GeoLabor Island -wo wir neuen Meeresboden zu Fuß betreten können

 

Forschungsschwerpunkte der DFG Bündelgruppe

"Hotspot-Rücken-Wechselwirkung: Krustenbildung und Plattendivergenz in und um Island"

 

Gabriele Marquart und Harro Schmeling, Frankfurt/M



Kaum ein besiedeltes Land auf der Erde ist jünger als Island. Hier erhebt sich der Mittelatlantische Rücken über Meeresniveau und die Vulkane und Spaltenschwärme einer vulkanisch aktiven, ozeanischen Spreading-Zone können ihr Wirken vor unseren Augen entfalten. Mit einer Magmenproduktionsrate von 0.24 km3/Jahr ist Island heute weltweit einer der ergiebigsten Hotspots und eines der vulkanisch und tektonisch aktivsten Gebiete der Erde. Welches sind die Ursachen für diese beeindruckenden Aktivitäten? Im Nordatlantik führt die Natur selbst ein einmaliges Experiment durch: ein Mantelplume wird von einem ozeanischen Rücken "überfahren" und das Resultat dieser Wechselwirkung, die Vulkaninsel Island kann trockenen Fußes untersucht werden. Dieses "GeoLabor" Island hat daher fast zwangsläufig das Interesse vieler Forscher auf sich gezogen und in den letzten Jahren hat sich auch eine deutsche Forschergruppe gebildet.

 

Die kurze Geschichte Islands

 

Die Öffnung des Nordatlantiks begann von ca. 58 Millionen Jahren. Wir nehmen heute an, dass in der Zeit davor ein heißer Aufstrom im Erdmantel unterhalb des Grönländischen Schildes auf die dicke, alte Lithosphäre traf, so dass Schmelzen zunächst an den Randgebieten dieses Plumes , wo die Lithosphäre dünner war, entstanden. Dies erklärt die chemisch ähnlichen Basaltprovinzen an der West- und Ostküste Grönlands, in Westschottland und Nordgrönland. Schließlich gab die Lithosphäre längs der alten Schwächezone der Japetus-Sutur nach und es bildete sich eine 3000 km lange Spaltenzone zwischen Nordnorwegen und Südengland. Damals wurden in nur 2 Millionen Jahren enorme 2 Millionen Kubikkilometer basaltischen Magmas gefördert. Heute sind diese kilometerdicken Basaltschichten auf seismischen Aufnahmen des Kontinentalrandes in Nordwesteuropa und Ostgrönland als symmetrische Bänder ("seaward dipping reflectors") zu erkennen.

Nachdem diese ersten Schmelzen verbraucht waren, hatte sich die Aktivität des Plume abgeschwächt und es setzte in den meisten Gebieten des Nordatlantiks zunächst eine Phase ruhigen Spreadings mit weitgehend normaler Bildung von Ozeanboden im Nordatlantik ein. Doch beweist die Existenz der Färöer-Inseln und des äußeren Färöer-Plateaus, dass in dieser Breite noch weiterhin anomale Magmenmengen produziert wurden.

 

Nimmt man den tieferen Erdmantel als raumfest an, so bewegt sich das Rückensystem des Nordatlantiks demgegenüber nach Westen, während sich der Rücken gleichzeitig öffnet. Im Nordatlantik driftet sowohl die amerikanische, als auch die europäische Platte nach Westen, wobei, bedingt durch die Krustenerzeugung am Mittelatlantischen Rücken, die Westdrift der amerikanischen Platte um ca. 2 cm/a schneller ist, als die der europäischen. Als Folge dieser Westdrift näherte sich der Altlantische Rücken dem alten Plumezentrum immer mehr an. Vor ca. 35 Millionen Jahren war anscheinend ein kritischer Abstand erreicht und die kurze Geschichte der Entstehung Islands begann. Die ältesten Gesteine an den Fjorden der West- und Ostküste zeugen von dieser zweiten starken vulkanischen Aktivitätsphase im Nordatlantik. Heute ist der Rücken bereits westlich des Plumezentrums, das die Rücken-achse auf Island geradezu "festzuhalten" scheint (Abb. 1).


Abbildung 1:Topographie/Bathymetrie im Nordatlantik. Das Plumzentrum wird unter dem höchsten Berg Islands, dem Vatnajökull, vermutet.


Island zusammen mit dem umgebenden Sockel entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der größten Vulkanzentren der Erde. Insgesamt wurden etwa 1 Million Kubikkilometer vulkanischen Materials ausgestoßen. Damit ist die Magmenproduktionsrate zwar geringer, als während der frühen Öffnung des Nordatlantiks und stützt die These, dass wir ein altes Plumezentrum haben. Andererseits ist aber die heutige Magmenproduktionsrate von 0,24 km3/Jahr, deutlich höher als die mittlere Produktionsrate, zeigt also die starke Wechselwirkung zwischen aktivem Rücken und Plumezentrum.

Vulkanzentrum Island

 

Auf Island setzt sich der Atlantische Rücken in mehreren aktiven Riftzonen fort (Abb. 2). Während sich das ganze Plattensystem nach Westen bewegte, bleibt die Lithosphäre über dem heißen Mantel weich und duktil. Das Plumezentrum hält die Zone der Krustenneubildung quasi fest. Als Folge öffneten sich sukzessive neue aktive Zonen, so dass im Westen das älteste und im Osten mit dem Vatnajökull das jüngste Riftsystem liegt.

 

An der Oberfläche bestehen diese Riftzonen aus Laven, jünger als 1 Million Jahre; vielfach auch nur wenige Jahre alt. Riesige gletscherbedeckte Vulkane und Einbruchs-Calderen ziehen sich durch diese Riftzone, wobei N-S gerichtete Spaltenschwärme mit den Magmenkammern unter den Vulkanen in Verbindung stehen und oft bei Eruptionsphasen des Zentralvulkans ebenfalls Magma fördern.

 


Abbildung 2: Geologische Karte von Island.
 

Das eindruckvollste Ereignis einer derartigen Spalteneruption geschah 1783 entlang der Laki-Spalte in Südisland. Die Spalte öffnete sich auf einer Länge von 25 - 30 km und es bildete sich eine Reihe kleiner Vulkankrater. Vulkanische Asche dieser Eruption wurde bis in die Troposphäre getragen. Noch in Südeuropa beobachtete man diese feinen Aschen und stellte eine nachhaltige Beeinflussung des Wetters fest. Allein bei dieser Eruptionsphase wurden 12,5 km 3 Lava gefördert und 10 Millionen Tonnen Schwefeldioxid ausgestoßen. (An diesem Giftgas starben etwa 10.000 Menschen und die Vegetation wurde weitgehend zerstört.)

 

Deutsche Aktivitäten im "GeoLabor" Island

 

Dieses einzigartige "GeoLabor", das uns Island bietet, wird schon seit einigen Jahrzehnten von verschiedenen geowissen-schaftlichen Forschungsrichtungen in Deutschland genutzt. Bereits seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts werden Deformations- und Hebungsraten mit geodätischen Methoden in Süd- und Nord-island gemessen. Schon vor dem Zeitalter von GPS haben die Profs. Karl Gerke und Dietrich Möller aus Braunschweig und Wolfgang Torge (Hannover) mit ihren Mitarbeitern den Ablauf vulkanischer Spaltenweitung und Erzeugung neuer Erdkruste in Nordisland hervorragend dokumentiert.

 

Seit etwa 1975 haben sich verschiedene deutsche Geowissenschaftler, oft mit Unter-stützung der DFG, um eine genauere Erforschung des heißen Erdmantels und der anomalen Krustenstruktur auf Island bemüht. Obwohl fern des rauhen Nordatlantiks, war es Prof. Gustav Angenheister in München, der wesentlich zur Durchführung des groß-angelegten RRISP ( Reykjanes Ridge Iceland Seismic Project) beitrug. Übernahm die Münchener Gruppe vom Prof. Gebrande die Landseismik, so bedurfte es noch der Expertise von Prof. Wilhelm Weigel (Hamburg), um ein kombiniertes land- und seeseismisches Profil längs des Reykjanes-Rücken bis auf dem Island-Sockel zu verwirklichen. Die resultierenden Seismo-grammmontagen zeigten ein ungewöhnliches Bild, mit seismischen p-Wellenge-chwindig-keiten von 7,2 –7,4 km/s in ca. 15 km Tiefe; dieser Bereich wurde damals als anomal heißes Mantelmaterial interpretiert. Magneto-tellurische Messungen von Dr. Martin Beblo (München) passten hervorragend zu dieser Interpretation, zeigten sie doch eine elektrisch gut leitende Schicht in genau dieser Tiefe.

 

Viel zu unserem Verständnis der Entstehung Islands und der Wechselwirkung zwischen aufsteigendem heißen Mantelmaterial mit einem ozeanischen Rücken haben die Arbeiten von Prof. Wolfgang Jacoby (Mainz) beigetragen, der über einen Zeitraum von über 20 Jahren fast jährlich Schweremessungen auf Island durchgeführt, um z. B. Eisentlastungs-prozesse zu dokumentieren (vgl. Bürger et. al., in diesem Heft).

 

Neuste Erkenntnisse über den Island-Plume

 

In den letzten 10 Jahren wurde Island zunehmend Ziel mehrerer internationaler Forschungsgruppen, teilweise in Verbindung mit dem internationalen "RIDGE" Projekt zur Untersuchung mittelozeanischer Rücken. In mehreren seismischen Experimenten wurden Seismographen über ganz Island verteilt aufgestellt und die seismischen Regi-strierungen von entfernten Erdbeben nach der Geschwindigkeitsstruktur im Untergrund, bis ca. 700 km Tiefe, untersucht. Das Ergebnis dieser seismischen Tomographie zeigt eine Abnahme der s-Wellen-Geschwindigkeit von etwa 4% im oberen Mantel, sie ist aber in sehr flachen Tiefen oberhalb von ca. 100 km eventuell deutlich höher. In diesen Tiefen erwarten wir auch das Auftreten von Schmelzen. Die insgesamt nicht sehr starke Geschwindigkeitsabnahme unterhalb von 100 km wird mit einer Erhöhung der Temperatur in dem heißen Aufstiegsbereich des Plumes von 150 - 200°C erklärt.

Diese Überschusstemperatur hat direkte Bedeutung für die insgesamt erzeuge Menge basaltischer Schmelze. Die Menge des basaltischen Materials bedingt andererseits die Dicke der isländischen Kruste. Sowohl die Struktur, als auch der Bildungsprozess der isländischen Kruste stellen aber zur Zeit noch ein ungelöstes Problem dar. Neue Inter-pretationen der RRISP Daten und einige neue seismische Profile sprechen für eine sehr dicke Kruste von bis zu 50 km, die auch noch relativ kalt sein sollte, um die hohen Krusten-geschwindigkeiten zu erklären. Doch ist die postulierte Moho nur durch wenige seismische Reflektoren belegt. Untersuchungen der seismischen Übertragungsfunktion der Kruste ("receiver functions") legen eher eine Abnahme der seismischen Geschwindigkeit unterhalb dieser Reflektoren nahe - was gegen eine simple Interpretation dieser Reflektoren als Krusten-Mantelgrenze spricht. Petrologisch findet man in der jungvulkanischen Zone sowohl Pikrite, die auf einen sehr schnellen Transport von Magma aus großer Tiefe hinweisen, als auch saure Magmen, die für eine hohen Differensationsgrad der basaltischen Magmen sprechen (sofern sie nicht eine Heterogenität der Schmelzzone widerspiegeln).

Gegen eine relative kühle basaltische Kruste spricht auch die Interpretation von Schwere-änderungen, gemessen in der Umgebung des größten europäischen Vulkans "Vatnajökull ". Modellrechnungen ergeben eine sehr niedrige Viskositäten von 10 -17 s-1 in nur 15 km Tiefe.

 

Der Arbeitskreis "Geowissenschaftliche Islandforschung"

 

Aufbauend auf diesen Vorarbeiten und der Erkenntnis, dass man zum Verständnis eines komplexen Phänomens wie Island die Er-gebnisse verschiedener Disziplinen zueinander in Beziehung setzen muss, haben wir vor ca. fünf Jahren, mit Unterstützung von Herrn Dr. Karte (DFG) einen interdisziplinären Arbeits-kreis " Geowissen-schaftliche Islandforschung " gebildet. Hier versuchen wir, die Denkansätze, Arbeitsweisen und Erkenntnisse aus ver-schiedenen geowissenschaftlichen Disziplinen (Geodäsie, Geochemie, Fernerkundung, Geo-physik ) für die gesamte Gruppe verständlicher zu machen und in ein neues gemeinsames, übergreifendes Bild von Island einzubinden. Dabei bestand anfänglich schon ein Problem darin, überhaupt eine gemeinsame "Fach-sprache " zu entwickeln und die Terminologie und methodischen Ansätze der anderen Disziplinen zu verstehen.

Wir erarbeiteten, dass der Krusten-bildungsprozess das zentrale und über-greifende Thema der Gruppe ist. Während die Bildung normaler ozeanischer Kruste schon eingehend untersucht und auch recht gut bekannt ist, stellt die anomale isländische Kruste wegen der Plume-Rücken-Wechsel-wirkung eine besondere Herausforderung dar. Die Krustenbildung hängt von vielen plume- und rückenspezifischen Prozessen und Parametern ab. So sollte z.B. das Verhältnis der Magmenproduktionsrate im Plume und der mittleren Spreadingrate die Dicke der Kruste bestimmen. Petrologische Schmelzmodelle und geochemische Befunde können helfen, diese Magmenproduktionsrate abzuschätzen; geodätische Messungen können helfen, den Spreadingprozess auf Island besser zu lokalisieren und damit die Rheologie der Kruste, die ja auch mit der Temperatur gekoppelt ist, besser einzuschränken.

 

Anfang 2001 waren wir soweit, ein gemeinsames Antragsbündel mit dem Titel „ Hotspot-Rücken-Wechselwirkung : Krustenbildung und Plattendivergenz in und um Island“ bei der DFG einzureichen,

Dabei wurden die Anträge vier Teilaspekten zugeordnet:

 

1. "Tiefer Plume". Diese Forschungsvorhaben betreffen die Frage nach der Temperatur im Plume, der chemischen Homogenität der Schmelzzone, der Detektierbarkeit des Plumes durch Oberflächenbeobachtungen und der Rheologie im Plume.

2. "Schmelzprozesse im Plume". Diese Projekte widmen sich den Fragen: Wie und wo schmilzt das Material auf, können wir elektrische Leitfähigkeitserniedrigungen feststellen, viel Schmelze bildet sich und wie steigt sie an die Oberfläche?

3. "Krustenbildung über dem Plume". Hierbei geht es um das eigentliche Anwachsen der Kruste. Wir möchten die Mechanismen untersuchen, durch die sich die Kruste aus der Schmelz bildet und die Tiefe, in der sie wirksam sind. Da diese Krustenbildung erfolgt, während die Platten auseinander-driften , wollen wir die räumlichen und zeitlichen Änderungen der Divergenz-bewegung genauer untersuchen. Auch die Frage nach der Bedeutung der Magmen-kammern für die Krustenbildung und den Chemismus der Magmen soll untersucht werden.

4. "Wechselwirkung mit den angrenzenden Rücken". Im Norden und Süden von Island geht die Plumeaktivität wieder in eine normale Rückenaktivität über. Hierbei fragen wir uns, wie sieht die Übergangs-zone tektonisch und chemisch aus. Welche Deformationsprozesse überwiegen an der Oberfläche in den Übergangszonen?


Die Projekte

 

Wir wollen uns diesen Fragen in zehn verschiedenen Projekten widmen, die von der DFG zunächst bis Ende 2001 bewilligt wurden.

Kommen wir zurück auf die tiefen Ursachen für den Islandplume . Hier setzen die Arbeiten der Gruppe um Prof. Igel (München) ein. Die Mitarbeiter untersuchen die Verzerrung des seismischen Wellenfeldes beim Durchgang durch das heiße, seismisch langsame Plumematerial. Dabei deutet sich an, dass die Wellenfronten die Verzerrung zum Teil "ausheilen", wodurch der Plumeeffekt unter-schätzt werden kann.

Da die Prozesse im Erdmantel direkten Messungen nur schwer zugänglich sind, ist man hier besonders auf physikalische Modellrechnungen angewiesen. Zwar gibt es viele numerische Experimente für Plumes im Erdmantel, doch die Stabilität eines Plumes im globalen Strömungsfeld des Erdmantels ist nicht gut untersucht. Dr. Steinberger (Frankfurt, z. Z. Boulder) und ein Mitarbeiter wollen dazu versuchen, das globale Strömungsfeld in Übereinstimmung mit der globalen Tomographie und der platten-tektonischen Strömungsverhältnisse   Ober-flächengeschwindigkeit für den Nordatlantik vorzugeben und die Stabilität und Dynamik des Island-Plumes zu untersuchen. Übertragen auf den realen Plume bedeutet das, "wie verformt sich der Plume, d.h. die heiße Anomalie im Mantel, während der wenigstens 35 Millionen Jahre ihrer Existenz, durch die Wechselwirkung mit der globalen Strömungs-feld und den driftenden Rücken?". Zu untersuchen ist insbesondere, ob der Plume in den Reykjanes Rücken hinein abgelenkt wird, wo geochemische Indizien eine Beimischung von Plumemagmen nahelegen.

 

Eine alte Frage der an globalen Aspekten interessierten Geowissenschaftlern ist die nach der Heterogenität des Erdmantels. Was passiert mit der subduzierten ozeanischen Kruste, wo schmilzt sie auf und mischt sich zurück in den umgebenden Mantel und wie kleinräumig sind die chemischen Unterschiede, die im Erdmantel bestehen? Das Projekt von Prof. Hofmann und Dr. Sobolev (MPI Mainz) widmet sich dazu der Fragestellung, ob eine gemeinsame Schmelz-region im Mantel zur Homogenisierung kleinräumig chemisch unterschiedlicher Mantelregionen beiträgt und ob Proben von Island Hinweise geben, dass Eklogit (nicht Peridotit!) in der primären Schmelzzone in ca. 80 km Tiefe vorhanden ist.

 

Schmelze führt immer auch zu einer Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit. Ein guter Leiter in ca. 15 km Tiefe im Islandsockel ist schon lange bekannt, wenn auch die Ursache für die gute elektrische Leitfähigkeit umstritten ist. Dr. Beblo (München) und Prof. Junge (Frankfurt) wollen mit Hilfe ihrer Mitarbeiter nun versuchen, mit langperiodischen magneto-tellurischen Beobachtungen die Schmelzregion in der Tiefe, unterhalb dieses guten oberflächennahen Leiters, zu detektieren. Modellrechnungen, die bereits durchgeführt wurden, zeigen, dass zumindest die Möglichkeit dazu besteht.

 

Schmilzt nun der Erdmantel lokal auf, so können etwa 30% des Peridotit zu basaltischer Schmelze werden, die aber nicht im Mantelgestein verbleiben, sondern vermutlich sehr schnell nach oben aufdringen. In tieferen Regionen geschieht dies wahrscheinlich zunächst durch eine poröse oder kanalisierte Strömung der Schmelze, die sich aber offensichtlich zu Dykes vereinigt und nach oben, durch die ungeschmolzene Lithosphäre "durchschießt". Prof. Dahm (Hamburg) untersucht dazu das Spannungsfeld, das zu einem Aufdringen der Dykes führt und die Tiefe, in der diese in die Kruste eingebettet werden.

 

Die isländische Kruste, zwar ozeanisch von ihrer Entstehung her, unterscheidet sich doch deutlich von einer ozeanischen Kruste. Die ozeanische Kruste gliedert sich recht klar in vier Schichten (Sedimente, Oberflächen-Laven, vertikale Dykes, Gabbros), wobei wir annehmen, dass eine flache Zone mit hohem Schmelzanteil, in wenigen Kilometern Tiefe längs der Rückenachse, eine wesentliche Rolle spielt. Zwar gibt es auch in Island Oberfächen-Laven und eine jungvulkanische Zone, die in zwei Bändern das Land von Süden nach Norden durchzieht, doch eine durchgehende flache Zone mit Schmelzanreicherung kann man nicht sehen. Für die isländische Kruste kann man deshalb annehmen, dass sie in mehreren Stockwerken erzeugt wird, nicht nur durch oberflächennahe Magmakammern, sondern auch durch tiefe Dykes oder Anlagerung von Material unten. Wir (Prof. Schmeling und Dr. Marquart; Frankfurt) wollen deshalb versuchen, die isländische Kruste modellmäßig zu erzeugen, indem wir verschieden Akkretionbereiche annehmen und damit Temperatur und Chemismus der Kruste untersuchen.

 

Lavaproben zeigen, dass in isländischen Zentralvulkanen silizische (saure) Magmen gefördert werden. Solche Laven können entweder bei hohen Aufschmelzungsgraden aus normalem Mantelmaterial entstehen oder durch Wiederaufschmelzung und Differenzierung von basaltischer Kruste. Prof. Hörnle und Dr. van den Bogaard wollen diese Frage untersuchen, und auch feststellen, ob es zeitliche Änderungen bei der Förderung dieser sauren Magmen gibt. Saure Eruptiva werden oft als Bims oder Aschen gefördert, die je nach Wetterlage über riesige Gebiete verteilt werden. So wurden diese Aschen bis nach Schottland und Skandinavien getragen. Die Bestimmung des Gesamtvolumens silizischer Magmen ist somit eine echte Herausforderung, und es stellt sich die Frage, ob die Menge dieser Magmen nicht bisher unterschätzt wurde.

 

Vergleicht man die Lage der Riftzone auf Island und die Position des größten Vulkanzentrums "Vatnajökull " mit der Position des Mittelatlantischen Rückens, so erkennt man deutlich, dass auf Island die Riftachse und das Zentrum der größten vulkanischen Aktivität nach Osten verschoben sind. Die Verbindung zwischen der jungvulkanischen Zone auf Island und den südlichen und nördlichen ozeanischen Rücken stellen zwei breite Scherzonen her, die Tjörnes-Verwerfung im Norden und die Südwest-Isländische Scherzone. Diese Zonen sind tektonisch aber keine einfachen EW-ausgerichteten Scherverwerfung, sondern besehen aus einer Anzahl von versetzten NW-SE gerichteten kurzen Scherzonen. Diese Zonen stellen den Übergang zwischen dem Spannungsfeld über einem heißen Aufstrom und dem plattentektonischen Spannungsfeld nahe der Plattengrenze dar. Die Gruppe um Prof. Niemeier (Braunschweig) beobachtet die Bewegungen der Südlichen Zone in hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung. Neuste Daten aus kontinuierlichen GPS-Messungen ergeben, dass über S-Island hinweg die plattentektonische Divergenz nicht kontinuierlich verläuft, sondern an episodische Ereignisse mit seismischen Aktivitäten gekoppelt ist, wobei offensichtlich eine jahreszeitliche Zyklizität zu beobachten ist.

 

An der Tjörnes-Scherzone soll vor allem mit seismischer Tomographie die tiefere Struktur untersucht werden (Prof. Dahm, Hamburg). Geochemisch scheinen sich die geförderten Magmen abrupt an der Tjörnes Zone zu ändern (während sie sich im Süden über eine lange Strecke, bis weit in den Reykjanes Rücken hinein, nur allmählich einer normalen MORB-Zusammensetzung annähern). Dieser Befund ist jedoch bisher nur durch wenige Proben gestützt. Die Gruppe im Prof. Devey (Bremen) wird deshalb den Chemismus der Laven in der Tjörnes Zone genauer untersuchen.

 

Unsere Gruppe ist offen für alle Geo-wissenschaftler, deren Arbeiten in Beziehung zur Evolution und Dynamik von Island stehen und wir freuen uns über neue Beiträge. Informationen finden Sie auf unserer Web-page:

 

www.geophysik.uni-frankfurt.de /iceland .