Polarlicht über Deutschland
G. Schulz, Wingst, und V. Haak, Potsdam
Der ungewöhnlich starke magnetische Sturm vom 6. auf den 7. April dieses Jahres bescherte uns eine spektakuläre Aurora - mit entsprechender Resonanz in der Presse. Zwei Voraussetzungen waren erfüllt: Die Haupt-phase lief in den Nachtstunden ab und der Himmel war weitgehend wolkenfrei, bis in die höheren Breiten Skandinaviens. Die Zeit-verschiebung bewirkte, daß das Nordlicht entlang anderer geographischer Längen gar nicht oder, wie z.B. in Nordamerika, "nur" das Ende der Erscheinung zu beobachten war.
An den Tagen darauf verbreiteten die Medien Vorhersagen für eine unmittelbar bevorstehende Fortsetzung des Spektakulums, doch - wie nicht anders zu erwarten - mit geringem Erfolg. Ein Blick in die Statistik der magnetischen Kennziffern zeigt nämlich, dass Geduld angesagt ist: Während des letzten Aktivitätsmaximums der Sonne schufen gerade mal zwei Ereignisse die Voraussetzungen für ähnlich eindrucksvolle Nordlichter in unseren Breiten, von denen eines davon in Norddeutschland beobachtet werden konnte: während des magnetischen Sturms vom 13. auf den 14. März 1989. Eine Wiederholung in nächster Zeit ist aber auch nicht aus-geschlossen, denn das Maximum des aktuellen Sonnenfleckenzyklus ist noch nicht erreicht und die magnetische Aktivität hinkt bekanntlich um Monate oder mehr der Sonnenflecken-relativzahl nach.
Die Abbildung zeigt den Verlauf der Horizontalintensität während des Sturms, registriert am Erdmagnetischen Observatorium Wingst. Die Ankunft der Partikelwolke an der irdischen Atmosphäre kündigt sich um genau 16:39 UTC mit einem Sprung (Sudden Storm Commencement) von mehr als +100 nT an, um während der anschließenden Hautphase sehr rasch (maximaler Gradient: etwa 250 nT/min) um den zehnfachen Betrag abzusinken. Das weist auf starke elektrische Ströme in der Magnetosphäre hin, die im Zusammenhang mit dem Polarlicht auftreten. Der Vergleich mit dem ungestörten Verlauf acht Tage später lässt die nur allmählich abklingende Wirkung des mit der Hauptphase einsetzenden Ringstroms sichtbar werden.