Braucht die Gesellschaft eine neue Struktur?

 H. Rüter, Essen, Vorsitzender

Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft ist eine wissenschaftliche Gesellschaft mit einer längjährigen Tradition. Sie entwickelt ihre Aktivitäten auf der Grundlage einer Satzung, die lange Zeit fast unverändert geblieben ist, ergänzt durch einige Ausführungsbestimmungen. Die Gesellschaft wird geführt von einem Vorstand, der aus dem Geschäftsführenden Vorstand und den Beisitzern besteht. Der Geschäftsführende Vorstand hat folgende Mitglieder: Vorsitzender, Stellvertretender Vorsitzender, Designierter Vorsitzender, Schriftführer und Kassenwart. Die Rolle der Beisitzer ist nicht genauer definiert, sie können als eine Art Wissenschaftlicher Beirat gesehen werden, der den Geschäftsführenden Vorstand berät, oder auch spezielle Aufgaben übernehmen und so den Geschäftsführenden Vorstand entlasten.

Der vergleichsweise kleine Geschäftsführende Vorstand braucht die Unterstützung einer größeren Zahl von Mithelfern. Diese müssen zum Teil Spezialkenntnisse haben zur Wahrnehmung besonderer Aufgaben wie z.B. Internet-Auftritt oder Firmenbetreuung. In großen Gesellschaften (AGU oder EAGE) helfen hier professionelle Angestellte der Gesellschaft. Die DGG kann sich derartiges nicht leisten. Sie basiert strikt auf ehrenamtlicher Tätigkeit und dies wird auch in den nächsten Jahren im wesentlichen so bleiben.

Einen Lösungsweg in der geschilderten Problematik sieht der Vorstand in einer geänderten Struktur, also in einem organisierten und definierten Unterbau, der es zulässt, die anfallenden Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen und doch, eben durch die Struktur, ein einheitliches und abgestimmtes, an der Satzung orientiertes Handeln zu gewährleisten. Die Durchsicht der Satzungen und Bestimmungen einer Vielzahl anderer Gesellschaften, verbunden mit ausführlichen Gesprächen im Vorstand, hat zu einem Konzept geführt, dass ich Ihnen im Folgenden vorstellen möchte. Ich darf Sie bitten, diese, sicher noch nicht in allen Punkten ausgefeilte, Darstellung sorgfältig zu lesen und zu prüfen. Meines Erachtens ist eine unvorbereitete Debatte zu diesem Thema auf einer Mitgliederversammlung schwierig und ich möchte die erwünschte und notwendige Diskussion mit den Mitgliedern lieber vorab, sei es mündlich oder schriftlich oder über E-mails, führen. Der Vorstand ist bemüht, alle Anregungen aufzugreifen und ausgewogen umzusetzen. Wir sollten hierzu die Zeit bis zur Frankfurter Tagung im März 2001 nutzen. In Frankfurt bitten wir dann in der Mitgliederversammlung um eine grundsätzliche Zustimmung zur Weiterverfolgung des eingeschlagenen Weges.

Kernpunkt der Neustrukturierung ist der Ersatz der Arbeitskreise durch Komitees bzw. Fachbereiche. Unter dem bisherigen Begriff Arbeitskreis wurden grundsätzlich unterschiedliche Dinge zusammengefasst, so ist beispielsweise der AK `Ehrungen´ dem Charakter nach ein Komitee, der AK `Geodynamik´ ein Fachbereich. Fast alle vergleichbaren Gesellschaften gliedern sich in Komitees (Committees) und Fachbereiche (Technical Divisions). Insgesamt schlagen wir allerdings `in Summe´ eine größere Zahl von Komitees + Fachbereichen vor als wir bisher Arbeitskreise hatten. Auch dies sollte sorgfältig geprüft werden!

Im Nachfolgenden werden Sie bei der Darstellung der Organisationseinheiten Unterschiede in der Ausführlichkeit finden. Dies liegt daran, dass der Definitionsprozess unterschiedlich fortgeschritten ist. Es wird Aufgabe der nächsten Wochen sein, hier einheitlicher zu werden. Zunächst möchte ich Ihnen jedoch die von den Betroffenen gemachten Formulierungen zwar teilweise gekürzt, aber möglichst unbearbeitet weitergeben.

Gleichzeitig mit der Neustrukturierung schlagen wir einige Bezeichnungsänderungen für Organe und Funktionsträger vor, da diese (wie z.B. `Schriftführer´) sehr veraltet erscheinen. Darüber hinaus verlangt die Internationalisierung nach definierten englischen Bezeichnungen.

Vorschläge zu Änderung der Bezeichnungen der Vorstandsmitglieder

 
Alte Bezeichnung (Satzung)
Neue Bezeichnung
Englisch
Geschäftsführender Vorstand
Präsidium
Executive Committee
Vorsitzender
Präsident
President
Stellvertretender Vorsitzender
Vize Präsident
Vice president
Designierter Vorsitzender
Designierter Präsident
Designated president
Schriftführer
Geschäftsführer
Executive manager
Kassenwart
Schatzmeister
Treasurer
Beisitzer
Komiteeleiter 

Fachbereichsleiter

Head of Committee 

Head of Technical Division

 
Bei der Darstellung der Komitees möchte ich zunächst einige generelle Anmerkungen machen und dann die vorgesehenen Komitees im Einzelnen vorstellen.

DGG-Komitees (Generelles)

  •  Die Komitees haben die Aufgabe, den Vorstand bei der Verfolgung der satzungsgemäßen Ziele der Gesellschaft zu unterstützen.
  • Komitees werden vom Vorstand eingerichtet bzw. geschlossen.
  • Die Komitees werden von einem Komiteeleiter geleitet.
  • Der Komiteeleiter ist Vorstandsmitglied. Er hat dort (nach der derzeitigen Satzung) die Funktion eines Beisitzers.
  • Der Komiteeleiter wird von der Mitgliederversammlung als `Beisitzer´ gewählt. Die weiteren Mitglieder des Komitees werden auf Vorschlag des Komiteeleiters vom Geschäftsführenden Vorstand bestätigt.
  • Die Arbeit des Komitees kann finanziell unterstützt werden. Hierzu sind entsprechende Mittel auf Antrag des Komitee-Leiters in das Budget einzuplanen. Über deren Höhe entscheidet der Geschäftsführende Vorstand. Die Mittel werden dann im Einzelfall nach Rücksprache mit dem Schatzmeister durch den Geschäftsführenden Vorstand freigegeben.
  • Der Komiteeleiter berichtet im Vorstand regelmäßig über die Arbeit des Komitees.
  •  
    Fachbereich
    Leiter
    Angewandte Geophysik
    Greinwald
    Umwelt- und Ingenieurgeophysik
    Kirsch
    Hydrogeophysik
    Neugebauer
    Elektromagnetische Tiefenforschung
    Hördt
    Geodynamik
    Marquardt
              Geothermie
              Clauser
     
    Wie Sie sicher beim Lesen bemerkt haben werden, ist die vorgeschlagene Strukturänderung so aufgebaut, dass eine Satzungsänderung nicht notwendig ist. Nach meiner Vorstellung sollten wir die Neustruktur nach einer gründlichen Diskussion einführen und dann einige Zeit leben, wobei sich sicherlich noch einige Änderungen ergeben werden. Wenn wir dann das Gefühl haben, dass die Gesellschaft in der Satzung nicht mehr adäquat abgebildet wird, sollten wir einen Juristen bitten, entsprechende Änderungen vorzuschlagen.

    Ich bitte Sie, diesen Vorschlag einer Neuorganisation ernsthaft zu prüfen und um Ihre Kommentare und weitere Vorschläge schriftlich oder per
    E-Mail (Adresse: rueter@dmt.de) rechtzeitig vor der DGG-Tagung in Frankfurt zu übersenden, so dass wir dann auf der nächsten Mitgliederversammlung einen Schritt weiter kommen.