und Stärkung der Geophysik. Erst der intensive Einsatz von MM-Materialien wird solche Angebote zu beliebigen Tageszeiten ermöglichen.
Wem gehört das Material? Da unsere Gehälter aus öffentlichen Mitteln kommen, ist es nur konsequent, wenn die Materialien der Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt werden. Damit kein kommerzieller Mißbrauch mit solchen Materialien betrieben werden kann, schlage ich vor, die Materialien den Gnu Public Licence (GPL) Vereinbarungen zu unterwerfen. Zusammengefaßt besagen die Lizenzvereinbarungen, daß a) jeder, der das Material frei bekommen hat, es auch frei weitergeben muß und b) jeder, der Veränderungen an dem Material vornimmt, auch erlauben muß, daß an seiner Version Veränderungen vorgenommen werden.
Nur so kann meiner Meinung nach vermieden werden, daß sich z.B. ein Verlag der Materialien annimmt und auf unsere Kosten Gewinne macht. Bereits heute sind viele (und nicht die schlechtesten) geophysikalischen Software-Pakete frei (z.B. GMT, Seismic Unix, INV2D). Dies gilt nicht nur für Software, sondern so will z.B. selbst das auf eigene Rechnung arbeitende MIT in Zukunft Kursmaterialien, Simulationen etc. für jeden frei erhältlich im Netz anbieten.
Zum Schluß möchte ich noch auf die Anforderungen der technischen Umsetzung und die Kosten kurz eingehen. Es wird sicher nötig sein, sich auf ein Web-kompatibles Format zu einigen, wie z.B. HTML oder PDF. Mittlerweile existieren für nahezu alle Text- oder Präsentationsprogramme entsprechende Konvertierungsprogramme. Das Sammeln und Sortieren sowie das Erstellen neuer Materialien sind zunächst nicht mit hohen Kosten verbunden. Dies wird sich ändern, wenn die Struktur komplexer wird, dann muß z.B. die Arbeit des AK Internet durch eine Hilfskraft unterstützt werden. Für zukünftige aufwendigere Produktionen gibt es entsprechende Fördermöglichkeiten über bmb+f oder EU.
Bitte senden Sie Ihre Links, Programme, Kommentare, Kritik und Anregungen an Martin Müller.