Buchbesprechung

 

H.U. Schmincke: Vulkanismus (264 S., über 300 farbige Abbildungen und Farbgraphiken, ISBN 3-534-14102-4, 78,- DM)

 

M. Hort, Kiel

 

Die Urgewalt vulkanischer Eruptionen und die damit verbundenen Gefahren, aber auch ihr Nutzen, begleiten die Menschheit seit Ihrer Entstehung. So wurde der Vulkan Stromboli, gut 200 km südwestlich von Neapel in der Äolischen See gelegen, im Altertum Leuchtturm des Mittelmeeres genannt, diente er doch als Orientierungspunkt für die Seefahrt. Ebenso werden die Hänge von Vulkanen weltweit seit Jahrtausenden aufgrund ihrer ertragreichen Böden intensiv ackerbaulich genutzt. Die Fruchtbarkeit dieser vulkanischen Böden hat eine ständig steigende Besiedlungs-dichte dieser Gebiete zur Folge, und erhöht somit die Gefahren großer Vulkan-katastrophen. Neben dieser offensichtlichen Vulkangefahr legen genaue Beobachtungen vulkanischer Großeruptionen zudem einen direkten Zusammenhang zwischen vulkanischer Aktivität und dem Klima nahe. So fand man z.B., daß in den zwei Jahren nach der Eruption des Pinatubo (Philippinen, Juni 1991) die Temperatur in der Nähe der Erdoberfläche global um 0.5°C sank, und das Jahr nach der Tambora Eruption 1815 ist als das Jahr ohne Sommer in die Geschichte eingegangen. Nicht zuletzt wegen dieser verschiedenen Vulkan-gefahren ist in den letzten Jahrzehnten das öffentliche Interesse an der Vulkanologie im allgemeinen und an Vulkaneruptionen im besonderen stark angewachsen. Dieses Informationsbedürfnis über die Entstehung von Vulkanen sowie ihre vielfältigen Eruptions-formen und Auswirkungen auf Land, Meer und Atmosphäre befriedigt das jetzt vorgelegte, reich bebilderte und allgemeinverständliche Buch Vulkanismus von Hans-Ulrich Schmincke. Es stellt eine Neufassung seines zuerst 1986 in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen Werkes dar, und es gibt derzeit keine vergleichbare, moderne, umfassende und deutschsprachige Darstellung über Vulkanismus.

 

Das Buch gliedert sich in vier Teile: (1) Nach einer Einleitung, die auch historische Seiten der Vulkanforschung beleuchtet, werden in den Kapiteln 2-4 Grundlagen wie z.B. Platten-tektonik, die chemische und mineralogische Zusammensetzung von Magmen und vulkanischen Gesteinen, die Entwicklung von Magmakammern, sowie Fließ- und Ent-gasungsprozesse diskutiert. (2) Die folgenden vier Kapitel 5-8 sind der Darstellung der großen Vulkanzonen auf der Erde gewidmet. Hier werden die mittelozeanischen Rücken, Ozeaninseln, die kontinentalen Vulkanfelder sowie die Vulkangürtel der großen explosiven Vulkane in den Inselbögen und aktiven Kontinenträndern detailliert dargestellt. (3) Die unterschiedlichen Vulkanformen werden aus-führlich im Kapitel 9 illustriert. Es folgt eine Behandlung der wichtigsten explosiven Vorgänge bei strombolianischen, hawaiiani-schen und plinianischen Vulkaneruptionen sowie eine detaillierte Beschreibung der Dynamik in Eruptionssäulen (Kapitel 10). Die Kapitel 11 und 12 behandeln pyroklastische Ströme und die Wechselwirkung zwischen heißem Magma und Wasser. Im letzten Teil (4) werden die direkten Auswirkungen von Vulkaneruptionen auf unsere Umwelt und den Menschen diskutiert. Hier beeindruckt insbesondere das sehr ausführliche Kapitel 13, das sich mit den Vulkangefahren, ihren Auswirkungen und den Vorhersage-möglichkeiten befaßt. In den letzten beiden Kapiteln (14,15) werden die klimatischen Auswirkungen von Vulkaneruptionen und der Nutzen des Vulkanismus wie die Bildung von vulkanogenen Erzlagerstätten, geothermischer Energie, vulkanischer Böden und des Tourismus dargestellt. Es folgt ein Literatur-verzeichnis mit über 400 Angaben, die der besseren Lesbarkeit wegen im Text nur durch Ziffern gekennzeichnet sind.

Neben den allgemeinen Kapiteln finden sich in diesem Buch verschiedene regionale Schwer-punkte. Sie fassen drei Jahrzehnte Arbeit der Arbeitsgruppe Vulkanologie des Autors, insbesondere auf den Kanarischen Inseln sowie den jungen Vulkanfeldern in der Eifel, zusammen. Neben den zahlreichen Erläuterungen physikalischer und vulkano-logischer Prozesse, werden, stellvertretend für andere Eruptionen, die berühmte Eruption des Mount St. Helens am 18. Mai 1980 sowie die sehr ausführlich bearbeitete Eruption des Laacher See-Vulkans vor 12.900 Jahren beschrieben und reich bebildert. Durch die zahlreichen historischen Rückblicke bekommt der Leser zudem einen Eindruck, wie sich das Verständnis vulkanischer Aktivität über die Jahrhunderte gewandelt hat. Das Buch wendet sich nicht nur an ein ausgesuchtes Fachpublikum, sondern auch an den interessierten Laien, dem die anschauliche Darstellung, unterstützt durch viele Graphiken und eindrucksvolle Bilder, sowie die Beschränkung des Fachjargon entgegen-kommen. Insgesamt also ein rundum gelungenes Buch, was im Regal eines Geowissenschaftlers nicht fehlen sollte, und das auch den interessierten Laien erfreuen wird.