In memoriam Prof. Dr.-Ing. Hans-Georg Wenzel
W. Torge, Hannover
Die Geodäsie hat einen herausragenden Wissenschaftler und engagierten Hochschullehrer verloren: völlig unerwartet verstarb Univ. Prof. Dr.-Ing. habil. Hans-Georg Wenzel am 11. November 1999.
Hans-Georg Wenzel wurde am 3. Februar 1945 in Hahnenklee/Harz geboren. Nach der Ausbildung zum Vermessungstechniker (1962 – 1964) studierte er Vermessungswesen an der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen Essen (1964 – 1967) und an der Technischen Hochschule Hannover (1968 – 1972), die Prüfungen zum Ing. (grad.) und zum Dipl.-Ing. legte er jeweils "mit Auszeichnung" ab. Von 1972 bis 1988 war Hans-Georg Wenzel dann am Institut für Erdmessung (früher Institut für Theoretische Geodäsie) der Universität Hannover tätig, als wissenschaftlicher Mitarbeiter, wissenschaftlicher Assistent, Oberingenieur und Akademischer Rat.
Das breite Spektrum seiner Arbeiten reichte von instrumentellen und methodischen Entwicklungen in der Gravimetrie über Präzisionsschweremessungen zur Erfassung geodynamischer Prozesse bis zur dreidimensionalen Modellierung und Schwerefeldpräsentation. Seine Dissertation (1976) "Zur Genauigkeit von gravimetrischen Erdgezeitenbeobach-tungen" und seine Habilitationsschrift (1985) "Hochauflösende Kugelfunktionsmodelle für das Gravitationspotential der Erde" zählen bis heute zu den grundlegenden Arbeiten in der Physikalischen Geodäsie. Besonders nach der Ernennung zum Oberingenieur wirkte Hans-Georg Wenzel an den meisten Forschungsarbeiten dieses Bereiches entscheidend mit und motivierte mit seinem Tatendrang und seiner Effizienz andere Mitarbeiter und Studierende. In dieser Zeit baute sich ein Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Unterzeichnenden auf, das sich besonders auch in Feldprojekten unter schwierigen äußeren Bedingungen etwa in Venezuela, Island und China bewährte und vertiefte.
Gegen Ende dieser hannoverschen Epoche war Hans-Georg Wenzel national und international bekannt und anerkannt. Der Ruf (1988) an die Universität Karlsruhe war eine logische Weiterentwicklung dieser Laufbahn. Als Professor für Gravimetrie und Geodynamik am Geodätischen Institut und Direktor des Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsobservatoriums Schiltach/Schwarzwald konzentrierten seine Forschungsarbeiten sich auf die Analyse von Erdgezeitenmessungen. Herausragende Ergebnisse aus dieser Periode sind ein neuer Gezeitenpotentialkatalog, ein globales synthetisches Modell der gravimetrischen Gezeiten, und das an vielen Stellen benutzte Erdgezeitenprogrammpaket ETERNA. 1998 gelang ihm mit der Entwicklung des ultrahochauflösenden Geopotentialmodells GPM 98 ein bemerkenswerter Schritt in Richtung auf die nächste Generation von globalen Schwerefeldmodellen. Die wissenschaftliche Produktivität von Hans-Georg Wenzel über ein rundes Vierteljahrhundert wird eindrucksvoll durch mehr als 150 Publikationen dokumentiert, von denen viele aus Präsentationen auf internationalen Tagungen hervorgegangen sind.
In der IAG wurden die herausragenden Fähigkeiten von Hans-Georg Wenzel früh erkannt, so dass er bald im weltweiten IAG-Netz mitwirkte. Ab 1987 war er im IAG Executive Committee tätig, als Sekretär (1987 – 1991) und Präsident (1991 – 1995) der Sektion 3 "Schwerefeldbestimmung", und als Präsident (1995 – 1999) der Internationalen Erdgezeitenkommission. Seine Management-Fähig-keiten konnte er im Directing Board des Internationalen Gravimetrischen Büros (1987 – 1995) und als Sekretär (ab 1996) der Federa-tion of the Astronomical and Geophysical Data and Analysis Services (FAGS) einbringen.
1999 erhielt Hans-Georg Wenzel den Ruf auf die Professur für Physikalische Geodäsie am Institut für Erdmessung der Universität Hannover. Er betrat damit wieder die Stelle seines früheren Wirkens als Nachfolger seines Lehrers, Kollegen und Freundes, der heute die traurige Pflicht zum Abfassen dieses Nachrufes hat. Hans-Georg Wenzel war eine ideale Besetzung für diese Professur, Neues war zu erwarten, Bewährtes sollte fortentwickelt werden. Am 1. März 1999 nahm Hans-Georg Wenzel die Arbeit auf, und in vielen Diskussionen zeigten sich wiederum seine Energie und seine Visionen über die Entwicklung der
Physikalischen Geodäsie. Die akademische Lehre und Weiterbildung nahm er mit großem Engagement wahr, im September 1999 wurde die Geodätische Woche in Hannover hervorragend von ihm organisiert.
Ohne jedes vorherige Anzeichen hat Hans-Georg Wenzel uns dann im November viel zu früh verlassen. Die nationale und internationale Geodäsie, die zahlreichen Kollegen und Freunde werden ihn vermissen, sein herausragendes wissenschaftliches Werk und die vielen persönlichen Erinnerungen aber werden bleiben. Wir trauern mit seiner Frau Marion und der Tochter Christine.
Das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben
oder wie eine 50-jährige Einrichtung den ersten Geburtstag feiern kann.
K. Bram, Hannover
In einem kleinen Festakt entließ am 26. Januar 2000 in Hannover Frau Staatssekretärin Dr. Birgit Grote, Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr, das neu gegründete Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in die Selbständigkeit. Sie erinnerte dabei die Mitarbeiter an die hohen Erwartungen, die an das überregionalen und gesamtstaatlichen Aufgaben verpflichteten neue Forschungsinstitut gestellt werden und wünschte ihnen einen erfolgreichen Beginn. Herr Unterabteilungsleiter Hartmut Schneider, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, verwies seinerseits auf die großen Anstrengungen, die seitens des Bundes für den Fortbestand dieser Einrichtung unternommen wurden, und betonte, dass nun die Voraussetzungen für die weitere angewandte geowissenschaftliche Forschung im Rahmen der Blauen Liste Institute gegeben sei.
Die Bund-Länder-Konferenz für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) hatte aufgrund der Empfehlung des Wissenschaftsrates am 16. November 1998 beschlossen, die damaligen Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben weiterhin als Institut der Blauen Liste zu fördern. Herr Buttkus, zu diesem Zeitpunkt kommissarischer Direktor der Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben, berichtete in den Mitteilungsblättern bereits ausführlich darüber (Buttkus, 1998). Nach Überwindung dieser hohen Hürde setzte eine rege Tätigkeit ein, um die mit dem Beschluß verbundenen Auflagen umzusetzen.
Zum Bedauern der Mitarbeiter der Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben legte Herr Buttkus seine Aktivität als kommissarischer Direktor der Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben am 1. April 1999 nieder, um die Leitung der Abteilung Geophysik, Meeres- und Polarforschung der BGR anzutreten. Als neuer kommissarischer Direktor wurde Herr Prof. Dr. H.-J. Dürbaum bestellt, der sich nicht scheute trotz seines, seit einigen Jahren verdienten Ruhestandes, die nun folgende schwierige und zeitraubende Phase der Umgestaltung der Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben in ein selbständiges, den Kriterien der Blauen Liste entsprechendes Forschungsinstitut auf sich zu nehmen. Zielstrebig und unbeirrt arbeitete er zusammen mit den Verantwortlichen der betroffenen Ministerien, den Kollegen der TU Clausthal, dem NLfB, der BGR und den Geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben an der Realisierung der im Wesentlichen von den Herren Buttkus und Rüdiger Schulz geprägten Vorlagen eines Gesetzes zur Gründung des neuen Instituts, eines Kooperationsabkommen mit der TU Clausthal sowie einer Vereinbarung zur gemeinsamen Berufung eines Professors an der TU Clausthal in Verbindung mit der Leitung des neuen Instituts. Ein Jahr nach der Entscheidung der BLK verabschiedete der Niedersächsische Landtag am 16. Dezember 1999 das sogenannte GGA-Gesetz, das das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA-Institut) auf eine neue rechtliche Grundlage stellt.
Kuratorium und Wissenschaftlicher Beirat des in der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz angesiedelten GGA-Instituts werden die wissenschaftliche Tätigkeit des neuen Instituts kritisch begleiten. Die Einführung von Budgetierung und Kosten-Leistungs-Rechnung bilden die Rahmenbedingungen einer zukünftigen effektiven Kontrolle des auf 8,5 Mio DM geschrumpften jährlichen Stammhaushaltes und des auf 55 Planstellen (25 Wissenschaftler, 30 Technische Angestellte) reduzierten Personalbestandes.
Der Dank der Festredner für das Erreichte galt allen Beteiligten und insbesondere der engagierten Leistung der Mitarbeiter des neuen Instituts, die ihre neuen Aufgaben nun selbstbewußt und zügig angehen können.
Literatur:
Buttkus, B.(1998): GGA bleiben Institut der Blauen Liste. DGG Mittlg. 4/1998, 39-40.
www.dgg-online.de
A. Hördt, Köln
Das Angebot auf den Webseiten der DGG ist in den letzten Monaten um einige Bereiche erweitert worden.
Um die Forschung innerhalb der DGG etwas mehr in den Vordergrund zu stellen, wurde eine Seite mit Links zu Forschungsprojekten eingerichtet. Derzeit ist der Inhalt der Mitteilungen einsehbar, und es ist geplant, demnächst die gesamten Mitteilungen ins Netz zu stellen. Des weiteren stehen Beiträge des DGG - Kolloquiums "Die Magnetik in der Geophysik" zum Herunterladen zur Verfügung.
Die Seite mit Studenteninformationen, wo man u.a. etwas über das alljährliche GAP – Treffen erfahren kann, wird von Steffen Bergler in Karlsruhe verwaltet. Wer neue Mitglieder anwerben möchte, kann Informationen zu Mitgliedsbeiträgen einsehen und sich ein Anmeldeformular heruntergeladen.
Die Web-Adresse der DGG ist jetzt www.dgg-online.de. Die Seiten liegen weiterhin am GfZ in Potsdam und sind auch noch über die alte Adresse www.gfz-potsdam.de/pb2/dgg erreichbar. Die neue Adresse kann man sich leicht merken, was hoffentlich dazu beiträgt, dass die Webseiten zunehmend als Informa-tionsquelle genutzt werden. Selbstverständlich sind Anregungen jeder Art erwünscht, am besten per email an hoerdt@geo.uni-koeln.de
Umfrage zu Informationsquellen und Kriterien für ein Geophysikstudium
A. Hördt, Köln
Einleitung
Die Geophysik in Deutschland erfährt derzeit einen deutlichen Rückgang an Studienanfängern. Ob dies nur ein vorübergehender Trend ist oder länger anhalten wird, ist nicht geklärt. Es ist aber sicher an der Zeit, darüber nachzudenken, ob man aktiv in den Entscheidungsprozess eingreifen kann, zum Beispiel durch gezielte und effiziente Information von Schulabgängern. In einem ersten Schritt wollte ich mir mit Hilfe einer Fragebogenaktion unter Geophysikstudenten vor dem Vordiplom einen Eindruck darüber verschaffen, wie sich Schulabgänger über das Geophysikstudium informieren, und welche Kriterien bei der Entscheidung für ein Geophysikstudium wichtig sind.
Die Fragebögen wurden während des Wintersemesters 1999/2000 an Geophysik-Institute in Deutschland verschickt. Es wurden 48 Fragebögen ausgefüllt zurückgesandt. Obwohl ich mir in etwa die doppelte Zahl erhofft hatte, lassen sich aus den vorhandenen Antworten durchaus Ansatzpunkte für eine gezielte Verbesserung des Informationsangebotes finden.
Ergebnisse
Zunächst sollten die Studenten angeben, welche Informationsquellen zum Geophysikstudium sie benutzt haben. Das Ergebnis ist in Abbildung 1 zusammengefasst. Die Quellen wurden zum Ankreuzen vorgegeben, weitere konnten unter Sonstiges eingetragen werden. Die Blätter zur Berufskunde, welche von der Bundesanstalt für Arbeit herausgegeben werden, sind deutlicher Spitzenreiter, gefolgt von der Studienberatung. Das Internet wird zwar benutzt, spielt aber noch keine herausragende Rolle als Informationsquelle. Bei den Sonstigen wurden persönliche Gespräche mit Studenten, Freunden und Lehrern, sowie die Schule, insbesondere der Erdkundeunterricht am häufigsten genannt.
Die Informationsquellen sollten auch noch dahingehend bewertet werden, wie wertvoll sie für die Entscheidung waren. Dabei konnten für jede Kategorie 0 (wertlos) bis 3 Punkte (sehr wertvoll) gegeben werden. Hier wird die Statistik in den einzelnen Sparten etwas dünn, da jede Quelle nur von einem Teil der 48 Teilnehmer bewertet werden konnte.
Abbildung 2 zeigt die jeweils erreichte Punktzahl in Prozentsatz der maximal erreichbaren Punkte. Dass die Sonstigen hohe Punktzahlen erreichen, war zu erwarten, da die Studenten von sich aus vermutlich überwiegend nützliche Quellen angegeben haben. Ein Tag der offenen Tür wird offenbar ebenfalls als informativ empfunden, wobei in diese Bewertung allerdings nur 13 Antworten einfließen. Innerhalb der einzelnen Kategorien ist die Bewertung durch die Studenten recht unterschiedlich; in allen Sparten außer Sonstige wurden sowohl 0 Punkte, als auch 3 Punkte mindestens einmal vergeben.
Als nächstes sollte beantwortet werden, welche Kriterien bei der Wahl des Studienfaches wichtig sind, wobei wiederum für jedes Kriterium 0 bis 3 Punkte vergeben werden konnten (Abbildung 3).
Die Berufsaussichten sind offenbar weniger wichtig, als man annehmen könnte, immerhin gaben 7 Studenten hier 0 Punkte, davon 5 Studenten im Hauptfach. Ein attraktives und vielseitiges Studium hingegen erhielten durchweg hohe Punktzahlen.
Eine Durchsicht der Einzelantworten zeigt, dass bei den meisten Studenten nicht ein einziges Kriterium entscheidend ist, sondern in der Regel mehrere verschiedene Kriterien eine hohe Bewertung erhalten, d.h. es ist die Summe verschiedener Aspekte, die eine Entscheidung für ein Geophysikstudium ausmacht.
Wiederum waren die Studenten aufgefordert, die jeweiligen Kriterien einzuschätzen, also beispielsweise anzugeben, ob sie die Berufsaussichten nach dem Geophysikstudium für gut halten, oder eher negativ einschätzen. Die Verteilung der Bewertung (Abbildung 4) ähnelt Abbildung 3. Generell werden also die wichtigen Kriterien auch positiv eingeschätzt, was auch so zu erwarten war, da nur Geophysikstudenten befragt wurden. In Einzelfällen gibt es aber durchaus Differenzierungen, in der Form dass z.B. die Berufsaussichten zwar nicht wichtig sind, aber trotzdem positiv eingeschätzt werden.
Schlussfolgerungen
Aus den Fragen zu den Informationsquellen geht klar hervor, dass persönliche
Kontakte und Veranstaltungen, die solche ermöglichen, als sehr hilfreich
empfunden werden. Andere Quellen, insbesondere die Blätter zur Berufskunde,
werden ebenfalls benutzt, aber nicht ganz so positiv eingeschätzt.
Beim Tag der offenen Tür fällt besonders die Diskrepanz zwischen
der positiven Einschätzung und der geringen Nutzung auf, welche vermutlich
auf das geringe Angebot zurückzuführen ist. Daraus ergibt sich
unmittelbar ein Ansatz, um die Information von Schulabgängern zu verbessern:
Das Angebot an offenen Informationsveranstaltungen mit persönlichen
Gesprächen, idealerweise in Verbindung mit Aktivitäten an Schulen,
sollte verstärkt werden.
Bei den Kriterien fallen vor allem die Berufsaussichten ins Auge. Abbildung 3 und 4 lassen sich stark vereinfacht so auslegen, dass relativ wenige Studenten, für die Berufsaussichten wichtig sind, Geophysik studieren. Die Berufs-chancen für Geophysiker wurden auch in den Mitteilungen viel diskutiert, und waren in den letzten Jahren nicht sehr ermutigend. Aus persönlichen Gesprächen habe ich allerdings Hinweise, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren umkehren wird und Geophysiker wieder gesucht werden. Falls sich dies bewahrheitet, sollte dieser Aspekt unbedingt in den entsprechenden Informationsmedien erwähnt werden, um auch diejenigen Studenten zum Geophysikstudium zu bewegen, die die Berufsaussichten als entscheidendes Kriterium in ihre Überlegungen einbeziehen.