NACHRICHTEN AUS DER GESELLSCHAFT

Einladung zur Mitgliederversammlung

In memoriam Professor Dr. Horst Dürschner

In memoriam Prof. em. Dr. Gottfried Porstendorfer

"G.W. Hohmann Award for Excellence in Applied Electrical Geophysics" an Prof. Ulrich Schmucker

Alexander v. Humboldt Forschungspreisträger Prof. Dr. Yury Kravtsov als Gastwissenschaftler der Fachrichtung Geophysik der Freien Universität Berlin

34. Herbsttagung des Arbeitskreises Geodäsie/Geophysik vom 29.10. bis 01.11.2001 in Neustadt/Weinstr.

FKPE Arbeitskreis „Bohrlochgeophysik und Gesteinsphysik"


Einladung zur Mitgliederversammlung

 

W. Webers, Potsdam


Im Namen des Vorstandes der DGG lade ich alle Mitglieder unserer Gesellschaft zur Mitgliederversammlung ein, die am Donnerstag, 07. März 2002, in der Zeit von 17.30 - 20.00 Uhr im Auditorium Maximum der Universität Hannover stattfinden wird.


Tagesordnung:

 

1.         Begrüßung, Feststellung der fristgerechten Einberufung und der Beschlussfähigkeit

            2.         Genehmigung der Tagesordnung

            3.         Genehmigung des Protokolls der Mitgliederversammlung am 22. März 2001 in Frankfurt/M.

            4.         Bericht des Präsidenten

            5.         Bericht des Geschäftsführers

            6.         Bericht des Schatzmeisters

            7.         Bericht des Kassenprüfers und Entlastung des Schatzmeisters

            8.         Bericht der deutschen Herausgeber des GJI

            9.         Bericht der Redaktion der DGG-Mitteilungen

            10.       Kurzberichte der Vorsitzenden/Sprecher der DGG-Komitees und Arbeitskreise

 

Komitee           Publikationen                AK      Angewandte Geophysik

Öffentlichkeitsarbeit                 Umwelt- und Ingenieurgeophysik

Internet                                   Hydrogeophysik

Jahrestagungen                        Elektromagnetische Erkundung

                        Ehrungen                                 Geodynamik des Erdinnern

                        Mitglieder                                Geothermie

                        Firmen                                     Numerische Seismologie

                        Studenten                                Geschichte der Geophysik

                        Frauen

                        Studienfragen

                        Kooperationen

           

            11.       Aussprache einschließlich Anträge

            12.       Entlastung des Vorstandes

            13.       Wahlen (Geschäftsführer, 2 Beisitzer)  

            14.       Bestätigung des neuen Vorstandes

            15.       Wahl der Kassenprüfer

            16.       Verschiedenes


 


In memoriam Professor Dr. Horst Dürschner

 

B. Buttkus, Hannover

 


Die DGG trauert um ihr langjähriges und engagiertes Mitglied Professor Dr. Horst Dürschner, der am 27.7.2001 im Alter von 78 Jahren in Hannover nach mehrmonatiger schwerer Krankheit verstarb.

Professor Dürschner hat sich insbesondere während seiner beruflichen Tätigkeit besondere Verdienste für die Explorations-geophysik in Deutschland erworben. Wer ihn näher kennengelernt hat weiss, dass er die Arbeit als Geophysiker liebte und stets an neuen Entwicklungen in der Explorations-geophysik - und hier speziell in der Seismik - interessiert war, die ihn magisch anzogen, mit denen er sich beschäftigte und sich bemühte, seinen Beitrag zu leisten, um sie in die Anwendung zu bringen.


Hervorzuheben sind

-           seine recht frühen Untersuchungen aus den 50er Jahren über die Berechnung synthetischer Seismogramme aus Bohrloch-Geschwindigkeitslogs,

-           seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der 3D-Seismik und deren Einführung in die Kohlenwasserstoffexploration und

-           seine Untersuchungen zur seismischen Erkundung in Bohrungen.


Neben diesen methodischen Untersuchungen interessierte Prof. Dürschner vor allem die Erkundung neuer Zielgebiete für die Kohlenwasserstoff-Exploration in Deutschland. Ich erinnere an seine Arbeiten zur geohysikalischen Erforschung des Präzechsteins in NW-Deutschland. Aufgrund seines Wissens und seiner Industrie-Erfahrungen war Prof. Dürschner insbesondere für Forschungsinstitutionen bei der Durchführung industrienaher Forschungsprojekte ein wichtiger Partner, wie z.B. bei der Planung der KTB-3D-Seismik, zu der er stets hinzugezogen wurde und seine Industrieerfahrung einbrachte.


Herr Dürschner fiel mir bei unseren ersten gemeinsamen Arbeiten dadurch auf, dass er es verstand, relativ komplizierte Prozesse auf den Kern zurückzuführen und mit einfachen Methoden verständlich zu machen. Ich habe noch immer das von ihm gewählte Analogon aus der Optik zur Erklärung der Reflexionsseismik vor Augen, das Gemälde „Dame mit Kerze und Spiegel“ von Georges de Latour, der während des 30-jährigen Krieges in Lothringen lebte, auf dem eine Frau eine brennende Kerze im Spiegel betrachtet. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich seine pädagogischen Fähigkeiten. Seine Würzburger Studenten, die er bis vor zwei Jahren ausgebildet hat, werden bestätigen, dass Prof. Dürschner ein hervorragender Hochschullehrer gewesen ist.


Ich denke, für Prof. Dürschner war die DGG eine wichtige Einrichtung; er hat regelmäßig auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben die Jahrestagungen der DGG besucht, so auch noch im März dieses Jahres die Frankfurter Tagung, Fach- und Übersichtsvorträge gehalten, in den Mitteilungsblättern der Gesellschaft publiziert und an den Mitgliederversammlungen teilgenommen. Gerade die Jahrestagungen waren für ihn wichtig, einerseits um fachliche Anregungen zu erhalten und weiterzugeben, andererseits um Fachkollegen und Freunde zu treffen.

Im nächsten Jahr hätte die DGG mit ihm ein besonderes Jubiläum begehen können, seine 50-jährige Mitgliedschaft in der DGG.


Ohne Kenntnis seines schlechten Gesundheitszustandes hat der Vorstand der DGG auf seiner  Sitzung am 29.06.2001 beschlossen, Professor Horst Dürschner auf der nächsten Jahrestagung der DGG im März 2002 in Hannover für seine Verdienste um die Explorationsgeophysik mit der Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft auszuzeichnen. Der Vorstand wird an diesem Beschluss festhalten und die Auszeichnung posthum vornehmen.


Viele Kollegen meiner Generation, die Herrn Dürschner näher kennengelernt haben, werden sagen, dass wir nicht nur einen engagierten Geophysiker verloren haben, der für die Geophysik voll aufgegangen ist, sondern auch und vor allem einen väterlichen Freund, an den wir uns gerne erinnern werden.



In memoriam Prof. em. Dr. Gottfried Porstendorfer

 

Chr. Oelsner, Freiberg

 


Am 5.11.2001 verstarb nach schwerer Krankheit Prof.em. Dr. Gottfried Porstendorfer 18 Tage vor seinem 72. Geburtstag. Für seine Familie, seine Freunde und Kollegen völlig unerwartet hat die Krankheit, die ihn vor 13 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand gezwängt hatte, doch noch über seine Vitalität, Aktivität und Lebensfreude gesiegt.






Die deutsche Geophysik verliert mit Prof. Dr. Porstendorfer eine wissenschaftlich außerordentlich kreative und produktive Persönlichkeit, die maßgeblich zur Entwicklung von Tellurik und Magnetotellurik beigetragen hat.


Um die Entwicklung der TU Bergakademie Freiberg, insbesondere der angewandten Geophysik hat sich Prof. Porstendorfer als Hochschullehrer verdient gemacht. Dazu haben seine national und international beachteten Publikationen und Vorträge maßgeblich beigetragen und Freiberg über Sachsens Grenzen hinaus in der damals noch geteilten östlichen und westlichen Welt bekannt gemacht. Darüber hinaus ist es die Qualität und die einprägsame Art seiner Vorlesungen sowie seine Offenheit gewesen, die Freiberg für Studenten attraktiv gemacht hat.


Gottfried Porstendorfer wurde am 23.11.1929 in Chemnitz geboren. Dort besuchte er auch die Grund- und Oberschule. Nach dem 1948 abgelegten Abitur entschloß er sich für das Geophysikstudium an der Universität Leipzig. Zur Vorbereitung arbeitete Gottfried Porstendorfer als Praktikant zunächst ¼ Jahr im Steinkohlenwerk „Deutschland“ in Oelsnitz, die restliche Zeit bis zum Studienbeginn 1949 an den geophysikalischen Observatorien auf dem Collmber bei Oschatz sowie in Niemegk.


Besonders die Praktikantenzeit am geomagnetischen Observatorium Niemegk hat ihn offensichtlich gut für seinen späteren wissenschaftlichen Lebensweg vorbereitet.

1949 begann er das Geophysikstudium an der Universität Leipzig, wechselte nach dem Vordiplom 1951 nach Freiberg, wo er 1954 das Diplom ablegte. Die Diplomarbeit „Tellurik, Grundlagen und Anwendungen“ wurde 1954 als eines der ersten Freiberger Forschungshefte geophysikalischen Inhalts publiziert. Die Arbeit erschien ohne Lizenzvergabe in chinesischer Sprache später in Peking.


Nach dem Diplom war er bis August 1956 beim damaligen VEB Geophysik als Truppwissenschaftler und Truppleiter eines seismischen Meßtrupps in Mecklenburg tätig. Anschließend holte ihn sein akademischer Lehrer, Prof. Dr. O. Meißer, an das Institut für Angewandte Geophysik der Bergakademie Freiberg zurück. Er konnte in der Forschung die Arbeiten auf dem Gebiet der „Tellurik“ fortsetzen. 1960 erfolgte die Promotion zum Dr. rer. nat. mit der Arbeit „Tellurik – Grundlagen, Meßtechnik und neue Einsatzmöglichkeiten“.


In den Folgejahren führte er diese Arbeiten fort, jedoch bei der „Arbeitsstelle für Praktische Geophysik der Akademie der Wissenschaften der DDR“. In dieser von Meißer initiierten und geleiteten Forschungseinrichtung herrschten gute Bedingungen, um ausgezeichnete wissenschaftliche Leistungen zu erzielen.


Sehr ideenreich erfüllte Gottfried  Porstendorfer auch dort die gestellte Aufgabe „Weiterentwicklung der Tellurik zur "Magneto-Tellurik". Die Theorie war zwar von CAGNIARD schon 1953 in ihren Grundzügen veröffentlicht worden, jedoch fehlte noch die Ausgestaltung zur Prospektionsmethode, die unter den damaligen Prämissen vor allem der Erdöl/Erdgas-Erkundung dienen sollte. Mit den bis 1964 erzielten Ergebnissen habilitierte sich G. Porstendorfer für das Gebiet der Tellurik zur „Magneto-Tellurik“ Die Theorie war von CAGNIARD schon 1953 in der Angewandten Geophysik mit dem Thema „Apparative und methodische Entwicklung magnetotellurischer Verfahren mit Anwendung auf die Tiefenerkundung im Bereich der Norddeutschen Leitfähigkeitsanomalie“ entwickelt worden. Hauptergebnis war die Entdeckung der „Norddeutschen Leitfähigkeitsanomalie“, eine Untergrundstruktur, die ihn auch später weiter beschäftigte.


Bereits mit den bis 1964 publizierten Arbeiten schuf Gottfried Porstendorfer mit seinen Doktoranden und Diplomanden die Grundlagen für die „Freiberger Tellurik/ Magnetotellurikschule“, die bis zum Ende der 90-er Jahre eine tragende Säule der „Freiberger Geophysik“ darstellte. Das internationale Echo auf diese Arbeiten war sehr beachtlich.


Auf die Habilitation folgte als neue Herausforderung 1965 die Organisation und Durchführung einer Meßexpedition nach Sansibar/Tansania. Bemerkenswerteste Ergebnisse waren die Entdeckung einer Leitfähigkeitsanomalie am Übergangsbereich zwischen Afrikanischem Kontinent und Indischem Ozean sowie erstmals realisierte seetellurische Versuchsmessungen.


Nach seiner Rückkehr wurde Gottfried Porstendorfer am 01.06.1965 zum nebenamtlichen Dozenten für Angewandte Geophysik berufen. Damit war der Raum geöffnet, dem er wesentliche Teile seines Lebens widmen sollte. Schnell wurde offensichtlich, daß er ausgezeichnete Vorlesungen hielt. Auf Vorschlag von O. Meißer wurde er, obwohl nicht Mitglied der SED, am 01.09.1966 zum Professor mit Lehrauftrag und am 01.09.1968 zum Ordentlichen Professor für das Gebiet Angewandte Geophysik berufen.


In der Lehre übernahm er im Hauptfach die Vorlesungen zur Geoelektrik und Seismik sowie im Nebenfach die Einführung in die Angewandte Geophysik für Geologen und Mineralogen. Seine Forschungsarbeiten betrafen verschiedene Aspekte der Magnetotellurik, wobei die gutleitenden Zonen beliebtestes Untersuchungsgebiet blieben. Einen wesentlichen Markstein setzte er sich mit der Monographie „Principles of magneto-telluric prospecting“, die 1975 in der Reihe 1 der Geoexploration-Monographs bei Geopublication Associates erschien.


Dank seiner Kompetenz, seines Optimismus und steten Freundlichkeit war Prof. Porstendorfer ein gesuchter Partner, was ihn zu zahlreichen, z. T. mehrmonatigen Vorlesungs-, Studien- und Tagungsreisen in die damaligen sozialistischen Länder UdSSR, CSSR, Ungarn, Polen und Kuba führte, jedoch auch nach Dänemark, Österreich, Frankreich, Italien und Japan sowie nach Westdeutschland.


Er setzte seine Fähigkeiten auch im Management für die Bergakademie ein. Von 1968- 1984 wirkte er in der Leitung der damaligen Sektion Geowissenschaften mit, wobei er sich vor allem um die Integration der Geowissenschaften bemühte. Außerdem war er in verschiedenen Gremien und Beiräten tätig.


Am 1.5.1990 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig emeritiert, konnte jedoch von 1991-1993 an der Konsolidierung des Studienganges Geophysik durch Übernahme verschiedener Vorlesungen seines Fachgebietes und als Konsultant teilnehmen. 1994 wurde er als Vertreter der TU Bergakademie vom Staatsminister für Wissenschaft und Kunst zum Mitglied des Kuratoriums der Universität berufen. Die Amtsperiode endete April 1999. Seine wissenschaftliche Arbeit und die Verbindung zum Institut führte er bis zum Ausbruch seiner Krankheit fort.


Für seine Arbeiten wurde er an der Bergakademie mit mehreren Wissenschaftspreisen, der Ehrennadel und der Humboldt Medaille geehrt. Seine Publikationsliste umfaßt 213 Titel darunter 6 Bücher und Monographien.


Mit seiner Frau Evamarie, Tochter Sabine und Enkel Tobias trauern alle seine Freunde, Kollegen und Schüler um einen Menschen mit hoher Ausstrahlungskraft, Vorbildwirkung, Güte, Freundlichkeit und Optimismus. Wir werden ihn nicht vergessen.



"G.W. Hohmann Award for Excellence in Applied Electrical  Geophysics" an Prof. Ulrich Schmucker

 

A. Junge, Frankfurt am Main


Anläßlich des 19. Kolloquiums „Elektromagnetische Tiefenforschung“ auf der Burg Ludwigstein südlich von Göttingen wurde der „G.W. Hohmann Award for Excellence in Applied Electrical Geophysics“ an Prof. Ulrich Schmucker von Prof. Phil Wannamaker im Namen des „Gerald W Hohmann Memorial Trust for Teaching and Research in Applied Electrical Geophysics“ verliehen.

 

Bevor die Laudatio in Auszügen im Originaltext zitiert wird, seien einige Worte zum oben genannten Trust erlaubt:

Jerry Hohmann war bis zu seinem tragischen Tod im Mai 1992 Professor für „Electromagnetic Geophysics“ an der Universität von Utah, USA. Zur Erinnerung an seine außergewöhnlichen Leistungen in Forschung und Lehre wurde noch im selben Jahr die o.g. Stiftung von Stan Ward und Phil Wannamaker gegründet. Mit Unterstützung der Stiftung wurden bereits zwei Internationale Symposien zur 3D-Elektromagnetik veranstaltet. Neben der Vergabe von jährlichen internationalen Stipendien an Studenten wird, ebenfalls jährlich, der o.g. Preis an einen in der Elektromagnetik verdienten Geophysiker verliehen. In den letzten Jahren erhielten den Preis Misac Nabighian, David Alumbaugh, Doug Oldenburg / Yaoguo Li, Stanley Ward.

In diesem Jahr ging der Preis an Herrn Schmucker für seine außergewöhnlichen Leistungen als (nicht nur) akademischer Lehrer, dank derer viele seiner ehemaligen Studenten der Geophysik treu geblieben sind.

 

Im Folgenden nun Auszüge aus der Laudatio von Phil Wannamaker:

„The definition of the expected qualities of the recipient of the 2001 G. W. Hohmann Award for outstanding educator appears to be conceived with Ulrich Schmucker in mind. He has inspired and encouraged the EM community for more than four decades with his views and visions. He is an extremely successful teacher who conveyed his enthusiasm to his students and implanted in them a vigorous seed that developed from a carefully nursed plant to a strong independent tree.

Ulrich Schmucker’s original ideas, his strong personality, and his attitude as a creative scientist had enormous influence on the German as well as the international EM community. His students profited from his vast knowledge, his enthusiasm and his almost endless patience, and – thanks to the solid basics in EM they were taught by him - have had the chance to continue in this field as senior scientists at many Universities all over the world.“

 


Alexander v. Humboldt Forschungspreisträger Prof. Dr. Yury Kravtsov als Gastwissenschaftler der Fachrichtung Geophysik der Freien Universität Berlin

 

T. Müller und S. Shapiro, Berlin

 

Im April 2001 wurde der Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung an Prof. Dr. Yuri Kravtsov für seine bedeutenden Beiträge zur Theorie der Wellenausbreitung in heterogenen Strukturen und richtungsweisenden Forschungsarbeiten im Bereich der statistischen Radiophysik und Akustik vergeben. Der Aufenthalt von Prof. Kravtsov von Oktober bis Dezember 2001 als Gastwissenschaftler bei der Fachrichtung Geophysik an der FU Berlin ermöglicht seine theoretischen Methoden aus den Bereichen der geometrischen Optik in inhomogenen Medien nun auch in die Disziplinen der seismischen Exploration von Öl-, Gas- und Erdbebenseismologie einzubringen.

 

Prof. Kravtsov ist seit vielen Jahren ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der klassischen Wellenausbreitung. Sein unerschöpflicher Ideenreichtum und enorme Interessensvielfalt zeichnen ihn im besonderen Maße aus. Prof. Kravtsovs fundamentale Beiträge zur Theorie der Wellenausbreitung in inhomogenen Medien haben erheblichen Einfluss auf die Forschung in physikalischen Teilgebieten wie Optik, Akustik, Radiophysik und Astrophysik genommen. Seine theoretischen Methoden finden Anwendung in der Fernerkundung und Umweltdiagnostik. So wurde zum Beispiel seine Theorie zur Windgeschwindigkeitsabschätzung in der Nähe der Ozeanoberfläche mit Hilfe der Raumstation MIR technisch verwirklicht. Selbst in der Herzmedizin werden seine Methoden zur Charakterisierung nichtlinearer, dynamischer Systeme eingesetzt. Eine Methode zur Approximation von Wellenfeldern in der Nähe von Kaustiken trägt sogar seinen Namen: Die Kravtsov-Ludwig Methode.

 

Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 300 Artikel und Monographien, die in der internationalen physikalischen und geowissenschaftlichen Literatur außerordentlich häufig zitiert werden. Prof. Kravtsov erhielt bereits 1990 den Staatspreis der Sowjetunion, der als einer der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der damaligen UdSSR galt. In den Jahren 1994 - 1998 war Prof. Kravtsov Träger der hochangesehenen Soros-Professur in Moskau. Er ist Professor am Fachbereich Physik der Staatlichen Pädagogischen Universität in Moskau und außerdem Leiter der Abteilung Fernerkundung am Weltraumforschungsinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau). Prof. Kravtsov nimmt zur Zeit eine Gastprofessur des Instituts für Physik der Maritimen Universität Stettin (Polen) wahr.

 

Während seines Aufenthaltes an der Freien Universität Berlin forscht Prof. Kravtsov an der Umsetzung seiner theoretischen Methoden der Wellenausbreitung in statistisch heterogenen Medien, um damit Problemstellungen der seismischen Wellenausbreitung in der Erdkruste zu begegnen. Im Rahmen des Arbeitsgruppenseminars Seismik/Seismologie von Prof. Dr. Shapiro wird Prof. Kravtsov ebenfalls Vorträge zu speziellen Aspekten der Theorie der geometrischen Optik geben.


 


34. Herbsttagung des Arbeitskreises Geodäsie/Geophysik vom 29.10. bis 01.11.2001 in Neustadt/Weinstr.

 

H. -J. Kümpel, Hannover

 


Das diesjährige Treffen des Arbeitskreises Geodäsie/Geophysik fand im Herz-Jesu Kloster in Neustadt/Weinstr. statt, einem Ort, der vielen von anderen Workshops oder Kolloquien her bekannt ist. 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich diesmal; die Anzahl der Beiträge betrug 23 (s.u.). Wie es dem Charakter des Arbeitskreises entspricht, nutzten die Anwesenden die Tagung zu intensiven fachlichen Diskussionen, auch außerhalb der durch Vorträge abgedeckten Themen. Gelegenheit, sich die Füße zu vertreten, gab es bei einer Wanderung zum Hambacher Schloß. Dank für die Vorbereitung des Treffens und die lokale Organisation gebührt Herrn Dr. Malte Westerhaus und Frau Bettina Snitil vom Geodätischen Institut der Universität Karlsruhe.

 

Liste der Beiträge (Vortragende mit *):

 

- Th. Klügel: Fertigstellung des Großringlasers auf der Fundamentalstation Wettzell.

- D. Kracke*, R. Heinrich: Seismische Energiefreisetzung und seismische Gefährdung in Ostthüringen und angrenzenden Gebieten.

- C. Gerstenecker*, U. Dogan: Estimation of postseismic displacements of the Izmit earthquake using robust and classical Kalman filters.

- M. Harnisch*, G. Harnisch, R. Falk, I. Nowak, B. Richter, P. Wolf: Neues zur Eichung von Supraleitgravimetern.

- C. Kroner: Neues vom supraleitenden Gravimeter aus Moxa.

- K. Fischer: FEM-Modelle des Geodynamischen Observatoriums Moxa.

- A. Walther*, Th. Jahr, C. Kroner: Registrierung mit dem Laserstrainmeter in Moxa.

- W. Zürn*, U. Neumann: Modelle für Luftdruckeffekte in Seismogrammen.

- J. Exß*, W. Zürn: Luftdruckseismogramme für Horizontalseismometer.

- B. Bayer*, W. Zürn, R. Widmer-Schnidrig: Das 3.86 mHz Signal vom 10. Juni 1991.

- V. Buhl, C. Gerstenecker*: Bestimmung kurzperiodischer Schwereänderungen bei Erdgezeitenmessungen mithilfe von GPS-Beobachtungen.

- B. Snitil: Zur Gewinnung von zeitlichen Änderungen des Erdschwerepotentials aus Schwere- und GPS-Messungen.

- H.-J. Kümpel: Das GGA-Institut im GEOZENTRUM Hannover - Struktur, Aufgaben und aktuelle Forschungsinhalte.

- B. Snitil: Warum ist es nachts dunkel?

- A. Setiawan: Linear inversion problem of vertical gravity changes using modified vertical cylinder models.

- I. Suyanto: Calculation of the gravitational terrain effect around Merapi and Merbabu , Indonesia .

- A. Sunantyo: On the computation of a local geoid around Merapi and Merbabu , Indonesia .

- G. Läufer*, C. Gerstenecker: Unwrapping-Verfahren für INSAR.

- M. Fabian*, H.-J. Kümpel: Neigungsmessungen am Geodätischen Observatorium Ny-Alesund, 79 ° N.

- R. Wang*, H.-J. Kümpel: Poroelasticity: Axisymmetric solutions for the uniform and the layered half-space.

- Th. Jahr*, G. Jentzsch, M. Sauter: Hochauflösende Neigungsmessungen für die Pump- und Injektionstests an der KTB: ein Projektvorschlag.

- M. Münch: Saisonale Schwereänderungen in der Niederrheinischen Bucht und mögliche Ursachen.

- R. Widmer-Schnidrig: Eigenschwingungen der Erde - Analyse von kurzwelligen Obertönen.

 

Die 35. Herbsttagung des Arbeitskreises wird im GEO-Zentrum an der KTB, Windisch-

Eschenbach, stattfinden, und zwar vom 30.10. – 02.11.2002. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen; ganz besonders auch Studierende mit einer Arbeitsrichtung auf dem sehr weiten Grenzgebiet zwischen Geodäsie, Geophysik und Geodynamik. Anmeldungen werden bis 15.09.2002 erbeten an Prof. Dr. C. Gerstenecker, Institut für Physikalische Geodäsie der Universität Darmstadt, Fax: 06151-164916, E-mail < gerstenecker@geod.tu-darmstadt.de > oder demnächst per web unter   http://www.geo.uni-jena.de/akgg .


 

FKPE Arbeitskreis „Bohrlochgeophysik und Gesteinsphysik“

 

Christian Bücker, Hamburg

 

Vom 25. bis 26. Oktober 2001 fand im GeoZentrum Hannover der inzwischen 6. Workshop des FKPE Arbeitskreises „Bohrlochgeophysik und Gesteinsphysik” statt. Mehr als 50 Teilnehmer aus Deutschland, den Niederlanden und aus Frankreich beteiligten sich an diesem Arbeitsreffen, das in seinen Schwerpunkten einmalig in Deutschland ist. Die zwei Tage waren gefüllt mit insgesamt 24 höchst interessanten Vorträgen, und der inzwischen schon traditionelle gemeinsame Abend im Kaminzimmer des CORVARA wurde intensiv als Forum für einen regen Erfahrungs- und Meinungsaustausch genutzt. Unterstützt wurde das Treffen durch grosszügige Spenden der Firma Antares (Bremen) sowie durch die RWE-DEA AG (Hamburg), und das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben stand bei der Durchführung der Veranstaltung tatkräftig zur Seite. Am Ende des zweiten Tages konnte schnell Übereinkunft erzielt werden, die gehaltenen Vorträge wieder in Kurzform in einem Sonderband der DGG-Mitteilungen zu veröffentlichen. Dieser Sonderband wird Anfang nächsten Jahres erscheinen. Für alle Interessenten ist bereits hier eine Liste der Vorträge abgedruckt.


An dieser Stelle sei noch einmal ganz herzlich allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, gedankt. Die durchweg positive Resonanz ist Basis für den nächsten Workshop, der voraussichtlich im Frühjahr 2003 stattfinden wird.

 

Christian Bücker

(Sprecher des FKPE Arbeitskreises „Bohrlochgeophysik und Gesteinsphysik“)

Email: Christian.Buecker@rwedea.de

 

Vorträge, gehalten auf dem 6. Workshop des FKPE Arbeitskreises „Bohrlochgeophysik und Gesteinsphysik“ im GeoZentrum Hannover:

 

·         R. Pechnig, A. Buysch (RWTH Aachen), U. Harms (GFZ Potsdam) & J. Wohlenberg (Burgwedel): Die vulkanische Entwicklung des Mauna Kea, abgeleitet aus Bohrlochmessungen aus der HSDP2 Bohrung, Hilo Hawaii.

·         E. Steveling, J. Stoll, M. Leven (Uni Göttingen): Mit Bohrlochmessungen bestimmte magnetische Signaturen von HSDP-Lavaflows.

·         C. Vahle (Uni Heidelberg): Suszeptibilitätsmessungen an subaerischen und submarinen Einheiten der HSDP-2 Bohrung, Hawaii.

·         M. Woyde, C. Pretzschner & H. Lindner (TU Freiberg): Gashydrat-Sättigung am ODP-Site 994D, Leg 164.

·         C. Rigollet & R.J. de Meijer (KVI, NL): PHAROS: A Pluri-detector, High-resolution Analyser of Radiometric Properties of Soil.

·         S. Mayr (TU Berlin): Ultraschallmessungen zur Untersuchung der Veränderung der Mikrostruktur von Sandsteinen bei hydrostatischen Druckbedingungen.

·         G. Buntebarth (Clausthal): Volumenvergrößerung von Sedimentgesteinen bei Wassersättigung.

·         U. Trautwein & E. Huenges (GFZ Potsdam): Gekoppelte petrophysikalisch-mechanische Laborexperimente zur porendruckabhängigen Permeabilitätsentwicklung im deviatorischen Spannungsfeld.

·         J. Just (Uni Heidelberg): Bohrtechnisch induzierte Remanenz (DIRM) in Bohrkernen der EPS-1 Bohrung (Soultz-sous-Forêts/Frankreich).

·         E. Hurtig, S. Großwig, K. Kühn (GESO Teltow) & F. Rudolph (Ruhrgas AG): Faseroptische Temperaturmessungen in unterirdischen Gasspeichern.

·         A. Lashin & H. Lindner (TU Freiberg): Hydrocarbon Potential and Source Rocks Recognition in the Area North of October Field, Gulf of Suez-Egypt.

·         G. Buntebarth (Clausthal): Temperatur- und Wasserspiegelvariationen bei stationären Messungen im Bohrloch

·         S. Hurter, A. Saadat, J. Kück & E. Huenges (GFZ Potsdam): Bohrung Groß Schönebeck 3/90+: Bohrlochmessungen im In-Situ Geothermielabor im Norddeutschen Becken.

·         T. Wonik (GGA Hannover) & C. Bücker (RWE-DEA Hamburg): Physikalische Eigenschaften einer tertiären Maarfüllung - Ergebnisse von Bohrlochmessungen in den Forschungsbohrungen Baruth (Sachsen)

·         S. Hunze (GGA Hannover),   C. Bücker (RWE-DEA Hamburg),  W. Brückmann (GEOMAR Kiel) & T. Wonik (GGA Hannover): Einsatz von LWD Bohrlochmessungen in instabilen Zonen am Beispiel der Akkretionskeile von Nankai und Barbados.

·         M. Brudy (GeomI Mainz): Voraussage der Bohrlochstabilität während des Bohrens und der Produktion.

·         A. Just,  Ch. Flechsig, F. Jacobs (Uni Leipzig) & R. Endler (IOW Warnemünde): Eine Elektrische In-Situ Apparatur (ELISA) zur Bestimmung der räumlichen Verteilung des spezifischen elektrischen Widerstandes in weichen marinen Sedimenten.

·         J. Stoll, M. Leven & E. Steveling (Uni Göttingen): Reorientierung bohrlochmagnetischer Messungen mit Hilfe eines faseroptischen Kreisels.

·         H. Pape (RWTH Aachen): Untersuchungen zur Porenraumstruktur an Anhydrit-zementierten Sandsteinen aus geothermischen Aquiferen.

·         G. Zimmermann (TU Braunschweig): Skalenvarianz hydraulischer und struktureller Parameter geklüfteter Gesteine.

·         C. Pretzschner (TU Freiberg): Interpretation von Scherwellenlogs.

·         P.H.G.M. Hendriks , M. Maucec & R.J. de Meijer (KVI, NL): Calculation of Borehole Correction Factors for Natural Gamma Ray Spectra using Monte Carlo Methods.

·         P. Pézard (CNRS Montpellier): New slimline logging tools developments in the context of the EC ALIANCE program.

V. van Hoegaerden (TNO-NITG, NL): New developments on shallow borehole geophysics in the Netherlands .