A. Hördt, B. Tezkan, Köln
Am 11. Januar 2001 wurde das Europäische Gemeinschaftsprojekt NORISC (Network Oriented Risk-assessment by In-situ Screening of Contaminated sites) im Rahmen des Programmes Energy, Environment and Sustainable Development (EESD) der Europäischen Kommission gestartet. In dem Projekt soll eine interdisziplinäre Verfahrensweise entwickelt werden, um aufgegebene Industriestandorte und kontaminierte Flächen schneller und kostengünstiger zu bewerten zu können, als dies bisher möglich ist.
Die Initiative für das Projekt ging von der Abteilung Boden und Grundwasserschutz des Umweltamtes der Stadt Köln aus, welches sich mit einem immer wiederkehrenden Problem auseinanderzusetzen hat. Eine Behörde muss in der Regel für jede wissenschaftliche Untersuchung einer kontaminierten Fläche eine andere Firma beauftragen. Rammkernsondierungen, geochemische Laboruntersuchungen und geophysikalische Messungen werden unabhängig und zeitlich nacheinander durchgeführt und müssen vom Auftraggeber selbst bewertet werden. Dieser Prozess kann sich bis zu zwei Jahre in die Länge ziehen und hohe Kosten verursachen, u.a. auch deshalb, weil in der Behörde nicht genügend Hintergrundwissen vorhanden ist, um die Ergebnisse verschiedener Disziplinen zu integrieren.
Im Rahmen des Projektes soll eine interdisziplinäre Methodik entwickelt werden, um den Prozess zu beschleunigen und, im Idealfall, die ganze Bewertung aus einer Hand zu ermöglichen. Hierzu werden zunächst die zur Verfügung stehenden Methoden aus Geophysik, Geochemie, Biologie, Geologie und Geostatistik erfasst und beschrieben. Gleichzeitig werden kontaminierte Flächen aufgrund von typischen Beispielen möglichst umfassend dargestellt. Für jede Problemstellung wird definiert, welche Kombination von Methoden die bestmögliche Bewertung liefert. Die Methodik wird anhand einiger Beispielflächen getestet und ggf. modifiziert.
An dem Projekt, das auf 2 1/2 Jahre angelegt ist, sind insgesamt 11 Partner aus Deutschland, Schweden, Ungarn, Griechenland und Italien beteiligt. Universitäten, geologische Ämter und Ingenieurbüros arbeiten mit Umweltämtern und Stadtplanern zusammen, um möglichst viele Aspekte der Problematik zu behandeln.Das Projekt NORISC ist bereits auf großes Interesse gestoßen. So wurde NORISC als eines von wenigen Projekten zur formalen Vorstellung beim BMBF ausgewählt. Die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren hat ihr Interesse an NORISC bekundet und ihre Unterstützung zugesagt.
Die Geophysik ist neben der Universität zu Köln noch durch
die Universität und das Institute of Geology and Mineral Exploration
(IGME), Thessaloniki, vertreten. Sicher ist das Projekt eine große
Herausforderung, aber auch eine Chance für uns Geophysiker, gilt es
doch, die Geophysik entsprechend ihren Möglichkeiten in einer interdisziplinären
Methodik zu etablieren, ohne unrealistische Erwartungen zu wecken. Wir
sind daher offen für jede Form von Zusammearbeit, Ratschlägen
und Ideen, die zum Gelingen des Projektes beitragen könnten.