Wolfgang R. Jacoby zum 65. Geburtstag - ein paar persönliche

Gedanken

 

Gabriele Marquart und Harro Schmeling, Frankfurt/M


Am 3. Dezember 2001 wurde unser akademischer Lehrer, Mentor und guter Freund Wolfgang R. Jacoby, Professor für Geophysik an der Universität Mainz, 65 Jahre. Wir denken, das ist ein guter Anlass, ein wenig in der geophysikalischen Erinnerungskiste zu stöbern.

 

 

Wir, lieber Wolfgang, gehörten wohl damals, Anfang der siebziger Jahre, mit zu Deinen ersten Studenten in Frankfurt. Du warst gerade dem kalten kanadischen Klima in Ottawa entkommen und als Professor für angewandte Geophysik an das Frankfurter Institut berufen worden. Die Theorie der Plattentektonik war noch neu und die Geophysik war aufregend und spannend. Du warst damals einer der ersten, der sich mit den Antriebskräften, die auf die Lithosphärenplatte wirken, beschäftigte und sich damit auch international einen Namen machte. Neben theoretischen Überlegung, gingst Du diese Frage jedoch auch mit praktischen Methoden an, schließlich warst Du ja ein "Angewandter". Mit uns als HiWis versuchtest Du, mit Paraffin Lithosphärenplatten zu simulieren. In einem großem Tank wurde das Paraffin von unten geheizt und aufgeschmolzen und durch einen Ventilator von oben gekühlt, um dadurch Platten zu erzeugen, und deren Abtauchen in das Paraffinbad zu studieren. Das ging so lange gut, bis der Ventilator in das Paraffin fiel - trotzdem, über Plattentektonik und Mantelkonvektion haben wir durch Dich eine Menge gelernt.

 

Seit damals war neben lokalen gravimetrischen Feldmessungen im Ruhrgebiet und in der Eifel, die "Geodynamik" dein Forschungsgebiet. "Plumes" waren gerade erst erfunden worden, und der Untergrund unter Island höchst umstritten. War Island ein kontinentales Fragment (wie es einige im Nordatlantik gibt) oder Oberflächenäquivalent eines ominösen "Plumes "? Eine heiß diskutierte Frage, die schließlich zu dem großen RRISProjekt ("Reykjanes Ridge Iceland Seismic Project") führte, an dem Du als Mitantragsteller beteiligt warst. Der Faszination Islands, mit seiner rauhen Vulkanlandschaft, seiner sichtbaren Tektonik und dem eisigen, Trockenfisch geschwängerten Nordwind, bist Du seit RRISP verfallen.

Seit über 25 Jahren fährst Du nun mit unveränderter Begeisterung fast jährlich nach Island, um Schweremessungen durchzuführen und hast gute Kontakte zu isländischen Kollegen, die auch uns andere Wege ebnen. Wichtig für die deutsche Islandforschung aber war und ist vor allem Dein intuitives Verständnis der Prozesse, die zur Bildung Islands wesentlich waren und sind, und Deine Fähigkeit, die selbst erlebte Faszination und die wissenschaftliche Herausforderung, Island zu deuten, an andere weiterzugeben.

 

Aber Geodynamik kann man nicht nur auf Island, sondern auch vor der "Mainzer Haustür" betreiben, und so hast Du Dich vor einigen Jahren der Erforschung der Grube Messel zugewandt und einige wichtige Arbeiten über deren Entstehung veröffentlicht. Waren es zunächst nur die Mainzer Studenten, die jedes Jahr zum Feldpraktikum in die Grube Messel und deren Umgebung einfielen, so hast


Du auch hier Deine Begeisterung weitergegeben und so hat sich nun auch das "Frankfurter" Feldpraktikum zur Grube Messel verlagert. Die Feldpraktika am "Eselsheck" waren ja auch nie mehr so lustig, wie damals unter Deiner Leitung.

 

Überhaupt besteht sicher eine Deiner herausragenden Eigenschaften darin, offen auf andere Menschen zuzugehen und Freundschaften über Generations- und Kulturschranken hinweg zu schließen. So sind Dir denn auch heute noch viele deiner ehemaligen Kollegen und Studenten verbunden. Und sicher hat Deine offene, diskussionsfreudige und wissensdurstige Art, geholfen, die vielfach recht festzementierten Schranken zwischen den einzelnen Disziplinen der Geowissenschaften zu durchbrechen - auch indem Du Dich bemühtest, Deine Sprache dem jeweiligen "Gegenüber" anzupassen. So hattest Du schon gute fachliche Kontakte zu Geodäten, Mineralogen oder Geochemiker in Deutschland, als "interdisziplinäre Zusammenarbeit" noch keineswegs üblich war.

Studenten vieler Nationalitäten hast Du Dich angenommen und sie nicht nur wissenschaftlich, sondern oft auch mit gutem Rat und echter Hilfe durch schwierige Jahre in Deutschland begleitet. Überhaupt sehen wir es als eine Deiner herausragenden Eigenschaften an, dich immer auch für den Menschen zu interessieren, wenn Dir ein Wissenschaftler gegenübersitzt. Viele Jahre warst Du auch der Sprecher des DGG Arbeitskreises "Geodynamik" und hast nicht nur uns, sondern auch einigen anderen jungen Geodynamikern in Deutschland die "Startblöcke" bereitgehalten.

Sicher ist es auch Dir und Deinem Einsatz um Autoren zu verdanken, dass das "Journal of Geodynamics" dessen Herausgeber Du bei Elsevier lange warst, langsam aber deutlich an Popularität gewonnen hat.

 

Beneidet haben Dich sicher schon viele um Deine künstlerische Ader und zeichnerischen Fähigkeiten. Nicht nur die vielen Zeichnungen aus Island und der ganzen Welt, die gerahmt bei einstigen Mitarbeitern an den Wänden hängen, auch dem Frankfurter Institut hast Du gekonnt die " Mainhattan Skyline" für die DGG Tagung 2001 aufs Papier (und die Tagungstaschen) gebannt.

Dabei hilft die Kunst manchmal auch der Wissenschaft, wir erinnern uns noch gut an Deine Vorlesung über Potentialtheorie, die wir als Studenten hörten und bei der wir Schwierigkeiten hatten, die Integrale zu verstehen und Deinen Erklärungen zu folgen - aber der Groschen fiel, als Du eine der gelungene Skizzen an die Tafel zaubertest.

 

Als wahre Künstlernatur darf man es natürlich auch mit der Ordnung nicht pedantisch übertreiben. Bewunderung erregte deshalb bei Deinen Mitarbeitern deine Fähigkeit, aus den schier unübersichtlichen Gebirgen von Büchern und Papieren, die sich in deinem Arbeitszimmer erheben, stets das jeweils richtige hervorzuziehen - Organisation und Ordnung findet eben im Kopf statt...

 

Mit "65" stehst Du nun am Ende Deiner universitären aber sicher noch nicht am Ende deiner wissenschaftlichen Karriere. Wir sehen Deine Zukunft vor unserem geistigen Auge: bewaffnet mit dem ASKANIA Feldgravimeter und dem Zeichenblock sitzt Du, - Trockenfisch kauend -  am Fuße des Vatnajökull ......

 

Alles Gute, Wolfgang!